Dienstuntauglich

27. Januar 2016 05:43; Akt: 27.01.2016 05:43 Print

Armee lehnte im letzten Jahr 25 Veganer ab

Ein 19-jähriger Veganer will unbedingt zur Armee. Weil er sich weigert, Lederschuhe zu tragen, ist er untauglich. Experten kritisieren diese Entscheidung.

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Antoni Da Campo (19) kämpft dafür, dass er auch als Veganer Militärdienst leisten darf. (Bild: 24 heures/Odile Meylan)

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Der Walliser Antoni Da Campo (19) wollte ins Militär. Doch es gibt ein Problem: Da Campo ist überzeugter Veganer, jede Form von tierischen Produkten ist für ihn tabu. Das hatte zur Folge, dass die Militärärzte ihn für untauglich erklärten. Den Ausschlag dafür gab offenbar seine Weigerung, im Dienst Kampfstiefel aus Leder zu tragen – ebenfalls ein tierisches Produkt.

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Gegen den Entscheid, ihn nicht in die Armee aufzunehmen, hat Da Campo nun Rekurs eingereicht.

Veganer sind grundsätzlich untauglich

«Wo immer möglich wird auf Sonderbedingungen aus medizinischer oder religiöser Sicht Rücksicht genommen», erklärt Gabriela Zimmer, Sprecherin Logistikbasis der Armee, gegenüber 20 Minuten. «Damit sind Vegetarier grundsätzlich und Menschen mit Laktose-Intoleranz unter bestimmten Bedingungen diensttauglich.»

Veganer, die dies länger praktizieren, seien gemäss Richtlinien aber dienstuntauglich. 2015 seien an der Rekrutierung deswegen 25 Stellungspflichtige für untauglich erklärt worden. Ein Jahr zuvor gab es laut Zimmer 20 solcher Entscheide.

Kritik von 20-Minuten-Lesern

Da Campos Forderung stösst bei vielen 20-Minuten-Lesern auf Unverständnis. Sie glauben, dass hier einer eine Extrawurst wolle. Das Problem könne doch mit anderen Schuhen problemlos gelöst werden, meinen einige.

Dem stimmt Piet Dörflinger vom Beratungsnetz Dienstpflicht zu: «Natürlich hätte eine Ausnahme für Stiefel aus Kunstleder gemacht werden können.» Auch Lewin Lempert von der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) teilt diese Meinung: «Wenn die Armee wirklich daran interessiert wäre, Veganer in den Dienst aufzunehmen, wäre eine Alternative sicherlich möglich gewesen.»

Seiner Meinung nach zeige der aktuelle Fall, dass die Armee viel zu viele Soldaten habe und das jetzige Massenheer unnötig und nicht zu finanzieren sei. Dörflinger geht dabei einen Schritt weiter und kritisiert: «Es kommt regelmässig vor, dass unbequeme Menschen beim Militär eine Diagnose ‹aufgedruckt› bekommen und deshalb nicht mehr willkommen sind.»

Eine neue Masche?

Dass Veganismus zu einer Masche werden könnte, um nicht ins Militär zu müssen, bezweifelt Dörflinger: «Obwohl viel weniger Junge ins Militär möchten, wird das kein Trend werden, um abzusagen. Es verhält sich eher umgekehrt», glaubt er. «Das Militär führt schon seit einigen Jahren eine sehr aggressive Ausmusterungs-Praxis.» So werde der Diagnose-Katalog regelmässig gesellschaftlichen Trends angepasst und wachse entsprechend. «Das Resultat ist, dass gegen 60 Prozent aller Dienstpflichtigen von vornherein oder später während ihres Dienstes für untauglich erklärt werden», so Dörflinger. «Der Entscheid liegt immer beim Militär.»

Lempert ergänzt: «Die Bestimmung, dass Veganer grundsätzlich untauglich sind, stammt aus dem Jahr 2008 und gilt nicht erst seit heute», so Lempert.

Rekurs sei sinnvoll

Im Falle von Da Campo seien seine Bemühungen laut Lempert nachvollziehbar: «Wenn man wie er unbedingt ins Militär möchte, kann ein Rekurs sinnvoll sein.» Lempert kann sich anhand von ähnlichen Fällen vorstellen, dass der Rekurs etwas bewirkt und Da Campo doch noch zur Armee darf.

(qll)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter P. am 26.01.2016 15:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Humbug

    Zu dienen heisst auch Opfer zu bringen. Er soll die Stiefel tragen wie alle anderen auch. Wegen Fussprobleme eine Dispens zu bekommen ist das eine, wegen einer trendy Modeerscheinung keine Lederstiefel tragen zu wollen was ganz anderes ;)

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  • Mischa9 am 26.01.2016 15:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    rechte der Tiere? 

    Der Kampf um die rechte der Tiere ist absolut legitim, aber nach meiner Meinung geht es dem jungen Mann vielmehr um sein Geltungsbedürfnis. Bin selber Tierfreund aber muss ab dem einfach nur den Kopf schütteln...

  • Big Bang am 26.01.2016 15:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Filz?

    Ja was denn, etwa Kampstiefel aus Filz? Die Schuhe sind ja nicht das einzige was aus Leder besteht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Wargas am 26.01.2016 15:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja, aber...

    Ich weiss zwar was er meint und ich verstehe seinen Konflikt. Das Militär funktioniert aber nach eigenen Regeln. Er redet davon das, diese Erfahrung in weiter bringen kann, nun Militärdienst zu leisten, bedeutet auch, dass man sich unterordnen kann.

  • Scientist am 26.01.2016 15:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Voraussetzungen

    Soll jeder Essen und Tragen was er will. Aber für gewisse Positionen gibts es einfach Voraussetzungen die man erfüllen muss. Als nächstes will er Metzger werden ohne Tiere zu töten?

  • ChrisV am 26.01.2016 15:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was es so gibt?

    Was es nicht alles gibt, diese Probleme möchte ich haben, klar, dass sie ihn nicht nehmen, mit gelismeten Finken kann man natürlich keinen Krieg gewinnen, ha und ich denke, gewisse Vorschriften muss man halt annehmen, wenn man Militärdienst leisten will. Meine Hintergedanken, auch so kann man sich vom Militärdienst drücken:

  • Z'Güetzi am 26.01.2016 15:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht klug.

    Wenn in einer Brigade von 300 Leuten nur einer Vegan ist und der Fourier extra gucken muss, dass nur für einen einzigen zusätzlich gekocht wird, macht man sich keine Freunde oder hat zumindest von Beginn an schon ein schwerer Stand.

  • Scheuert B. am 26.01.2016 15:39 Report Diesen Beitrag melden

    Mann stelle sich vor

    Ja genau dann kann ja eigentlich jeder in die RS und sagen "also ich hab nicht gerne Kartoffeln!" der nächste "ich mag keine Fertigsaucen" eine anderer "Ich esse nur Koberindfleisch " usw. ....