Manager-Löhne

27. September 2012 17:06; Akt: 27.09.2012 18:13 Print

Nationalrat lehnt 1:12-Initiative ab

Mit der Initiative «1:12 - Für gerechte Löhne» will die JUSO Manager-Löhne beschränken. In der Grossen Kammer stösst sie dabei aber auf keine Gegenliebe.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Nationalrat empfiehlt die JUSO-Initiative «1:12 - Für gerechte Löhne» zur Ablehnung. Mit 110 zu 59 Stimmen ist er am Donnerstag als Erstrat der Empfehlung des Bundesrats gefolgt. Die Ratsmehrheit sieht in staatlich festgelegten Löhnen einen Verstoss gegen die Wirtschaftsfreiheit.

Die Initiative verlangt, dass in einem Unternehmen der höchste Lohn das Zwölffache des tiefsten Lohns nicht überschreiten darf. Das Volksbegehren war im März 2011 von den Jungsozialisten (JUSO) mit über 113'000 gültigen Unterschriften eingereicht worden.

Exzessive Löhne wurden in der Debatte zwar allseits eingeräumt und auch verurteilt. Die angestrebte Einschränkung gehe aber zu weit, sei nicht praxistauglich und werde bei den Unternehmen zu Abwanderung oder zur Auslagerung von Abteilungen mit tiefen Löhnen führen, warnten die Bürgerlichen. Ein staatlicher Eingriff in die Lohngestaltung sei nicht legitim.

Schwierige Umsetzung

Überdies wäre die Umsetzung der Initiative schwierig, sagte Kommissionssprecher Philipp MüllerPhilipp
Müller

FDP-Liberale, AG
Nationalrat
Profil anzeigenauf MerklisteVerbunden mit
Automobil Club der Schweiz (ACS), Sektion Mittelland
weitere Verbindungen anzeigen
(FDP/AG). Sie sei willkürlich und lasse viele Fragen offen und würde die Falschen treffen.

Ähnlich sieht es auch der der Thurgauer Unternehmer Peter SpuhlerPeter
Spuhler

SVP, TG
Nationalrat
Profil anzeigenauf MerklisteVerbunden mit
Stadler USA, New Jersey
weitere Verbindungen anzeigen
(SVP). Werde das Volksbegehren angenommen, so führe dies zu Arbeitsplatzverlagerungen; zudem seien gravierende Auswirkungen auf Sozialwerke und die Steuereinnahmen zu erwarten.

«Müsste Roger Federer seiner Sekretärin dann eine Million Franken Lohn zahlen?», warf Peter KellerPeter
Keller

SVP, NW
Nationalrat
Profil anzeigenauf MerklisteVerbunden mit
Keine Interessenbindungen vorhanden
weitere Verbindungen anzeigen
(SVP/NW) in die Runde. Auch der Zürcher Grünliberale Thomas MaierThomas
Maier

glp, ZH
Nationalrat
Profil anzeigenauf MerklisteVerbunden mit
Keine Interessenbindungen vorhanden
weitere Verbindungen anzeigen
bemühte den Sport beziehungsweise Fussballclubs, um die in seinen Augen unsinnigen Folgen einer Annahme der Initiative zu illustrieren.

Krankhafte Gier

Für Linke und Grüne hingegen sind es die teils krassen Lohnunterschiede, die wirtschaftsfeindlich sind und im Volk für Unruhe sorgen. Sie möchten, dass auch bei den Manager-Löhnen wieder mehr die Leistung im Vordergrund steht. Die krankhafte Gier und die Fehlleistungen der Abzocker hätten die Welt mit der Finanzkrise nahe an den Abgrund gebracht.

Dabei, so ist der Zürcher Grüne Balthasar GlättliBalthasar
Glättli

GPS, ZH
Nationalrat
Profil anzeigenauf MerklisteVerbunden mit
Verein OneGov.ch
weitere Verbindungen anzeigen
überzeugt, wären auch die Reichsten der Welt in einer fairen Gesellschaft glücklicher.

Der Bundesrat teilt zwar die Einschätzung der JUSO, dass die in den letzten Jahren beobachtete Entwicklung zu sozialen und wirtschaftlichen Problemen führen könnte. Er geht jedoch davon aus, dass die bestehenden und geplanten politischen Massnahmen als Gegenmittel ausreichen.

Gefragt seien «Einsicht, Anstand und Mut - keine 1:12- Initiative», sagte Volkswirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann. Die Initiative sei kein geeignetes Mittel, um gegen überrissene Löhne vorzugehen.

Andere Instrumente

Auch die Ratsmehrheit befand, dass unter anderem bereits mit der Revision des Aktienrechts - dem indirekten Gegenentwurf zur Abzocker- Initiative - Massnahmen gegen Lohnexzesse ergriffen wurden.

