Neulenker-Kurs verpennt

19. Juli 2013 08:27; Akt: 19.07.2013 16:20 Print

Fast 8000 fahren ohne gültiges «Billett»

von D. Pomper - Tausende Neulenker haben die Fahrausbildung nicht ordnungsgemäss abgeschlossen und fahren ohne gültigen Führerschein. Bauen sie einen Unfall, müssen sie die Kosten selber tragen.

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Wer mit einem abgelaufenen Führerausweis unterwegs ist, wird mit einer Busse von maximal 180 Tagessätzen bestraft.

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Seit Dezember 2005 erhalten Neulenker ihren Führerausweis vorerst für drei Jahre auf Probe. Während dieser Zeit dürfen sie keine schweren Verstösse gegen die Verkehrsvorschriften begehen und müssen zusätzlich zwei Kurse in einem anerkannten Fahrzentrum absolvieren. Ansonsten wird der definitive Führerausweis nicht ausgestellt.

Umfrage
Sollen die Strassenverkehrsämter Neulenker mit einem Brief an die obligatorische Weiteraubildung mahnen?
55 %
39 %
6 %
Insgesamt 8747 Teilnehmer

Allerdings vergessen viele Neulenker, diese Weiterbildungskurse zu absolvieren: Seit Beginn der Zweiphasenausbildung gibt es 7991 Neulenker (Stand 17. Juni 2013), deren provisorischer Ausweis abgelaufen ist und die die obligatorischen Weiterbildungskurse nicht abgeschlossen haben. Das heisst: All diese Neulenker haben keinen gültigen Führerschein.

Ernst Anderwert, Präsident der Vereinigung der Strassenverkehrsämter der Schweiz asa, schätzt, dass ein grosser Teil dieser Neulenker tatsächlich auf den Schweizer Strassen unterwegs ist. Einige wenige dürften aufs Autofahren verzichten: «Vielen jungen Leuten ist das Autofahren schlicht zu teuer und andere machen vielleicht einen Auslandaufenthalt.»

Es droht eine saftige Busse

Das Fahren mit einem abgelaufenen Fahrausweis kann die Neulenker teuer zu stehen kommen: Die Busse beträgt maximal 180 Tagessätze. Die Fahrausbildung muss man wieder von vorne beginnen.

Doch was passiert, wenn ein Junglenker mit abgelaufenem Ausweis verunfallt und einen Schaden von mehreren tausend Franken verursacht? Auf Grund des Opferschutzes sind die Versicherungen dazu verpflichtet, die Kosten zu übernehmen. Allerdings fordern sie das Geld nachträglich beim Verursacher zurück.

Die Mobiliar bearbeitet jährlich etwa hundert solche Fälle. «Teilweise handelt es sich um sehr hohe Beträge. Deshalb schauen wir jeden Einzelfall genau an und entscheiden, ob wir den ganzen oder einen Teil des Betrags zurückfordern. Es liegt nicht im Interesse der Mobiliar, junge Leute in den Ruin zu treiben», sagt Sprecherin Andrea Lehmann. Die Bandbreite der Schäden kann von wenigen tausend Franken bis in Einzelfällen zu mehreren Millionen variieren. Verschiedene Generalagenturen der Mobiliar haben die Problematik erkannt und weisen die jungen Versicherten mittels einem Flyer auf den nötigen Weiterbildungskurs hin. Natürlich auch aus Eigeninteresse.

Verkehrsämter sollen besser informieren

Allerdings würde es die Versicherung auch begrüssen, wenn die Strassenverkehrsämter die Junglenker vor dem Ablaufen des Ausweises aktiv mit einem Brief daran erinnern würden. Das ist zurzeit nämlich nicht der Fall.

Auch der Geschäftsführer des Driving Center Schweiz, Peter Koch, der die entsprechenden Weiterbildungskurse anbietet, appelliert an die Strassenverkehrsämter: «Die Neulenker sollten von den Strassenverkehrsämtern ein halbes Jahr vor dem Ablaufen der Ausweise unbedingt schriftlich informiert werden.» Viele Junge hätten halt noch tausend andere Sachen im Kopf, da könne das schon einmal vergessen gehen.

Die 70-jährigen Autofahrer würden schliesslich auch schriftlich zum Test aufgeboten. Bei Koch melden sich regelmässig junge Fahrer, die erst nach Ablauf der Probezeit merken, dass sie mit einem ungültigen Ausweis unterwegs waren. «Viele sind sich überhaupt nicht bewusst, dass sie sich strafbar machen.» Der Geschäftsführer des Schweizerischen Fahrlehrerverbands, Werner Waldmeier, ist ebenfalls der Meinung, das eine aktive Informationspolitik sinnvoll wäre.

Nutzen der Neulenker-Kurse fraglich

Asa-Präsident Anderwert aber sieht keinen Handlungsbedarf: «Auf dem provisorischen Ausweis steht klar und deutlich, bis wann er gültig ist. Ich verstehe nicht, wie man das übersehen kann.» Ausserdem würden die Fahrlehrer die Neulenker auf die obligatorische Weiterausbildung aufmerksam machen und auch in den Medien sei die Zweiphasenausbildung immer wieder ein Thema. «Es liegt in der Eigenverantwortung der jungen Leute, sich um ihren Ausweis zu kümmern.» Anderwert sieht nicht ein, warum «die öffentliche Hand – nur wegen der Nachlässigkeit von rund 2 Prozent aller Neulenker – einen solchen finanziellen Aufwand betreiben soll».

