Jugendproblem

13. März 2017 18:23; Akt: 13.03.2017 19:10 Print

Nur jeder Fünfte unter 24 schaut täglich SRF

von J. Büchi - Junge nutzen das TV-Angebot von SRF kaum – der Service public droht an Rückhalt zu verlieren. Das beschäftigt auch die Politik.

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SP-Nationalrat Matthias Aebischer hat drei Töchter. «Keine davon schaut TV», stellt der Ex-Moderator nüchtern fest. «Sie haben ja ihre Smartphones und iPads.» Der Nachwuchs des Politikers ist in guter Gesellschaft: Die klassischen Medien sind bei den unter 24-Jährigen out. Dies stellt auch der Service-public-Bericht des Bundesrats fest, über den der Nationalrat am Dienstag debattiert.

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So erreichen die TV-Sender von SRF täglich gerade einmal zwei von zehn Menschen zwischen 15 und 24 Jahren, aber sieben von zehn in der Generation 60 plus, wie es im Bericht heisst. Das Durchschnittsalter des SRF-Zuschauers liegt bei 58 Jahren.

Akzeptanz leidet

Auch nach dem Lieblingsmedium gefragt, fallen die Antworten aus Sicht des SRF vernichtend aus: Jugendliche und junge Erwachsene nennen Google, Facebook und Onlinemedien, während bei den Älteren die Radio- und Fernsehsender von SRF dominieren.

Indem sich die Jungen von den traditionellen Medien abwendeten, drohe der Service public seine «Identifikationsfunktion» zu verlieren, warnt der Bundesrat im Bericht. Es brauche verstärkte Anstrengungen, «um die hohe Akzeptanz und Legitimation in der Bevölkerung erhalten zu können».

Insbesondere das Thema Finanzierung, sprich Gebühren, sei «sehr emotional besetzt» – das habe sich schon bei der Abstimmung über das neue Radio- und TV-Gesetz gezeigt. Spätestens, wenn über die «No Billag»-Initiative abgestimmt wird, geht es also um die Wurst.

Politiker sind sich einig: Die Jugendfrage wird für das Schicksal des Service public entscheidend sein. Nur: Wenn es darum geht, wie sie gelöst werden soll, gehen die Ansichten weit auseinander. Drei Standpunkte:

• Neue Wege im Internet

«Wenn SRF eine Zukunft haben will, muss es dorthin, wo sich die Jungen tummeln», ist Matthias Aebischer (SP) überzeugt. Die SRG sei bereits dran, via Kurzfilme auf verschiedenen Onlineportalen und Apps wieder Boden gutzumachen. So veröffentlicht die SRG seit rund einer Woche unter dem Label «Nuovo» speziell für Millennials produzierte Kurzfilme auf Social Media (siehe Box).

In zehn Jahren werde wohl nur noch eine kleine Minderheit um halb acht die «Tagesschau» sehen, so Ex-Moderator Aebischer. Die junge Generation habe die Bilder und News dazu schon tagsüber vollumfänglich konsumiert. Er betont deshalb: «Wer SRF das Internet verbieten will, will den Service public abschaffen.» Dieser sei für den nationalen Zusammenhalt aber von höchster Bedeutung.

• Teilen mit privaten Medien

Christian Wasserfallen (FDP), Vizepräsident der Aktion Medienfreiheit, sagt: «Es ist falsch, wenn sich die SRG immer weiter ausbreitet und etwa mit eigenen Twitter-Kanälen und Apps versucht, den privaten Medien im Netz das Wasser abzugraben.»

Vielmehr müssten Schweizer Radio und Fernsehen ihre Inhalte anderen Anbietern zur Verfügung stellen. «Es wäre doch toll, wenn ein Jugendkanal im Netz den ‹Einstein›-Beitrag über Pantoffeltierchen einbinden könnte», meint er augenzwinkernd. Grundsätzlich müsse die SRG mehr Aufgaben Privaten überlassen und diesen «mehr Luft zum Atmen» lassen; dadurch könnten auch die Gebühren gesenkt werden.

• Gebühren werden abgeschafft

«Viele Junge sind heute dank einem enorm breiten Medienangebot im Internet, beispielsweise auf Youtube, bestens informiert», sagt «No Billag»-Vorstandsmitglied Olivier Kessler. Da heute so viele Informationen zur Verfügung stünden wie niemals zuvor, bestehe «schlicht keine Notwendigkeit mehr für die Eintreibung von Billag-Zwangsgebühren zur Finanzierung eines monopolistischen Staatssenders».

Finanziere sich die SRG selber über Werbung oder Abo-Gebühren, hätte sie auch die unternehmerische Freiheit, im Internet die jungen Generationen zu adressieren, so Kessler.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Typo am 13.03.2017 18:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nope

    Keine unter 24 guckt das ;)

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  • chrimu am 13.03.2017 18:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fernsehen out

    Das Fernsehen ist nicht nur für junge Menschen out. Ich bin 76 und schaue schon lange nicht mehr fern. Und wenn schon, dann zeitverschoben auf dem Internet.

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  • DBlümli am 13.03.2017 18:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Image Problem

    Das SRF hat ein Image Problem, sie können nicht Sendungen für Pensionierte bringen oder Polit Sendungen wo nur eine Minderheit schaut. Nur ein mal pro Woche ein Aktionsfilm oder ein Micky Maus, was bringts, die Leute schauen sowieso nur noch Privat TV, RTL,SAT,Pro 7,DMax usw. also was soll das Pensionierten TV ??

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Steff am 14.03.2017 17:22 Report Diesen Beitrag melden

    Fast 500 Stutz Zwangsgebühren!

    und dann muss man dafür auch noch die lästige Werbung ansehen? Nein! Diese Zwangssteuer ist eine bodenlose Frechheit für null Gegenleistung! Weg mit der Zwangsgebühr. SRF ist max. 50 Stutz pro Jahr wert!

  • Christian am 14.03.2017 16:45 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne ch tv radio

    Ich komme bestens ohne schweizer fernsehen/radio aus. Darum brauch ich auch nicht zu zahlen. Gruss

  • Pädinsky am 14.03.2017 16:36 Report Diesen Beitrag melden

    NatGeo

    Das einzige was ich gucke auf SRF sind die Nachrichten, Schweiz aktuell und 10 vor 10. Mir schnuppe ob der Moderator rechts oder links ist. Ich bilde mir eine eigene Meinung zu den Themen. Dann wird meist auf NatGEO TV oder ähnliches gewechselt damit es noch etwas Hirnnahrung bezüglich Natur gibt.

  • Nico am 14.03.2017 15:36 Report Diesen Beitrag melden

    Kommentar Bug

    Schon merkwürdig, dass die Kommentarfunktion bei dieser Thematik einfach so nicht funktioniert wenn es um die SRG direkt geht und da sind komischerweise dann nur 20-50 Kommentare zu finden welche alle über die mobile app geschrieben werden müssen damit es überhaupt funktioniert. Zufall? Aber sicher doch.

  • Coyote am 14.03.2017 14:57 Report Diesen Beitrag melden

    Mit Ganserbashing Ko gegangen!

    Die Arena Sendung wo der Schlauwinski "911 ist geklärt", ohne Aufmucken sagen konnte, und auch nicht hinterfragt wurde, war der Koschlag für diesen Sender!