«Das ist schrecklich»

27. Oktober 2010 09:33; Akt: 27.10.2010 10:29 Print

SVP droht Ärger wegen PlakatenSVP droht Ärger wegen Plakaten

Vergewaltiger, Sozialbetrüger, Kinderschänder: Die Plakatkampagne der SVP zur Ausschaffungsinitiative sorgt bei der Bildagentur und beim Fotografen für rote Köpfe.

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Ganz dem Xenophobie-Barometer entsprechend müssen nun nicht mehr Kosovaren und Türken, sondern auch ein fiktiver deutscher Kinderschänder namens Detlev S. herhalten. Im Herbst 2010 startet die SVP in gewohnter Manier den Abstimmungskampf für ihre Ausschaffungsinitiative. Die islamfeindliche Minarett-Initiative vom Herbst 2009. Die Nein-Kampagne zur Personenfreizügigkeit illustriert die SVP mit diebischen Raben. Sie will sich «mit allen Kräften» gegen die Ausdehnung auf Rumänien und Bulgarien wehren. Gegen die beiden Vorlagen zur erleichterten Einbürgerung machte die SVP 2004 mit Händen, die gierig nach Schweizer Pässen greifen, Stimmung. Bereits ein Klassiker: Die Plakate zur Ausscha(f)fungsinitiative. Nachahmer in Spanien: Die rechtsradikale Gruppe «Democracia Nacional» übernimmt die Schäfli-Kampagne. Billige Kopie: Im deutschen Bundesland Hessen hat die Rechtsaussen-Partei NPD das Schäfchen-Plakat kopiert. Die Schafe sind allerdings keine Schöpfung der SVP-Werber. Die umtriebigen Leute der Dübendorfer Werbeagentur Goal haben die Vorlage von einem englischen Grafiker, der nichts von der Polit-Verstümmelung seines Werkes wusste. Mit Schafmetzger überklebtes SVP-Plakat. Eines der vielen Gegenplakate mit noch mehr schweigenden Lämmern im Hintergrund. Zum gleichen Thema ein Comic. Im SVP-Online-Spiel darf Zottel die Grünen prügeln, Richter treten und Ausländer wegbugsieren. Aus der Küche des Unterwalliser SVP-Nationalrats Oskar Freysinger stammt dieses Plakat: «Benutzt Eure Köpfe». Gläubige Moslems fühlten sich zutiefst verletzt. Die junge SVP Baselland hat mit dem Video, das einen echten Mord (in den USA) zeigt, weit übers Ziel hinausgeschossen. Das vieldiskutierte «Neger-Inserat». Andrew Katumba von Second@s plus ist nicht um eine Replik verlegen. Flyer der Jungen SVP Bern 2006 Die Gleichsetzung des politischen Gegners mit Ungeziefer erregte grosse Empörung. Der SVP wurde vorgeworfen, ... ... sie bediene sich der Bildsprache der Nazi-Propaganda. Ein weiterer Klassiker: Das Messerstecher-Plakat.

Provokation als Programm: die Plakatsujets der SVP

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«Ich habe dieses Foto nicht für diesen Zweck gemacht. Ich unterstütze diese Kampagne nicht»: Der Fotograf der Bilder, die von der SVP für ihre neuste Plakatkampagne verwendet werden, zeigt sich entsetzt, als er von der «Aargauer Zeitung» auf die Sujets aufmerksam gemacht wird.

Der Serbe Milan Zeremski bietet über die Fotoagentur iStockphoto rund 600 Fotos zum Verkauf an – darunter auch jenes mit einem südländisch aussehenden Gangstertypen. An diesem Sujet hat die PR-Agentur Goal Gefallen gefunden, es für unter hundert Franken gekauft und für die SVP-Plakatkampagne verwendet. «Das ist schrecklich», meint Zeremski.

Was für den Fotografen «schrecklich» ist, aber doch auch ein wenig zum Berufsrisiko gehört, ist für die Bildagentur iStockphoto ein klarer Verstoss gegen die Lizenzvereinbarungen: «Fotos von iStockphoto dürfen auf diese Weise nicht für politische Kampagnen verwendet werden», sagt Sven Ole Schubert, Medienverantwortlicher bei iStockphoto Deutschland, gegenüber der «Aargauer Zeitung». Laut Lizenzvereinbarung dürfen die ohnehin schon üblen Typen auf den Fotos nicht in einem noch übleren Zusammenhang gezeigt werden. In schönstem Juristendeutsch hört sich das so an: Verboten sei die «Nutzung oder Darstellung jeglichen Inhalts, der ein Modell oder eine Person enthält, wenn […] die Person in einer möglicherweise sensiblen Situation dargestellt wird (einschliesslich unter anderem bezogen auf [..] sexuelle oder angedeutete sexuelle Aktivitäten oder Vorlieben, Drogenmissbrauch, strafbares Verhalten [..]).» Es gehe schliesslich um den Schutz der Fotomodelle, so Schubert.

«Das Ganze ist unproblematisch»

Der Sprecher von iStockphoto kündigt an: «Wir werden nun rechtliche Abklärungen machen und an die Veranstalter herantreten.» Die Lizenzvereinbarung enthalte einen Passus, in dem klar vorgeschrieben sei, dass Fotomodelle als solche zu kennzeichnen seien. Diese Kennzeichnung fehlt auf den Plakaten und der Kampagnenwebsite der SVP.

Martin Baltisser, Generalsekretär der SVP, zeigt sich gegenüber der «Aargauer Zeitung» unbeeindruckt: «Unsere Agentur hat die entsprechenden Bildrechte, das Ganze ist unproblematisch.» Und auch der Geschäftsführer der Dübendorfer PR-Agentur Goal, Alexander Sebert, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen: «Wir nutzen iStockphoto nun schon seit Jahren, und es gab noch nie Probleme damit.»

(mlu)

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  • Jean Breitenstein am 30.10.2010 16:43 Report Diesen Beitrag melden

    Ausschaffungsiniative

    Alles was von "BERN" kommt jeweils ablehnen - ansonsten den gesunden Menschenverstand walten lassen.

  • philipp glanzmann am 29.10.2010 02:22 Report Diesen Beitrag melden

    sollen sich doch selber abbilden

    nicht lange auf kompliziert machen, und irgendwelche fotos bei fotomodellagenturen kaufen, wenn man schon toni brunner christoph blocher und einen wunderbaren, wie den thomas fuchs hat, kann man die doch gleich als fotomodell nehmen die machen das doch sicher gratis

  • Der Kritiker am 28.10.2010 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    Die SVP kauft bei DEUTSCHEN Agenturen?

    Immer schön dem Volk das Schweizer Kreuz zeigen, aber selbst in Deutschland einkaufen? Selbst die Agentur GOAL wird durch keinen Schweizer, sondern einen Deutschen geführt.

    • Jacky M. am 28.10.2010 15:23 Report Diesen Beitrag melden

      @ Der Krtitiker

      Da hast du etwas falsch verstanden. Die SVP kauft bei einer Agentur aus der Schweiz, die von einem Deutschen gegründet wurde. Er hat immerhin für Arbeitsplätze in der Schweiz gesorgt und zahlt Steuern. Aber du hast schon recht: weg mit ihm! Soll er sein Geschäft in Deutschland aufbauen, die brauchen auch Arbeitsplätze und Steuereinnahmen. Wir können darauf verzichten.

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