Politik pro Kitesurfen

16. Juni 2012 19:07; Akt: 18.06.2012 11:19 Print

«Eine olympische Sportart darf man nicht verbieten»

von Jessica Pfister - Kitesurfen ist auf den meisten Schweizer Seen verboten. Das wollen nicht nur Sportler, sondern nun auch mehrere Politiker ändern. Ihr Argument: Kiten ist seit Mai olympisch.

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Kiter auf dem Gardasee (Italien). Bald soll die Sportart auch auf Schweizer Seen generell erlaubt sein. (Bild: kiteatlas.com)

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Kitesurfer haben es in der Schweiz nicht leicht: Im Gegensatz zum Windsurfen oder Wakeboarden ist ihre Sportart per Verordnung grundsätzlich verboten. Nur dank der Kulanz einzelner Kantone können sich die Kiter in beschränkten Gebieten etwa auf dem Bodensee oder dem Urnersee doch mit ihren Lenkdrachen über die Wellen ziehen lassen.

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Soll Kitesurfen in der ganzen Schweiz erlaubt sein?
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Für die rund 3000 aktiven Kitesurfer in der Schweiz ist dies ein unhaltbarer Zustand. Ihre Dachverbände Pro Kitesurfen Schweiz und Swiss Sailing haben deshalb den Kontakt zu Politikern gesucht, um das Verbot auf dem gesetzlichen Weg zu kippen. Mit Erfolg: Diese Woche hat eine Gruppe von acht Parlamentariern aller Parteien einen entsprechenden Vorstoss eingereicht. Einer davon ist der grüne Nationalrat Bastien GirodBastien
Girod

GPS, ZH
Nationalrat
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Suisse Eole (Vereinigung zur Förderung der Windenergien in der Schweiz), Corcelles-Cormondrèche
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. «Viele meiner Freunde sind begeisterte Kitesurfer, und auch ich habe es schon ausprobiert», sagt der 31-jährige Zürcher. Für ihn war sofort klar, dass er die umweltfreundliche Sportart, die im Gegensatz zum Wakeboard ohne Motorboot auskommt, unterstützt.

Doch nicht nur bei Jungpolitikern wie Girod, Cedric Wermuth (SP/AG) oder Natalie RickliNatalie
Rickli

SVP, ZH
Nationalrat
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Vereinigung Aktion Medienfreiheit
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(SVP/ZH) stiess das Anliegen auf offene Ohren - auch den 67-jährigen FDP-Ständerat Hans HessHans
Hess

FDP-Liberale, OW
Ständerat
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Frutt Lodge + Spa, Sarnen
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konnten die Kitesurfer mit ins Boot holen. «Es ist eine sehr eindrückliche Sportart, die man fördern sollte - gerade auch, weil sie neu olympisch ist», sagt Hess.

«Bedenken sind überholt»

Dieses Argument führen auch die Dachorganisationen ins Feld. «Es kann doch nicht sein, dass eine olympische Sportart in der Schweiz verboten ist», sagt Mario Kaufmann, Projektleiter von Pro Kitesurfen Schweiz. Ausserdem seien die Bedenken, die bei der Einführung des Verbots im Jahr 2001 geäussert wurden, überholt. Damals wurde vor allem die Sicherheit und die Manövrierfähigkeit des Drachens angezweifelt.

«Wer denkt, dass die Kiter mit ihren Leinen andere einwickeln oder ihre Drachen Schwimmer auf den Kopf schlagen, liegt komplett falsch», so Kaufmann. Die heutigen Sicherheitssysteme seien so gut, dass der Drachen komplett kontrolliert werden könne. Hinzu komme, dass kein Kiter ohne eine mindestens einwöchige Ausbildung auf den See gehe.

«Kitesurfer gehen aufs Wasser, wenn andere draussen bleiben»

Im Kanton Luzern konnte man mit diesen Argumenten jedoch nicht überzeugen. So entschied sich der Regierungsrat im letzten Jahr, den Kitern auf dem Sempachersee den Wind aus den Drachen zu nehmen und das Kitesurf-Verbot durchzusetzen. Die Begründung: Kitesurfer brauchen zu viel Platz und kommen mit den Ruderern und Badenden in Konflikt. Ähnlich klingt es im Kanton Zürich. Der Bootsverkehr ist zu dicht, um eine Kite-Zone freizugeben.