FDP-Nationalrat Christian WasserfallenChristian
Wasserfallen

FDP-Liberale, BE
Nationalrat
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Aktion für vernünftige Energiepolitik Schweiz (AVES), Bern
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teilt diese Meinung. Der Berner hat im Mai 2012 eine Motion zur Abschaffung der Weiterbildungskurse eingereicht. «Es erstaunt mich, dass Leute, die eine so teure Investition machen, vergessen, ihre Ausbildung abzuschliessen.» Dennoch ist Wasserfallen skeptisch, ob die obligatorische Weiterausbildung für Neulenker etwas bringt. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung BfU sei daran, die obligatorische Weiterausbildung zu überdenken.

Ein Bericht der BfU hat kürzlich gezeigt, dass die Probezeit zwar das Unfallrisiko bei Junglenkern reduziert, dass der Erfolg der Neulenker-Kurse allerdings fraglich ist. Dass Neulenker weniger Verkehrsunfälle verursachen und weniger risikoreich fahren, sei schon zu Beginn der Probezeit so und daher eher auf die möglichen Sanktionen zurückzuführen als auf die später absolvierten Neulenker-Kurse, hiess es im Bericht.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus Boll am 19.07.2013 08:35 Report Diesen Beitrag melden

    Reine Geldmacherei

    Zum glück habe ich mein Ausweis seit Jahren, finde es eine Frechheit das die Ganze Prüfung ungültig wird nur weil man nicht ökonomisch fahren lernen wollte. Was macht das für ein sinn wenn man danach ein Auto mit mehr al 5L Hubraum fährt? Da brauch ich eh mindestens 20L/100km.

  • N. Intlekofer am 19.07.2013 10:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigenverantwortung! Zu teuer!

    Ich 56 Jährig, habe die Autoprüfung vor 2 Jahren in kurzer Zeit absolviert. Der 1. 2 Phasen-Kurs war sehr gut der 2. war für mich Sinnlos, das könnte man beim Fahrlehrer auch absolvieren. Die Kurskosten finde ich persönlich zu hoch! Ich denke es liegt an der Eigenverantwortung, selber an die Kurse zu denken.

  • von mir am 19.07.2013 08:45 Report Diesen Beitrag melden

    Abzocke und Schikane

    Ich finde diese Kurse reine Schikane und Abzocke. Ich erwarte, dass man nach der Fahrschule weiss, wie man fahren sollte. Besser fände ich den provisorischen Ausweis mit einem Punktesystem, das die WIRKLICHEN Raser und Verkehrssünder bestraft. "Kollektivstrafe" wegen ein paar testosterongesteuerten Machos ist wirklich nicht angebracht. Diese Kurse müssen freiwillig werden. - PS ich habe meinen Ausweis schon über 20 Jahre, bin also nicht persönlich betroffen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Frick van Hinten am 20.07.2013 09:00 Report Diesen Beitrag melden

    Abschöpfen

    Was soll das Theater? Der Bund oder bzw. die Gemeinden schicken die Einladung zu den Kursen an die Betroffenen und vertig. Ausserdem steht die Busse noch aus. Führerschein retour und 800.- sfr busse. Bei 8000 ist das eine Menge Geld , die hier der Bund abschöpfen kann. Vieleicht wird ja dann die Autobahnvignette billiger.

  • Sabrina W. am 20.07.2013 08:48 Report Diesen Beitrag melden

    Jedem seine eigene Sache...

    Entschuldigt bitte aber wenn jemand autofahren will, sollte es in der Eigenverantwortung des jeweiligen liegen. Die Strassenverkehrsämter zwingt ja niemanden zum autofahren. So ein Kurs geht nicht vergessen, es wird ja darauf hingewiesen.. Wir haben alle Mobitelefone, sind täglich im Internet aber das Strassenverkehrsamt muss uns an einen Termin erinnern!!! Wo sind wir den hier?

  • carlito am 20.07.2013 08:24 Report Diesen Beitrag melden

    digitale demenz

    Nutzen der Kurse hin oder her: Ich frage mich, wieso man den Leuten (insbesondere den Jungen) ständig alles erleichtern/vorkauen muss. Das geltende Recht und die Problematik ist hinreichend bekannt, wer diese Pipifax-Kurse geschlagene 3 Jahre verpennt ist selbst Schuld. Jetzt auch noch ein Erinnerungsschreiben - die digitale Demenz lässt grüssen, manchmal erinnert es mich an den Film "Idiocracy" wo erwachsene Leute nur noch das machen, was man Ihnen sagt und auf Knöpfe mit bunten Bildern drücken. Nutzt doch das Smartphone wenigstens 1 Mal um einen nützlichen Erinnerungstermin einzutragen

  • David am 20.07.2013 00:09 Report Diesen Beitrag melden

    Pauschalverurteilung?

    Wenn 8000 die Kurse nicht gemacht haben, heisst das noch lange nicht, dass diese 8000 auch Autofahren. Es steht jedem frei, die Kurse nicht zu machen und aufs Autofahren zu verzichten.

    • motorradfahrer am 20.07.2013 08:25 Report Diesen Beitrag melden

      ach was!

      man kann bestimmt davon ausgehen, dass der grösste teil trotzdem fährt, wer ein auto besitzt, will es auch benützen und sich nicht gelegentlich in die garage begeben, um sich am anblick zu erfreuen. ihr kommentar geht ziemlich an der realität vorbei.

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  • Patrick am 19.07.2013 22:59 Report Diesen Beitrag melden

    Lasst sie weiterrasen

    Wer schreibt heute noch Mahnungen? Ist doch easy, die jungen Verkehrsteilnehmer sowie deren unschuldigen Unfallopfer ins gesundheitliche und finanzielle Fiasko reinlaufen zu lassen.

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