Steigende Kosten

14. Dezember 2016 10:02; Akt: 14.12.2016 10:19 Print

Soll die Krankenkasse wieder freiwillig werden?

von J. Büchi - Die Kosten im Gesundheitswesen steigen ungebremst weiter. Politiker wollen das System nun neu ausrichten.

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Gegen die jährlich steigenden Krankenkassenprämien scheint kein Mittel zu wirken: Auch in den nächsten Jahren geht das Wachstum ungebremst weiter. Das zeigt eine Prognose der ETH-Konjunkturforschungsstelle (KOF) (Quelle: KOF-Prognose der Gesundheitsausgaben, Herbst 2016; 2014: bestätigte Zahlen; 2015–2018 Prognose) Am stärksten steigen die Kosten in der obligatorischen Krankenversicherung. Die Prämien in der Grundversicherung dürften nächstes Jahr laut den Berechnungen um satte 5,8 Prozent steigen. «Der Bund hat im Kampf gegen die Prämienexplosion versagt», kommentiert der Comparis-Krankenkassenexperte Felix Schneuwly die Prognosen. Auch SVP-Mann Thomas de Courten wirft dem Bundesrat vor, zu wenig zu unternehmen. In einer Interpellation unterbreitet er dem Bund einen Katalog an Vorschlägen – darunter auch eine «Lockerung des Krankenversicherungsobligatoriums». SP-Nationalrätin Silvia Schenker warnt davor, Teilen der Bevölkerung den Zugang zu Gesundheitsleistungen zu verwehren. Auch sie sieht das Gesundheitssystem aber an einem kritischen Punkt. «Mittelfristig muss das Thema einkommensabhängige Prämien wieder auf den Tisch.» Beim Bund lässt man den Vorwurf der Untätigkeit nicht auf sich sitzen: So seien zwischen 2012 und 2014 die Preise aller kassenpflichtigen Medikamente überprüft und falls nötig gesenkt worden – daraus hätten Einsparungen von 600 Millionen Franken resultiert, sagt Michaela Kozelka, Sprecherin des Bundesamts für Gesundheit. Auch medizinische Behandlungen werden im Rahmen des Health Technology Assessements vermehrt daraufhin überprüft, wie wirksam sie sind. «Sind sie es nicht, werden sie künftig nicht mehr von der Grundversicherung vergütet», so Kozelka.

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Felix Schneuwly greift den Bundesrat frontal an: «Der Bund hat im Kampf gegen die Prämienexplosion versagt», kommentiert der Comparis-Krankenkassenexperte die jüngsten Prognosen der Gesundheitsausgaben. Die Berechnungen der ETH-Konjunkturforschungsstelle (KOF) im Auftrag von Comparis zeigen: Die Kosten wachsen ungebremst weiter. Zwischen 2014 und 2018 sollen die Kosten von rund 71 auf über 82 Milliarden Franken steigen.

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Schneuwlys Kritik zielt auf die Strategie «Gesundheit2020» ab, die der Bundesrat vor drei Jahren lanciert hat. Sie soll die Effizienz im Gesundheitswesen steigern und so die Kosten senken. Die Rede ist von einem Einsparpotenzial von bis zu 20 Prozent. «Die KOF-Prognose zeigt, dass dieses Sparziel wohl kaum je erreicht wird», so Schneuwly. Die Massnahmen des Bundes bezeichnet er als untauglich. Die Kosten liessen sich nicht reduzieren, «wenn der Leistungskatalog ständig erweitert und nie etwas ausgemistet wird».

Obligatorium aufheben?

Auch SVP-Mann Thomas de Courten kritisiert, die Gesundheitskosten würden für viele Bürger zum existenziellen Problem – «und der Bundesrat nimmt die jährlichen Anstiege einfach zur Kenntnis». In einer Interpellation an den Bundesrat skizziert der Baselbieter einen ganzen Katalog von Vorschlägen, um das kränkelnde System zu reformieren. Ein Punkt lautet: «Lockerung des Versicherungsobligatoriums».

Soll die Krankenversicherung also wieder freiwillig werden? «Das wäre die Extremvariante», so de Courten. Es gehe ihm darum, vom Bundesrat zu erfahren, welche Optionen er zu prüfen und zu unterstützen bereit sei. Eine Entschlackung der Grundversicherung ist aus seiner Sicht dringend nötig. «Die obligatorische Krankenversicherung soll nur noch Eingriffe bezahlen, die medizinisch wirklich erforderlich sind – Lifestyle-Behandlungen soll jeder selber zahlen», fordert er.

Wer mehr verdient, soll mehr Prämien zahlen

SP-Nationalrätin Silvia Schenker warnt: «Es wäre fatal, wenn gewisse Gesundheitsleistungen nur noch den Reichen vorbehalten wären.» Auch sie sieht das Gesundheitssystem aber an einem kritischen Punkt. Wenn ein Drittel der Bevölkerung Prämienverbilligungen beziehe und trotzdem viele ihre Prämien nicht bezahlen könnten, laufe etwas grundlegend schief. «Mittelfristig muss das Thema ‹einkommensabhängige Prämien› wieder auf den Tisch.»

Es sei das einzig Vernünftige, jeden Versicherten gemäss seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zu belasten, findet sie. Einen ersten Schritt in die Richtung plant die Partei bereits: Sie arbeitet an einer Initiative, die die Prämienbelastung jedes Haushalts auf 10 Prozent seines Einkommens beschränken will.