Für Martin Strobel von Swiss Sailing ist das völlig unverständlich. «Kitesurfer gehen dann aufs Wasser, wenn sich Ruderer und Bootsfahrer nicht mal in die Nähe des Sees wagen - nämlich wenn es stark windet und wellt.» Unter vier Beaufort laufe meist gar nichts. Ausserdem würden die Kiter nicht so viel Platz beanspruchen, wie viele fürchten. «Wenn der Kanton klare Zonen festlegt, halten sich die Kiter auch daran.»

Umweltfreundlich oder nicht?

Im Thurgau, wo Kitesurfen auf dem Bodensee und Untersee seit sieben Jahren begrenzt erlaubt ist, hat man zumindest bei der Seepolizei keinerlei Probleme mit den Kitern: «Sie halten sich an die Regeln und es gab bisher auch keinerlei Zwischenfälle», sagt Sprecher Daniel Meili. Dafür warnen Thurgauer Umweltorganisationen davor, dass Kitesurfer die Wasservögel stören könnten. Noch dieses Jahr wollten sie abklären, ob dem wirklich so ist. Kaufmann von Pro Kitesurfen stellt klar: «Wir Kiter sind umweltfreundliche Menschen und lassen auch mit uns reden. Es wäre aber auch nicht sehr ökologisch, wenn die Anfahrtswege wegen der zahlreichen Verbote immer länger würden.»


Kitesurfer in Silvaplana. Quelle: Youtube.
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Ausgewählte Leser-Kommentare

Ich bin ein Spaziergänger der des öfteren wenn starker Wind aufkam an den Sempacher See gegangen ist um den meist jungen Sportlern beim Kitesurfen zu zu schauen. Für mich war die Entscheidung es zu verbieten die der Luzerner Regierungsrat getroffen hat unverständlich. Einen so Umweltfreundlichen ruhigen schönen Sport zu verbieten. Ich finde man sollte diese Sportart auf allen Seen erlauben. Ich hoffe dass sich da was tut in der Politik. – Fabian Bürkli

Ciao Zusammen Ich (16) verstehe nicht warum Kiten verboten sein soll. Ohne einen wöchigen Grundkurs in sachen Sicherheit mit dem Kite und den Kite beherschen zu lernen läuft jah sowieso nix auf dem Wasser. Alle die da draussen rumbrettern haben einen solchen Kurs durchlauffen (mich eingeschlosses). Warum Kiten nur auf einigen Seeen erlaubt ist, ist für mich ein Rätsel. Und richtig Spaasig wird es jah erst ab 3-4 Windstärken, wo sich maximal noch Hard Core Segler auf dem See befinden. Also von mir bekommt die Initiative ein klares Ja. – Lucca Wirz

Ich bin auch begeisterter Kiter. Es macht nur Sinn auf jenen Seen zu kiten wo es auch Wind hat, das ist in der Schweiz leider auf wenigen Seen der Fall. Der Silvaplanersee hat guten Wind und ist auch frei gegeben. Bei anderen Seen müssten bestimmte Zonen nur für Kiten freigegeben sein, mit überwachten Rettungsvorkehrungen (Rettungsboote), da Kiten für andere Wassersportler nicht ungefährlich ist (Leinen etc). – nino bosch

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • kiterseitlangem am 16.06.2012 19:36 Report Diesen Beitrag melden

    Freude

    Wow, da kommt ja doch noch hoffnung auf, sogar im "Bünzlikanton Zürich" mal aufs Wasser zu kommen :)

  • Kiter am 18.06.2012 10:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viele keine Ahnung vom kiten

    Leider zeugen viele Kommentare hier von völligem Unwissen, ich kite seit über 10 Jahren, auch oft auf dem Neuenburgersee. Bei mind. 35 kmh funktioniert der Sport erst und meistens ist dann das Wetter bei Westwind so schlecht das sich mit Ausnahme von den Windsurfen niemand auf denn See wagt! Wieso das kiten zb. auf dem Murtensee verboten ist, konnte mir noch niemand erklären. Erlaubt das kiten endlich, wenn es viele Leute auf dem See hat, hat es garantiert kein Wind!

