Glutenfreie Ernährung

23. Oktober 2016 19:15; Akt: 24.10.2016 08:13 Print

Wie Zöliakie das Leben unserer Leser veränderte

1 Prozent der Schweizer Bevölkerung leidet an Zöliakie und ernährt sich glutenfrei. Betroffene 20-Minuten-Leser erzählen von ihrer Krankheit und wie sie damit zurechtkommen.

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Ernährung beschäftigt. Das zeigt die Reaktion vieler 20-Minuten-Leser auf ein Interview zum Thema glutenfreie Ernährung. Über 25 Betroffene jeden Alters haben sich gemeldet und ihre Geschichte geschildert. Ein Grossteil leidet an Zölliakie, gewisse haben eine Glutensensitivität oder eine Laktoseintoleranz. Einige wenige ernähren sich ohne medizinischen Grund gluten- und laktosefrei. Aber lesen Sie selbst:

Umfrage
Haben Sie schon einmal glutenfreie Lebensmittel gegessen?
31 %
12 %
18 %
39 %
Insgesamt 5095 Teilnehmer

Silvan Hässig (20) aus Rapperswil betreibt einen Blog zum Thema glutenfreie Ernährung und macht ein Fernstudium als Gesundheitsberater. «Das habe ich blöd gesagt alles meiner Zöliakie zu verdanken.» Hässig litt lange an Bauchschmerzen. «Vor allem wenn ich Pasta oder Pizza gegessen hatte, ging es mir nachher schlecht. Ich hatte Durchfall und war müde und gereizt.»

Seine Schwester, die im Spital arbeitet, machte bei sich selbst ähnliche Beobachtungen. «Vor zwei Jahren überredete sie mich zu einem Bluttest.» Laut dem Arzt war die Diagnose sonnenklar, eine Magenspiegelung gar nicht nötig. Nach einer Ernährungsberatung stellte Hässig auf eine glutenfreie Diät um. Ganz einfach sei das zu Beginn nicht gewesen, da man vieles einfach nicht wisse. «Ich machte einige dumme Fehler: Beispielweise benützte ich denselben Toaster wie vorher. Dass bereits kleinste Spuren von Gluten für eine Reaktion reichen, war mir nicht bewusst.»

Heute falle ihm die Ernährung ohne Gluten einfach. «Ich koche meist selbst und bin ob der grossen Auswahl und Möglichkeiten immer wieder erstaunt.» Mit seiner Ausbildung und dem Blog Glutenfreiewelt.ch will er das Thema noch bekannter und vor allem anderen Betroffenen Mut machen.

Ramona Ammann (25) aus Rothenhausen TG verzichtet seit knapp einem halben Jahr auf Gluten und Laktose. Eine Zöliakie oder Sensitivität wurde bei ihr nie diagnostiziert. «Mich hat das Buch von Peter Osborne ‹Meide Getreide› überzeugt.» Darin erklärt der Autor, Gluten müsse vom Körper konstant abgewehrt werden. Dabei würden Mineralstoffe und Vitamine verbraucht, die man eigentlich für die Abwehr von Entzündungen benötige.

Seit sie sich gluten- und laktosefrei ernähre, gehe es ihr viel besser, sagt Ammann. «Ich habe kein Kopfweh mehr, schlafe ohne Probleme und meine Schmerzen an der Bandscheibe haben ebenfalls nachgelassen.» Ihre Diät habe sie auf eigene Faust umgestellt. Dass dies zu einer Mangelernährung führen kann, wisse sie. «Doch bis fühle ich mich toll.» Sie wisse zudem wie sie das fehlende Gluten ersetzen müsse.

Telma Carvalho (26) aus Arbon muss aufgrund einer Krankheit, die sie seit ihrer Geburt hat, regelmässig zur Kontrolle ins Spital. Als sie 17 Jahre alt war entdeckten die Ärzte während einer dieser Untersuchungen in einem Bluttest Auffälligkeiten. «Der Verdacht auf Zöliakie bestätigte sich wenig später anhand einer Magendarmspiegelung.»

Seither ernährt sich Carvalho glutenfrei und hat keine Bauchschmerzen mehr. Sie ist dankbar für das grosse Angebot in der Schweiz. «Einzig wenn mich Freunde zum Essen einladen und meine Krankheit vergessen, ist es manchmal ein bisschen peinlich – für beide.» Dass es allerdings gesunde Menschen gibt, die freiwillig auf Gluten verzichten, kann sie allerdings nicht nachvollziehen. «Es ist eine einschneidende Veränderung und man muss viel beachten.»

Susanna Zimmermann (53) aus Stettlen BE leidet seit fast 20 Jahren an Zöliakie. Der Weg zu Diagnose war lang und schmerzhaft. «Ich hatte monatelang Durchfall und Bauchweh, ich war müde und hatte keine Energie.»

Doch die Ärzte, die damals noch wenig auf das Thema sensibilisiert waren, wussten nicht, wonach sie suchen mussten. Die Spezialisten gingen von einer Magersucht aus, weil Zimmermann aufgrund ihrer Krankheit extrem viel Gewicht verlor. «Ich war zeitweise nur noch 42 Kilo schwer.» Man habe ihr sogar den Missbrauch von Abführmitteln vorgeworfen.

Schliesslich machte Zimmermann 1997 eine Reise ins Wallis und erlitt auf 2000 Metern eine Stirnhöhleninfektion. «Der Arzt, der mich dort untersuchte, war von meinen Werten völlig schockiert. Er sagte mir, in meinem Zustand sei es gefährlich, mich überhaupt auf dieser Höhe aufzuhalten.»

