Internationaler Vergleich

10. November 2017 19:22; Akt: 11.11.2017 02:24 Print

Leistet sich die Schweiz eine Luxus-Armee?

von Nikolai Thelitz - Pro Kopf hat die Schweiz mehr Jets, Panzer und Soldaten als andere Länder. Die Kosten halten sich im internationalen Vergleich aber in Grenzen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Schweizer Luftverteidigung soll für acht Milliarden Franken erneuert werden. Das teilte Verteidigungsminister Guy Parmelin am Mittwoch im Bern den Medien mit. Laut der «Expertengruppe neues Kampfflugzeug» des Bundes reicht dies für 30 bis 40 Kampfjets – je nach Grösse der Boden-Luft-Abwehr.

Umfrage
Was halten Sie vom Militär-Budget der Schweiz?

Auch Österreich plant die Neuorganisation seiner Luftwaffe. Die dortigen Experten gehen laut einem Bericht vom Sommer dieses Jahres davon aus, dass 18 Flugzeuge genügen – in einem Luftraum, der doppelt so gross ist wie jener der Schweiz.

Wie viel gibt die Schweiz im internationalen Vergleich aus?

Die SP spricht deshalb von «überdimensionierten Luxus-Kampfjetplänen». Auch die Grünen halten die neuen Jets für überflüssig, ganz allgemein gelte: «Die Schweiz, ein neutrales Land, umzingelt von befreundeten Ländern, muss aufhören, Milliarden für Kriege auszugeben.» Denn: Parmelin will wegen Investitionen bei den Bodentruppen auch das allgemeine Armee-Budget erhöhen – um 1,4 Prozent jährlich.

Doch leistet sich die Schweiz tatsächlich ein Luxus-Militär? 20 Minuten hat die Truppen- und Flottenstärken unserer Nachbarn und verschiedener Militärmächte mit den unseren verglichen. Das Ergebnis: Pro Kopf gerechnet übertrifft unsere Armee je nach Kategorie sogar die Saudi-Streitkräfte.

So etwa bei den aktiven Soldaten. Auf tausend Einwohner kommen in der Schweiz knapp 15 aktive Soldaten, in Österreich sind es rund sechs, in Deutschland gerade mal zwei. Auch die USA (4,2 Soldaten), Russland (knapp 5,8 Soldaten) und Saudiarabien (7 Soldaten) lässt die Schweiz weit hinter sich. Zu berücksichtigen ist hier: Eine allgemeine Wehrpflicht gibt es nur in der Schweiz und Russland. In der Schweiz und in Österreich sind zudem ein grosser Teil der Soldaten Milizionäre, während etwa in Deutschland, den USA oder Saudiarabien meist Berufssoldaten dienen.

Bei den Fahrzeugen zeigt sich das gleiche Bild. Verglichen wurden grosse Kampfpanzer, so genannte «Main Battle Tanks». Während die Schweizer Armee 143 Leopard-Kampfpanzer ihr Eigen nennt, kommen die Österreicher mit 56 Gefährten eines vergleichbaren Typs aus. Pro Million Einwohner stehen hierzulande rund 17 Panzer zur Verfügung, in Österreich sind es etwas mehr als sechs. In Italien und Frankreich sind es gar nur jeweils etwa 3 Kampfpanzer auf eine Million Einwohner. Die Saudis (26,3 Panzer) und die Russen (19,4 Panzer) übertreffen die Schweiz in dieser Kategorie. Beide Länder müssen jedoch ein riesiges Territorium verteidigen. Nimmt man die zu verteidigende Fläche als Referenz, so übertrifft die Panzer-Dichte in der Schweiz alle anderen Länder um ein Vielfaches.

Im Schweizer Luftraum tummeln sich weit mehr Jets als in jedem anderen untersuchten Land. Pro 10'000 Quadratkilometer stehen 13,6 Kampfflieger zur Verfügung, bei den Italienern sind es noch 7,5, bei den Deutschen 5,9 und bei den Österreichern gar nur 1,8 Flugzeuge. Über den Wüsten Saudiarabiens (1,4 Flieger) und den Weiten Sibiriens (0,6 Flieger) sind noch weniger Kampfjets in der Luft. Rechnet man pro Million Einwohner, sind die Saudis mit über 9,2 Fliegern Spitzenreiter, nach den Amerikanern und den Russen folgen die Schweizer. Österreich landet mit seiner 15-Flieger-Flotte weit abgeschlagen auf dem letzten Platz. Zu berücksichtigen ist hier: Bei der Schweizer oder der saudischen Luftwaffe finden sich viele ältere Maschinen, jene der USA oder Frankreichs sind eher moderner.