  • Kitesurfer am 16.06.2012 22:03 Report Diesen Beitrag melden

    Ja von mir

    Die Sicherheit der Zuschauer sowie der Schwimmer und anderer "Wasserratten" steht natürlich an vorderster Front. Aber es gibt ja noch den IKO welcher als Voraussetzung genutzt werden kann. Ich selber bin 16 Jahre alt und besitze den IKO und bin regelmässig am Kitesurfen nur ist es unglaublich mühsam immer nach Silvaplana zu fahren um zu Kiten, denn z.B. an den Bodensee wären es vlt. 30 Minuten von Buchs SG aus und nach Silvaplana ca. 1,5 Stunden. Am Bodensee gibt es ja nur eine kleine Zone die zum Kiten erlaubt ist und wenn mal ein paar Kiter da sind ist es voll. Also ein klares Ja von mir.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hans Segel am 18.06.2012 13:15 Report Diesen Beitrag melden

    Legalisieren und reglementieren!

    Der Hängegleitersport wurde in den 80er-Jahren auch so begründet: man gründete einen Verband, erarbeitete ein Ausbildungskonzept und legte Prüfungskriterien fest. So gelang es, die restlichen Luftraumnutzer dazu zu bewegen ein "Miteinander" mit Vortrittsregeln usw. zu finden. Aber das braucht mehr Enthusiasmus als einfach laut nach "Legalisierung" zu schreien und die Probleme (Vortritt, Naturschutz, Uebernutzung, Haftpflicht usw) ungelöst zu lassen...

    • markus brun am 18.06.2012 15:16 Report Diesen Beitrag melden

      Bitte vorher informieren statt..

      ...falsche Tatsachen verbreiten. Herr Segel das besteht ja alles schon längst

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  • René Hug am 18.06.2012 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    Verbote gibt's genug

    Wenn man es nicht versteht wird es zuerst mal verboten! Bin dafür, dass man die Kite-Surfer zulässt, egal ob olympische Disziplin oder nicht. Natürlich braucht's eine Regelung aber ein Verbot ist keine Lösung.

  • F Ritter am 18.06.2012 10:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es wäre doch so einfach

    Kitezonen einrichten und nur wer die nötigen Kurse besucht hat ist zugelassen. Damit können die Interessen von Kitern, Naturschützern, Schwimmern, etc. berücksichtigt werden und zugleich ist für die Sicherheit aller beteiligten gesorgt. Ich frage mich weshalb unsere Politiker nicht solche einfachen Lösungen ausarbeiten und rasch umsetzen können...

  • Kiter am 18.06.2012 10:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viele keine Ahnung vom kiten

    Leider zeugen viele Kommentare hier von völligem Unwissen, ich kite seit über 10 Jahren, auch oft auf dem Neuenburgersee. Bei mind. 35 kmh funktioniert der Sport erst und meistens ist dann das Wetter bei Westwind so schlecht das sich mit Ausnahme von den Windsurfen niemand auf denn See wagt! Wieso das kiten zb. auf dem Murtensee verboten ist, konnte mir noch niemand erklären. Erlaubt das kiten endlich, wenn es viele Leute auf dem See hat, hat es garantiert kein Wind!

  • Yvonne Haas am 18.06.2012 09:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kiter, lieben die Natur

    Die Saison zum Kitesurfen, ist von Anfang April bis ende Oktober. Im Frühling und besonders im Herbst stehen die guten Windprognosen an. Im Sommer, an den wirklich heissen Tagen, wo es alle ans Wasser zieht: bleibt der Kiter eh Zuhause, weil es meist zuwenig Wind hat. Wo: ist das Problem!! Im Juli und August sind sowieso alle in den Kite-freundlichen Ländern in den Ferien und geben ihr Geld aus. Bravo, Schweiz Tourismus!!!!

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