Hygiene

01. Juni 2017 05:42; Akt: 01.06.2017 09:05 Print

Hunderttausend pfeifen aufs Zähneputzen

von B. Zanni/A. Schawalder - Über 100'000 Personen in der Schweiz greifen nicht täglich zur Zahnbürste. Manchmal hilft nur noch das Ziehen von Zähnen.

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Laut der neusten Schweizer Gesundheitsbefragung des Bundesamts für Statistik BFS putzen rund 120'000 Schweizer die Zähne weniger als einmal pro Tag. Dies, obwohl ihnen die Zahnputzfee im Kindergarten einbläute, wie wichtig Zähneputzen ist. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Schon im Kindergarten bläut die Zahnputzfee uns ein, dass Zähneputzen so wichtig ist wie Essen und Trinken. Trotzdem ist die Mundhygiene für manche Schweizer kein tägliches Ritual. Laut der Schweizerischen Gesundheitsbefragung des Bundesamts für Statistik (BFS) putzen rund 120'000 Schweizer die Zähne weniger als einmal pro Tag. Darunter sind vor allem 15- bis 34-jährige Männer (3,6 Prozent) und Frauen (0,8 Prozent).

Umfrage
Stört es Sie, wenn jemand nicht regelmässig die Zähne putzt?
31 %
9 %
35 %
25 %
Insgesamt 11170 Teilnehmer

Auch Zahnärzte beobachten, dass junge Menschen die Zahnpflege teilweise vernachlässigen. «Es kommt vor, dass ich Zähne ziehen muss, weil Patienten die Zahnpflege einfach ‹tschäddere› liessen und dann erst zum Zahnarzt kommen, wenn es brennt», sagt der Berner Zahnarzt Markus Neuwirth. «Junge Leute, ganz egal wie gebildet sie sind, finden manchmal, sie hätten Besseres zu tun, als ihre Zeit mit Zähneputzen zu verschwenden.»

Weil sie ihr Geld lieber für Kleider und Ausgang sparten, gingen sie auch erst im äussersten Notfall zum Zahnarzt. Der Konsum von Alcopops, Energydrinks und Softdrinks verschärfe das Problem. «Heute wird ständig an irgendetwas genippt. Putzt man dazu nicht regelmässig die Zähne, ist das ein Fluch.»

Haben Sie Ihre Zähne zu wenig geputzt und deshalb Probleme bekommen? Dann melden Sie sich hier:

Patienten voller Löcher

Neuwirth beobachtet das Phänomen vor allem bei Patienten nach dem Auszug aus dem Elternhaus. «Sie fühlen sich frei und halten sich deshalb auch nicht mehr an die Zahnputzregeln, die ihnen die Eltern vorschrieben.» Ein weiterer Grund sei die Wohlstandsgesellschaft. «Weil wir es uns leisten können, Löcher schnell beim Zahnarzt reparieren zu lassen, halten einige Leute Prophylaxe für unnötig.»

Erwin K. Wüest, Informationsverantwortlicher der Sektion Gesundheit beim BFS, vermutet: «Vielleicht halten die jungen Leute das Zähneputzen für unnötig, weil sie noch nie ein Zahnproblem hatten.» Ähnlich verhalte es sich bei jungen Rauchern. «Solange sie gesund sind, interessieren sie die Folgen des Rauchens nicht.»

Der Zürcher Fachzahnarzt für Rekonstruktive Zahnmedizin Thomas Truninger behandelte schon viele junge Patienten mit «Löchern von hinten bis vorne». Bei einer Risikogruppe handle es sich um Cannabis-Konsumenten. Cannabis reduziert den Speichelfluss, wodurch der Schutzeffekt des Speichels entfällt. «Isst man vor dem Schlafen zum Beispiel noch Chips und putzt die Zähne nicht, kann in kurzer Zeit Karies entstehen.»

«Viele Süssigkeiten und nie pflegen»

Auch Adrian Lussi, Direktor der Klinik für Zahnerhaltung, Präventiv- und Kinderzahnmedizin an der Universität Bern, sagt: «Wir haben immer wieder Fälle, in denen Leute tage- oder wochenlang ihre Zähne nicht geputzt haben.» Sie sähen ihre Zähne nicht als etwas Pflegenswertes. «Viele Süssigkeiten und nie pflegen, das führt zu Problemen.» Vor allem betroffen seien Kleinkinder von Zuwanderern: «Die Kinder haben wegen Süssigkeiten und Schoggi oft ein Problem mit Karies, weil sie nie darüber aufgeklärt wurden, wie wichtig Mundhygiene ist.» Auch gebe es Erwachsene, die sich dessen bewusst seien, aber aus Bequemlichkeit die Zähne nicht putzten.

