Glückspiel

01. Juni 2010 23:39; Akt: 02.06.2010 10:16 Print

Bundesgericht verbietet Pokerturniere

Gewinnt man im Pokern mit Können oder mit Glück? Das Bundesgericht sagt, es sei nicht erwiesen, dass es vor allem aufs Können ankommt. Damit ist Pokern ein Glücksspiel, das Casinos vorbehalten ist.

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In den letzten Jahren sind Pokerturniere in Restaurants, Poker-Lounges und anderen Lokalen immer beliebter geworden. Damit ist jetzt Schluss: Laut dem Bundesgericht darf ausserhalb von Casinos nicht mehr gewerblich gepokert werden.

Der Bundesgerichtsentscheid, den 20 Minuten Online am Dienstagabend öffentlich machte, ist für die Pokerfans ein Schock. «Es ist eine Tragödie für all die neu eröffneten Poker-Lounges, die in den letzten Monaten tausende von Franken in den Ausbau ihrer Räume gesteckt haben», schreibt ein User auf www.pokerfacez.net.

Das Bundesgericht begründet sein Urteil damit, dass nicht erwiesen sei, dass das Geschicklichkeitselement bei der Poker-Variante Texas Hold’em den Zufallsfaktor überwiege. Zwar würden Kenntnisse der Spieler den Spielausgang beeinflussen, doch laut Gericht überwiegt beim Pokern das Glück die Geschicklichkeit.

Mit seinem Entscheid widerspricht das Bundesgericht der Eidg. Spielbankenkommission (ESBK) und dem Bundesverwaltungsgericht. Die beiden Instanzen hatten die Ansicht vertreten, dass beim Poker «Texas Hold'em» die Geschicklichkeit für den Erfolg überwiege.

Bluffen, Taktik und Mathematik

Öffentliche gewerbliche Turniere würden damit nicht von der Spielbankengesetzgebung erfasst und dürften mit Einwilligung des jeweiligen Kantons auch ausserhalb einer lizenzierten Spielbank von privaten Anbietern durchgeführt werden. Das Bundesgericht hat die Beschwerde des Schweizer Casino-Verbandes nun gutgeheissen.

Das Bundesverwaltungsgericht war bei seinem Urteil im vergangenen Sommer zum Schluss gekommen, dass es im Verlauf eines mehrstündigen Turniers mehr als blosses Glück brauche, um auf einen Gewinnplatz zu kommen. Gefragt seien vor allem mathematische Kenntnisse, Taktik, Psychologie und nicht zuletzt Bluffen und Schauspielerei.

Kartenglück und Setzverhalten

Laut Bundesgericht kann ein Turnierteilnehmer mit diesen Fähigkeiten den Ausgang des Spiels zwar in einem gewissen Mass zu seinen Gunsten beeinflussen. Indessen würden keine definitiven wissenschaftlichen Daten dazu bestehen, ob diese Geschicklichkeitselemente den Zufall tatsächlich überwiegen würden.

Auch die von der ESBK durchgeführten Test-Spielreihen könnten nicht belegen, dass dem Geschick entscheidende Bedeutung zukomme. Vielmehr wird das Pokern nach Meinung des Bundesgerichts im Wesentlichen durch kaum kontrollierbare Faktoren bestimmt, wie das Kartenglück oder das Setzverhalten der Gegenspieler.

Geldwäscherei vorbeugen

Zu diesem Schluss seien auch die deutschen und österreichischen Gerichte gekommen. Zu beachten sei weiter, dass eine Öffnung von Pokerturnieren für private Anbieter ausserhalb von Casinos mit den Zielen der Spielbankengesetzgebung kaum vereinbar wäre.

Der Gesetzgeber habe beabsichtigt, das Glücksspiel insgesamt zu erfassen und auf die Casinos zu konzentrieren. Damit sollte ein sicherer überwachter Spielbetrieb gewährleistet, sowie der organisierten Kriminalität, der Geldwäscherei und den sozial schädlichen Auswirkungen des Spielbetriebs vorgebeugt werden.