Im Spital stellte man schliesslich dank einer Magenspiegelung eine Zöliakie dritten Grades fest. «Meine Dünndarmschleimhaut war bereits völlig kaputt», so Zimmermann. Als sie ihre Ernährung umstellte, ging es ihr sofort besser. «Es war eine unglaubliche Erleichterung, ich nahm wieder zu und fühlte mich endlich wie ein normaler Mensch.»

Glutenfreie Produkte gab es damals jedoch nur im Reformhaus. «Und auch dort mussten sie die Nahrungsmittel oft aus einem verstaubten Kellerabteil holen.» Heute sei die Situation für Betroffene viel einfacher. «Ich freue mich über diese Entwicklung.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Irene Lütolf am 22.10.2016 11:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bedenklich ...

    Ich finde es bedenklich, dass sich Zöliakiebetroffene rechtfertigen müssen. Aufgrund des Trends, besteht die Gefahr der Verharmlosung.

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  • wianve am 22.10.2016 11:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Angst macht eher krank

    Allergien? Aber ein Redbull zum Frühstück scheint offenbar gesund zu sein, wenn man den heutigen Konsum anschaut. Meine Mutter wurde 95 und hat alles gegessen ohne wenn und aber, manchmal war sogar das Datum abgelaufen. Sie hat mit Freude gegessen und frisch und schmackhaft gekocht.

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  • SonjaA am 22.10.2016 11:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Könnte es ein wenig ums Geld gehen...?

    Aber es lässt sich viel Geld verdienen mit dem ewigen Thema Gesundheit! Heute gehört es zum guten Ton, eine Unverträglichkeit, Allergie, psychische Probleme oder Mangelerscheinungen zu haben. Stolz kaufen junge gesunde Menschen Lebensmittel mit diesem und jenem Pulverchen, das entweder zuviel oder zu wenig darin vorhanden sein muss.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • danmaster am 02.11.2016 02:05 Report Diesen Beitrag melden

    Glutenfrei-Trend

    Meine Frau leidet schon seit 5 Jahren an Zöliakie. Ich finde es merkwürdig, dass sich Leute das teuerere und meistens komisch schmeckende glutenfreizeugs reinhauen. Dabei bringt es überhaupt keine Vorteile sich glutenfrei zu ernähren... Hauptsache mehr Geld ausgeben um irgendeinem Hipstertrend hinterherzujagen und damit den Eindruck wecken, dass es sich dabei um nichts ernstes handelt. Übrigens wurden wir in Kanada in einem Restaurant einmal gefragt, ob sie wirklich kein Gluten verträgt oder ob sie sich nur aus spass so ernährt. Danke ihr GF-Hipster...

  • Eddy am 31.10.2016 19:24 Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn Bluttest genügt

    Hatte vor ein paar Jahren auch diese Diagnose erhalten. Machte dann eine Magendiopsie und im UNI Spital hat man eindeutig festgestellt, dass es keine Zöliakie. ABER der Arzt im Thurgau welcher mir die Diagnose stellte meinte danach, ach wenn sie mit Glutenfreiem Essen begonnen haben, kann man nichts mehr machen - denn jetzt haben sie Zöliakie.

    • Arztkind am 02.11.2016 14:53 Report Diesen Beitrag melden

      Chabis!

      Dann wechsle den Arzt und vergiss diesen Herrn!

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  • PatBir am 31.10.2016 18:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum sind immer mehr betroffen?

    Ich habe selber Zöliakie. Viele nehmen uns nicht ernst, weil sie das Problem nicht kennen. Einfach solche Aussagen nicht ernst nehmen. Warum gibt es immer mehr Intoleranzen und Allergien als früher? 1. Nicht nur der Weizen wurde durch Zucht immer mehr aus Preisgründen verändert! Es werden deswegen auch immer mehr Leute darauf reagieren! 2. Die Leute schämen sich heute nicht mehr darüber offen zu sprechen, was sie belastet. Dadurch entsteht der Eindruck von Mode, Chörnlipicker und Spinnern etc. Man sollte die Industrie in die Verantwortung ziehen und dort die Ursachen suchen.

  • Zöliakie am 31.10.2016 14:39 Report Diesen Beitrag melden

    Zöliakie

    Ich habe Zöliakie und verzichte sehr ungern auf Gluten... ist ziemlich mühsam und nervt mich gewaltig. Am Anfang nahm ich das ganze nicht ernst und habe weiterhin Gluten zu mir genommen, bis ich eine Magenspiegelung machen lassen habe (sah ganz schlimm aus).

    • Börni am 31.10.2016 16:47 Report Diesen Beitrag melden

      Zöliakie

      Geht mir genauso. "Gluten essen" schmeckt wirklich. Bei mir wurde vor 4 Jahren eine "leichte" Zöliakie festgestellt und dies im Alter. Merke jedoch sofort, wenn ich mal "gesündigt" habe. Verstehe die gesunden Leute nicht, die sich überhaupt Gedanken machen wie sie anders essen sollen!

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  • r.merz am 31.10.2016 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    abzocke!

    Ich finde das Angebot von guten, glutenfreien Lebensmitteln minimal. Keiner, oder wenige kümmern sich um diese Gruppe. Dann kommen noch die viel zu hohen kosten dazu. Kein Politiker kümmert sich darum, wie man dort abgezockt wird.