Schlechte Zahnhygiene hat Folgen. Zum Beispiel kann es Mundgeruch verursachen, da Speisereste in Zahnzwischenräumen zu verfaulen beginnen. Es verursacht aber auch Karies, was zu Löchern in den Zähnen und geschädigtem Zahnfleisch führen kann. Schliesslich ist das jedoch das Problem jedes Einzelnen: Krankenkassen übernehmen keine Zahnschäden, die man mit korrekter Hygiene vermeiden werden könnte.

Im internationalen Ranking der 15-Jährigen, die ihre Zähne mehr als einmal pro Tag putzen, steht die Schweiz jedoch an der Spitze. Dies geht aus einem Report der Weltgesundheitsorganisation aus den Jahren 2013 und 2014 hervor. Auch die Mehrheit der Bevölkerung legt viel Wert auf die Mundhygiene. 54 Prozent der Schweizer putzen zweimal täglich die Zähne. 27 Prozent greifen sogar dreimal täglich zur Zahnbürste.

Das BFS erhob die Daten zur täglichen Mundhygiene 2012. Befragt wurden Personen ab 15 Jahren.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • marko am 01.06.2017 06:17 Report Diesen Beitrag melden

    Also wirklich Leute

    Das bedeutet: 100 000 Personen in der Schweiz haben eine eigene Kanalisation im Mund

    einklappen einklappen
  • Arnold A. am 01.06.2017 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zähne putzen tut nicht weh!

    Es ist grusig, wenn das Gegenüber Mundgeruch hat weil er/sie zu nachlässig ist die Zähne zu putzen!!Es ist doch für das eigene Wohlbefinden angenehmer.Es widerspiegelt eine Gleichgültigkeit des Betroffenen!

  • Wilma am 01.06.2017 06:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Wie kann man nur nicht Zähne putzen? Sollte doch eine Selbstverständlichkeit sein. Schon nur wegen der eigenen Pflege und Aussehen. Und zum Zahnarzt gehen und die faulen Zähne ziehen zu lassen schaudert mich.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sandra Reller am 01.06.2017 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    Gruusig

    Als Studentin machte ich an einer Strassen-Umfrage im Auftrag einer Firma mit. Nach vorbereitendem Small-Talk lautete meine vorgeschriebene, konkrete Frage an die Passanten: "Wie häufig putzen sie ihre Zähne und wie oft wechseln sie ihre Zahnbürste ?" Die ekligste Antwort, von der ich nicht weiss, ob sie ganz ernst gemeint war, gab ein Mann: "Meine Frau und ich benutzen eine Zahnbürste gemeinsam und putzen vielleicht einmal wöchentlich unsere Zähne. Die jetzige Zahnbürste ist wohl etwa ein Jahr alt; wir müssen sie auswechseln weil sie bald keine Borsten mehr hat."

  • Sbu am 01.06.2017 12:25 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder anders

    Ich amüsiere mich. Meine Eltern putzten vorbildlich ihre Zähne. Meine Mutter hatte bis sie starb ihre eigenen Zähne. Mein Vater hatte mit 47 bereits oben und unten ein Gebiss und ständig Misere mit den Zähnen. Mir geht es ebenso. Ich habe zwar keine Löcher aber ständig bricht irgendwo ein Stück Zahn weg, dass ich teuer reparieren muss. Mein Mann wiederum hat keine Probleme. Unser Enkel wiederum wurde mit 6 Jahren bereits operiert, die Zähne mussten versiegelt werden wegen einem Virus der die ersten Zähne befiel. Bei den zweiten hat er nun keine Probleme. Wir putzen alle 2-3x täglich die Zähme

  • baba am 01.06.2017 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    ewig singel bleiben

    Ich geh mal davon aus, das jene welche die Zähne nicht täglich putzen, keinen Partner haben oder keinen wollen. Denn wer will schon jemanden küssen der die Zähne nicht putzt? das ist einfach nur ekelhaft ist reine Faulheit.

  • jch am 01.06.2017 11:58 Report Diesen Beitrag melden

    Hygiene sinkt!

    Die Hygiene sinkt wie auch die Lebendsqualität in der Schweiz! Viele putzen nicht nur die Zähne nicht sondern sie waschen sich auch nicht! Es "stinkt zunehmend" im Paradies Schweiz!

  • René Erdenberger am 01.06.2017 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    Sozialer Status

    Schlechte Zähne verbinde ich immer mit einem schlechteren sozialen Status. Auch wenn jemandem der Zahn fehlt, und man die Lücke sieht. Mein zweiter Blick, wenn ich jemanden kennenlerne, geht vom Gesicht zu den Zähnen Punkt damit fehle ich unbewusst mein Urteil gegenüber dem Gegenüber.