«Wir brauchen keine Revolution»

Regine Sauter (FDP) will davon nichts wissen: Zu einkommensabhängigen Prämien habe das Volk bereits nein gesagt – wer die Prämie nicht bezahlen kann, habe Anspruch auf individuelle Prämienverbilligungen. Auch eine Abschaffung des Krankenkassen-Obligatoriums kommt für sie nicht infrage: «Was wir brauchen, ist keine Revolution, sondern eine Kombination von verschiedenen Massnahmen, die dazu führen, dass die Gesundheitsleistungen nicht ständig zunehmen.»

Einig sind sich die Politiker in einem Punkt: Patienten und Angehörige müssen besser über die Wirkung von Behandlungen informiert werden, damit weniger unnötige Eingriffe vorgenommen werden.

Medikamenten-Preissenkungen bringen 600 Millionen

Beim Bund lässt man den Vorwurf der Untätigkeit nicht auf sich sitzen: So seien zwischen 2012 und 2014 die Preise aller kassenpflichtigen Medikamente überprüft und falls nötig gesenkt worden – daraus hätten Einsparungen von 600 Millionen Franken resultiert, sagt Michaela Kozelka, Sprecherin des Bundesamts für Gesundheit. Neue Überprüfungen sollen ab nächstem Jahr zu weiteren Einsparungen führen.

Auch medizinische Behandlungen werden im Rahmen des Health Technology Assessements vermehrt daraufhin überprüft, wie wirksam sie sind. «Sind sie es nicht, werden sie künftig nicht mehr von der Grundversicherung vergütet», so Kozelka. Indem mehr Behandlungen ambulant statt stationär durchgeführt werden, sollen weitere Kosten eingespart werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lukas Müller am 13.12.2016 14:05 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder bei diesen Vermittlungsprämi

    Auch kein Wunder wenn die Prämien an Vermittler so hoch sind. Aus meiner Sicht dürften Versicherungen keine Werbung machen und auch keine Prämien an Vermittler aus bezahlen. Dies würde die Versicherungskosten gleich um einige Prozente pro Jahr senken.

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  • mittelmässiger Verdiener am 14.12.2016 10:16 Report Diesen Beitrag melden

    Wer mehr verdient, soll...

    SP meint "Wer mehr verdient, soll mehr Prämien zahlen". Okay, machen wir es doch überall so. Wer mehr verdient, soll mehr für seine Nahrungsmittel, Benzin, Autoversicherung, Krankenkassen, Ferien, ÖV Tickets etc. bezahlen. Machen wir doch alles vom Einkommen abhängig. Spätestens dann werde ich nicht mehr arbeiten!

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  • Marcel am 14.12.2016 10:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Politik

    Das liegt an unseren Politikern, welche gar kein Interesse haben dies zu ändern. Viele von ihnen Sitzen in Verwaltungs-Räten der Krankenkassen und verdienen daran. Im Moment kann man von diesen sowieso nichts erwarten. Wir hatten noch nie so schlechte Politiker wie in den letzten Jahren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • ein schelm am 14.12.2016 12:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kapitalismus ahoiiii...

    das ist kapitalismus in seiner reinsten form. wenn man eine versicherung von pflicht zu freiwillig ändert, weil man sich lieber noch etwas bereichern will, dann läuft was falsch. unser versicherungssystem im bereich gesundheit wird von vielen anderen ländern bewundert. weil es viel für die bevölkerung gebracht hat. es ist mir schon klar, dass einige leute solche systeme immer ausnutzen werden. aber lieber einige welche es ausnutzen und dafür eine abdeckung für alle. weil einigen anderen hilft dieses system enorm. wenn ihr wissen wollt was passiert wenn die krankenkasse wieder freiwillig wird. werft mal einen blick auf das gesundheitssystem von amerika. ps: john oliver hat dazu einen super beitrag bei lastweektonight.

  • Gorbi am 14.12.2016 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    KK freiwillig

    Keine Provisionen mehr fürs Obligatorium. Comparis und andere Plattformen verbieten. Kosten die KKs Millionen. Den KK Kadern die überdimensionierten Löhne kürzen. Minimalfranchise auf 2000.-- anheben. Leistungen für Therapien, wie Badekuren und andere ferienmässigen Kuren rigoros kürzen. Leistungslimiten einführen. Reiche sollen mehr Prämien zahlen. Wenn alles trotzdem nicht hilft, KK freiwillig machen.

  • Smarties Smiley am 14.12.2016 12:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja ne

    Einheitskasse!!

  • Al Z. am 14.12.2016 12:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eher Einheitskasse

    Freiwillig soll sie nicht werden, da werden die Kosten noch mehr steigen. Wir hätten dann Zustände wie in den USA vor Obama Care. Eine Krankenkasse würde zu einem unerschwinglichen Luxusgut mutieren. Wer es sich leisten kann, hat Glück, wer nicht, stirbt. Das Thema einer Einheitskasse wird vermutlich wieder interessanter. Die Kosten für Werbung etc. Und vor allem die Finder Fees an die Makler würden stark reduziert. Zusätzlich würde ein Starker Player gegenüber der Pharmaindustrie betr. Medikamentenpreise entstehen.

  • Bardo Jaeger am 14.12.2016 12:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Denken beim Abstimmen !

    Freiwilligkeit beim Abschluss einer Krankenkassenausgleichsversicherung heisst schlussendlich, dass der Steuerzahler die Kosten der Nichtversicherten berappt - der Steuerfuss steigt ! Einheitskasse heisst die Lösung, das Stimmvolk jedoch liess sich von der profitablen Versicherungslobby völlig einlullen vorgängig der Abstimmung, SVP sei Dank !