Turniere unter Freunden erlaubt

Eine unkontrollierte Zulassung privater Turnieranbieter vereitle einen transparenten regulierten Pokermarkt, ohne dass dafür sachliche Gründe bestehen würden. Zudem würde die angestrebte einheitliche Regelung auf Ebene des Bundes im schlimmsten Fall durch 26 verschiedene kantonale Regelungen ersetzt werden.

Private Turnierveranstalter, die den Spielbetrieb nun einstellen müssen, werden vom Gericht darauf hingewiesen, dass sie ihre bisherigen Investitionen auf eigenes Risiko getätigt haben.

Immerhin: Private Turniere im Freundes- und Familienkreis bleiben erlaubt.

(hal/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peschä am 02.06.2010 21:08 Report Diesen Beitrag melden

    Verbote Verbote Verbote

    Bin selber kein Poker-Spieler, kann aber trotzdem überhaupt nicht verstehen, warum sich der Staat in solche Dinge einmischt. Wenn ein paar erwachsene Leute sich gerne ab und zu treffen und um ein wenig Geld pokern wollen, ist das doch überhaupt kein Problem! Schliesslich gibt es auch kein Gesetz, das z.B. besagt, dass in einem Restaurant die teuerste Flasche Wein maximal 50 Franken kosten darf, oder ein Hotelzimmer maximal 120 Franken, oder ein Auto max. 30000 Franken... Wir müssen wieder anfangen, für unsere Freiheit zu kämpfen. 2011 sind wieder Wahlen!

  • Initiant am 02.06.2010 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    Pokerinitiative

    Dann starten wir halt eine Volksinitiative.

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  • Jonny am 02.06.2010 13:02 Report Diesen Beitrag melden

    Konsequenz der Gesetzt...

    Liebe kommentatoren, überlegt doch mal. Wenn mann bei Poker eine Ausnahme macht, warum nicht gleich bei Blackjack? Bei Einarmigenbanditen? Schliesslich kann man, rein Mathmatisch gesehen auch dort mit gewissen Taktiken besser spielen? Gesetzt müssen nunmal für alle und jeden gelten, das Poker ein Glücksspiel ist und die der Gesetzgeber noch keine Entscheidung getroffen hat, war schon seit ein paar Jahren bekannt. Wer ein Turnier machen will braucht nunmal eine Lizenz, was hält denn die betroffenen davon ab eine zu beantragen? Es ist schlimm, mittlerweilen wird nur noch geflennt..

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Neidhardt am 07.06.2010 02:21 Report Diesen Beitrag melden

    Steuern umgehen

    Die Casios liefern keine Steuern für Pokerturniere ab. Die Steuer umgehen Sie indem keine Gebühr verlangt wird. Mit dieser Erklärung erwarten sie dafür ein Trinkgeld von 4%. So ist es auch in der aktuellen Ausgabe des Pokerblattes geschrieben. Und keiner Interessiert sich dafür. Im Gegensatz dazu, bezahlen die privaten Anbieter die Mehrwertsteuer auf den Rakes. 5,2% bei vereinfachter Abrechnungsmethode.

    • Coldi am 08.06.2010 16:21 Report Diesen Beitrag melden

      Umgehen? Wie soll das funktionieren?

      Was heisst denn hier Steuern umgehen? Die Casinos verlangen keine Gebühr, weil es sich für sie aufgrund der hohen Spielbankenabgabe nicht lohnt. Die Mehrwertsteuer ist ein Witz dagegen. Und das Trinkgeld ist erstens freiwillig und zweitens kommt es zu 100% den Angestellten zu gute. Das Casino hat also nichts davon.

    • Insider am 12.06.2010 13:01 Report Diesen Beitrag melden

      ...war so geplant

      ... vom ESBK Präsident Dr. jur. Benno Schneider. Kundschaft generieren lassen - dann Kundschaft in Casinos umleiten. Tipp's kamen von Casino Austria als Berater.