Die im Vergleich mit unseren Nachbarn stark ausgebauten Streitkräfte der Schweiz kosten uns jährlich rund 4,6 Milliarden Franken – das sind rund 550 Franken pro Person. Die Österreicher kommen mit umgerechnet gut 300 Franken günstig weg, die Deutschen bezahlen mit 500 Franken fast so viel wie wir. Teuer wird es für die Franzosen. Ihr Militärbudget von 55,7 Milliarden Franken kostet pro Kopf über 800 Franken. Obenaus schwingen die Kosten pro Kopf für die Amerikaner (1885 Franken pro Kopf) und die Saudis (1977 Franken pro Kopf).

Warum sind die französischen Streitkräfte so teuer, obwohl sie dünner aufgestellt sind? Ein Grund könnten die teuren aktiven Kriegseinsätze sein, die auch die Kosten der Deutschen oder der Amerikaner hoch halten. Zudem spart sich die Schweiz als Binnenland auch quasi eine Marine – sie besteht aus elf kleinen Patrouillenbooten, die den Boden- und Genfersee überwachen. Die Österreicher verzichten ganz auf militärische Schiffe – die letzten zwei Donau-Patrouillenboote wurden 2006 eingemottet. Die Franzosen hingegen kommen ihre U-Boote, Zerstörer, Fregatten und das Marine-Flaggschiff «Charles de Gaulle» – ein atomar betriebener Flugzeugträger – teuer zu stehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Paul am 10.11.2017 19:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Panzer und Co.

    So ein Schwachsinn! Dieser Pro-Kopf-Vergleich ist doch überhaupt nicht Aussagekräftig... logisch ist die Schweiz ganz vorn...tolle Recherche...

    einklappen einklappen
  • marko 32 am 10.11.2017 19:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sicherheit

    Der Bundesrat muss viel Geld bezahlen für unsere Sicherheit Und das ist richtig!

    einklappen einklappen
  • james mc'neil am 10.11.2017 19:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Sache

    Eine moderne, einsatzbereite Armee scheint mir in der heutigen Zeit wichtiger denn je.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • FloStone am 12.11.2017 10:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles nur Feuerwerk...

    Das kommt mir vor, wie wenn ich meinen ganzen Lohn in Feuerwerk investiere, anstatt damit meine AHV, Miete und Krankenkasse etc. zu bezahlen.

  • Dieter Meier am 12.11.2017 10:47 Report Diesen Beitrag melden

    Armee zu Bürozeiten mit Uralt-Material

    Das sind Milizsoldaten, die 2 Wochen im Jahr im Einsatz sind. Wie will man das vergleichen? Zudem ist die Ausrüstung hoffnungslos veraltet, fast alles, nicht nur die Flieger.

  • Kevin am 12.11.2017 10:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    das Problem selber finde ich, ist nicht dir Grösse oder die Kosten. Sondern das diese Armee nicht modernisiert wird. Dann würden sich die anderen Themen automatisch regeln. Solange mit Fahrzeugen aus den 70er Jahren gefahren wird...

  • Markus im AG am 12.11.2017 10:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wärend dem kalten Krieg 1980

    gabs diese Vergleiche auch . 1 Rang Soldaten pro KM2 Fläche die Schweiz. Ja sogar NK und China waren damals hinter uns , Panzer hatten wir für rang 3 und Flieger unter ferner haben noch obwohl wir damals um 700 hatten. Jedenfals stehen diese Zahlen im Staatskunde Lehrlingsheft. Gewerbeschule Neuhof Lenzburg.

  • Patrick Müller am 12.11.2017 10:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @links

    Seit Ihr Schweizer oder nicht? Ist es unser Land nicht wert? Niemand will in die EU aber wenn es um unsere Sicherheit geht wollen wir uns ins Nest der Nato legen die machen das schon!! Hallo? Wier sind ein eigenständiges Land wo sich selber verteitigen sollte.