Der indirekte Gegenvorschlag sieht keine Lohnobergrenzen und keine Bonussteuer vor. Vielmehr sollen die Aktionäre die Lohnexzesse in den Teppichetagen stoppen können, etwa mit Abstimmungen über die Lohnbezüge des Top-Managements.

Das revidierte Aktienrecht tritt in Kraft, wenn die Initiative «gegen Abzockerei» des parteilosen Schaffhauser Ständerats Thomas MinderThomas
Minder

-, SH
Ständerat
Profil anzeigenauf MerklisteVerbunden mit
Dianam SA, Neuhausen
weitere Verbindungen anzeigen
an der Urne abgelehnt wird. Das Volk dürfte nächsten März darüber befinden.

Die Löhne thematisiert auch der Gewerkschaftsbund mit seiner Initiative «Für den Schutz fairer Löhne». Die Gewerkschaften verlangen einen Mindestlohn von 22 Franken pro Stunde oder 4000 Franken pro Monat (42-Stunden-Woche). Der Bundesrat lehnt auch dieses Volksbegehren ab. Das Parlament hat sich noch nicht geäussert.

Vor allem Verdienst der VR-Präsidenten angewachsen

Eine am Mittwoch veröffentlichte Studie von PriceWaterhouseCoopers (PwC) ergab, dass die Chefs der 20 grössten Unternehmen in der Schweiz letztes Jahr ein Viertel weniger verdient haben als noch im Jahr 2007 vor der Finanzkrise. Umgekehrt verlief laut PwC die Entwicklung bei den Verwaltungsratspräsidenten: Sie verdienten im vergangenen Jahr 25 Prozent mehr als 2007.

(sda)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

20 Minuten ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • A.B. am 27.09.2012 20:46 Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Eigentlich bin ich schon für die 1:12 Initiative und kein Roger Federer Fan, aber das Beispiel hat mir doch zu denken gegeben. Ist das bei Annahme der Initiative wirklich so?

  • Fragender am 28.09.2012 00:09 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Frage

    Was haben sich die 59 Personen dabei gedacht, die "ja" gestimmt haben? Aus wirtschaftlicher, wie auch politischer Sicht sind solche Gesetze völliger Nonsense, zumal sie ganz nebenbei nicht mal umsetzbar wären.

  • jodli am 27.09.2012 17:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    utopie im bundeshaus 

    habt ihr das gefühl gehabt dass so ein vorschlag in einem raum voller spitzenverdiener auf gegenliebe stossen würde...naja juso eben...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Fridolin am 28.09.2012 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    Demokratie

    Hier sehen wir, wie die "Demokratie" von der Wirtschaft (bzw. den Kapitalisten) ausgehebelt wird. Man wird dem Volk einfach so lange mit den schlimmsten Szenarien Angst machen, bis sie das "richtige" abstimmen. Und ausserdem sieht man, wer wirklich die Macht im Land hat. Es ist gar nicht mehr möglich, gegen die Reichen und Mächtigen vorzugehen und Gerechtigkeit zu fordern... aus wirtschaftlichen und steuerpolitischen Gründen (?!?). Und jetzt sagt mir nochmals, wir leben in einer Demokratie und nicht in einer Finanz- und Konzerndiktatur.

  • M. Oney am 28.09.2012 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    Unsinnige Initiative

    Jeder vernünftige, mitdenkende Bürger wird diese Initiative ablehnen. Die Grossverdiener werden immer eine Lösung finden an das Geld zu kommen. Auf der Strecke bleiben die Kleinstverdiener und die Steuerämter, resp. diejenigen, die mit ihren Steuern dann die Löcher stopfen müssen.

  • Guschti am 28.09.2012 05:54 Report Diesen Beitrag melden

    eigentlich loogischer Schluss

    ist ja klar - die Herren und Damen wissen nicht was es heisst mit dem Medianlohn auszukommen - also warum das eigene Einkommen schmälern?

  • Fragender am 28.09.2012 00:09 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Frage

    Was haben sich die 59 Personen dabei gedacht, die "ja" gestimmt haben? Aus wirtschaftlicher, wie auch politischer Sicht sind solche Gesetze völliger Nonsense, zumal sie ganz nebenbei nicht mal umsetzbar wären.

  • Marco B. am 27.09.2012 23:33 Report Diesen Beitrag melden

    Gut gemeint

    aber nutzlos. Dann werden sich Grossunternehmen von ihren schlechtestbezahlten Mitarbeitern trennen und diese outsourcen. Im Endeffekt führt das also höchstens zu einer Zerstückelung von Unternehmen, was gerade für schlechtqualifiziertes Personal (z.B. Reinigung, Unterhalt) nur Nachteile haben kann.

Immobilien

powered by

Immobilien finden

PLZ
Preis bis
Zimmer bis

Nachmieter finden? Jetzt bei homegate.ch inserieren