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  • Coldi am 04.06.2010 14:13 Report Diesen Beitrag melden

    Neid der Casinos berechtigt

    Dass die Casinos es den Privaten nicht gönnen, wenn sie mit Poker Geld verdienen, da sie im Gegensatz zu den Casinos keine Abgaben bezahlen müssen, ist doch klar. Würde mir auch so gehen. Mal angenommen ich würde eine Bar aufmachen und würde neben Softgetränken, auch Bier und Wein anbieten und müsste für all meine Getränke Abgaben bezahlen. Mein Konkurrent nebenan, der nur Softgetränke verkauft, müsste hingegen keine Abgaben bezahlen. Da würde ich auch auf die Barrikaden gehen.

  • ruedi schaub am 04.06.2010 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    wie bitte?

    einfach die grösste schweinerei...aber es wundert mich garnicht....was ist schon noch legal in der schweiz??? bald bezahlen wir noch fürs Atmen... einfach mal um die richtigen probleme kümmern und steuern nicht verprassen wäre ein guter anfang...

  • Poker Face am 04.06.2010 11:43 Report Diesen Beitrag melden

    Voll daneben!

    Wo soll das alles enden? Rauchverbot, Killerspiele-Verbot, Pokerverbot.. Aber die richtigen Abzocker dürfen Ihre Millonen-Boni (mit unserem Geld erwirtschaftet) behalten!! Nicht mehr lange und ich wandere aus..! Wieviel hat die Casinolobby wohl geschmiert? Wie kann jemand seinen Lebensunterhalt verdienen mit einem Spiel auf Glücksbasis? Denkt mal darüber nach..

  • Bruno Hochuli am 04.06.2010 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    Verbot hat auch seinen Nutzen.

    Vielleicht verschulden sich weniger Spieler und so ist allen gedient. Statt die halbe Nacht durch zu spielen,sind sie am nächsten Tag besser bei der Arbeit.

    • Anabella am 04.06.2010 13:13 Report Diesen Beitrag melden

      Was für Schulden?

      Wenn Du keine Ahnung hast, dann sag doch nichts dazu. Verschulden kannst Du dich nur im Casino, da dort Cash-Games gespielt werden. Turnier-Poker kostet im Schnitt zwischen 60-200 CHF. Beim Cash-Game kannst du dich immer wieder einkaufen und da ist keine Limite gesetzt und im Casino spielt keiner für 100 CHF, dort spielt man erst recht um mehrere Tausend Franken. Nur so zur Info!

    • Bruno Hochuli am 04.06.2010 16:42 Report Diesen Beitrag melden

      Liebe Anabella

      Das Spiel selber ist schon toll, aber ich meine die Sucht zum spielen ist gefährlich und führt zur Abhängigkeit. Viele haben eigentlich das Geld nicht dazu und hier wird es trotz kleiner Beträge gefährlich. Gruß Bruno

    • Roger Byland am 04.06.2010 21:05 Report Diesen Beitrag melden

      Sucht?

      Die Süchtigen spielen in Casinos in Cashgames. Es geht hier aber vor allem um Turniere die organisiert werden. Da hat man ein BuyIn und dann hat sichs erledigt. Also deine Argumentation ist ziemlich schwach und voll von Vorurteilen.

    • Boris Radtke am 06.06.2010 13:34 Report Diesen Beitrag melden

      cash game Sucht? tournaments skill?

      Wie bitte? Ich höre wohl nicht ganz richtig. Erstens einmal ist es so, dass diese Anbieter vor allem mit sit-and-go's Geld verdienen. Die Multitable Events sollen ja nur die masse anziehen. Und zweitens kann man ziemlich viel Geld verlieren, auch bei solchen tournaments,je nachdem, wie oft man zu diesen Clubs fährt. Soviel von meinerseits.

    • Some Evil am 12.06.2010 16:28 Report Diesen Beitrag melden

      @ Borsi Redtke

      tja, da kommt der gesunde Menschenverstand ins spiel. jedem seine eigene Schuld, wenn er sein Geld verlocht, oder eben seine Chancen nutzt und es nicht gelingt. so ist das leben junge. wegen den tournaments zahlste und einmal fertig! da kannste dir was zusammen sparen und dann versuchen, MAN LEBT SCHLIESSLICH NUR EIMAL!

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