Callcenter-Chef

14. Oktober 2014 10:40; Akt: 14.10.2014 10:52 Print

Mit Telefonwerbung gegen Telefonwerbung

von G. Brönnimann - Swisscall-Chef Patrick Dütschler verkauft über seine Tochterfirma Datacom Abos gegen Telefonwerbung. Der Geschäftsführer wehrt sich gegen Vorwürfe.

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Mitarbeiterin in einem Callcenter: Manche Werbetelefonanrufe können nerven. Die Schweizer Firma Datacom will einen gegen lästige Werbeanrufe schützen. Geschäftsführer Patrick Dütschler ist von seinem Produkt überzeugt. Fast alle Kunden seien zufrieden, sagt er. (Symbolbild) (Bild: AFP/Pierre Verdy)

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Die ehemalige Mitarbeiterin D.V.* erzählte von ihren Erfahrungen in einem Schweizer Callcenter. Sie erklärte, warum ihr Beruf sie doppelt belastete: Wegen der angeblich unmoralischen Aufgabe, ein Produkt gegen Werbeanrufe verkaufen zu müssen, von dessen Wirksamkeit sie nicht überzeugt war, und wegen der von ihr als schlecht beschriebenen Arbeitsbedingungen.

D.V. arbeitete beim Callcenter Swisscall in Ittigen BE. Patrick Dütschler ist der Geschäftsführer dort. Am Telefon fällt der Name Swisscall nicht: «Ja, guete Tag, hie isch Schneider. Grüessech! I lüte nech a vor Datacom.» Datacom ist ein zweites Unternehmen. Geschäftsführer: Patrick Dütschler. Die Firma ist bekannt: Laut «K-Tipp» ist das angebotene Abo «teuer und unnötig», laut der Stiftung für Konsumentenschutz STS ist es «teuer und unnütz».

«Man kann jederzeit kündigen»

Die Vorwürfe betreffend das Abo gegen Telefonwerbung sind happig. Datacom-Geschäftsleiter Dütschler zu 20 Minuten: «Absolut nicht, das Produkt überzeugt inhaltlich, und der Erfolg gibt uns Recht.» Das Abo funktioniere: «Es wird extrem gut genutzt, und wir erhalten derzeit rund 700 neue Anfragen im Monat. Das Feedback unserer rund 25'000 Kunden ist überwiegend sehr positiv.»

«Ansonsten», sagt Dütschler, «kann man auch jederzeit kündigen.» Jederzeit? Man verpflichtet sich vertraglich gleich für zehn Jahre – ein Jahr kostet Fr. 9.90, der Gesamtpreis beträgt 99 Franken, der Abschluss wird auf Band aufgezeichnet. Dütschler: «Ja. Aber es gilt das gesetzliche Widerrufsrecht, und auf das machen wir auf der Rechnung auch aufmerksam. Man kann den Vertrag innert sieben Tagen widerrufen.» Laut «K-Tipp» akzeptiert Datacom erhaltene Widerrufe aber nicht – weil das Gesetz das Widerrufsrecht erst ab einem Betrag von 100 Franken vorsehe.

Sieht der studierte Theologe Dütschler kein moralisches Problem damit, wenn seine Firma, wie die ehemalige Angestelle D.V. sagt, Zehn-Jahres-Abos an über 90-jährige Rentner verkauft? Der Chef: «Nein, absolut nicht. Wir haben tolle Rückmeldungen, und es gibt sogar ganz viele Leute, die ihre betagten Eltern bei uns anmelden, weil die besonders unter den lästigen Werbeanrufen leiden, da sie oft zu Hause sind.» Es treffe schlicht nicht zu, dass es nur um Gratis-Sterneinträge gehe: «Die Kunden können uns lästige Telefone melden – wir stellen dann aktiv Datenschutzbegehren bei den Firmen, die angerufen haben, und veranlassen die Löschung der Nummern aus den Datenbanken.» Dütschler sagt, sein Service führe zu mehr als 75 Prozent weniger Werbebelästigung.

*Name der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Richter am 14.10.2014 09:16 Report Diesen Beitrag melden

    Politisches Versagen in der Schweiz

    Vielen Dank an unseren Staat und letztendlich an unsere Politiker, dass diese solche Machenschaften unterstützen und keine rechtlichen Grundlagen erschaffen um solche Firmen konsequent zu eliminieren oder diese verhindern. Ich wünsche mir, dass alle Politiker zwangsläufig solche Verträge abschliessen müssen. Dann sehen sie auch mal, wie es ist betrogen zu werden.

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  • Gipsy am 14.10.2014 09:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nötigung

    Auch meine 85 jährige Mutter wurde über den Tisch gezogen. wie auchon erwähnt konnte man nicht kündigen. Man wurde sogar noch genötigt die Rechnung nun sofort zu bezahlen. Ansonsten würde es teuer werden.

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  • Mauro am 14.10.2014 10:53 Report Diesen Beitrag melden

    :D Lustig

    Das ist so als wenn die Antiviren Hersteller die Viren selbst programmieren würden um ihren Absatz zu erhöhen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Patricia am 15.10.2014 06:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Traurig, das man ein Abo kaufen muss,damit man nicht genervt wird von Werbeanrufen.

  • tom brasil am 15.10.2014 00:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sicher?

    bist du sicher dass es nicht so ist?

  • P. Müller am 14.10.2014 23:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Termin machen...

    Ganz einfach, kurz zuhören, selber auf einen Maklertermin drängen und dann die Adresse vom nächsten Polizeiposten angeben. Wenn dann der Makler dort steht und erfolglos seinen Kunden sucht hört das ganz schnell wieder auf. Schliesslich verliert er dabei Zeit und damit Geld.

  • mr.x am 14.10.2014 21:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    tun sie ja vileicht auch mann weiss nie ;-)

  • Petra Chevalier am 14.10.2014 15:25 Report Diesen Beitrag melden

    Was macht noch Sinn?

    Aus meiner Sicht ist das alles, was da so abläuft, ein Verbrechen. Privatsphäre und Umwelt! Schutz hat man gar keinen. Als Belästigter muss man viel Zeit aufwenden um sich nicht belästigen zu lassen und (wie ich hier gelesen habe) auch noch bezahlen damit man nicht belästigt wird. Sorry, aber das kann es einfach nicht sein. Vielleicht sollten die ganzen telefonischen Anbieter und Firmen, die sinnlos Kataloge versenden wieder gute Qualität liefern, dann würde man auch wieder mal übers Internet bestellen. Aber in der heutigen Zeit finde ich die ganzen Ökonomischen-Verschwendung unverantwortlich.