Klimawandel

27. März 2017 16:25; Akt: 27.03.2017 16:52 Print

Diese Skigebiete gibt es 2100 wohl nicht mehr

von Nikolai Thelitz - Geht der Klimawandel ungebremst weiter, droht vielen Schweizer Skigebieten das Aus. Eine Karte zeigt, welche Orte betroffen sind.

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Der Schnee liess diesen Winter in der Schweiz auf sich warten. Auch im Skigebiet Charmey im Kanton Freiburg gab es im Dezember nur einzelne weisse Flecken. Die örtliche Bergbahn nahm es mit Humor und veröffentlichte ein originelles Video. Darauf zu sehen ist ein Weihnachtsmann, der sich vom Fehlen der weissen Unterlage nicht beirren lässt und stattdessen fröhlich auf der grünen Piste Ski fährt. Ein Skilift-Mitarbeiter wünscht sich von ihm Schnee. «Der wird schon noch kommen», verspricht der Weihnachtsmann.

Der Schnee kam in Charmey zwar noch, aber viel weniger als in den Vorjahren. Das Fazit nach der Saison: Nicht einmal 50 Tage lang waren die Skilifte in Betrieb, es fiel schlicht zu wenig Schnee. Im Schnitt der letzten Jahre waren es noch 61 Tage.

Skigebiet will sich auf die Sommersaison konzentrieren

«Es gab so wenig Schnee, dass wir unser Boardercross-Angebot nie anbieten und zwei Pisten gar nie präparieren konnten», sagt Skilift-Betreiber Sébastien Jacquat der «Tribune de Genève». Stattdessen habe man auf die Gastronomie-Angebote für Wanderer gesetzt. Nach der Saison überlegen sich die Betreiber nun ernsthaft, aus dem Wintersportgeschäft auszusteigen und sich auf die Sommersaison zu konzentrieren.

Viele Schweizer Skigebiete könnten in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ebenfalls zu diesem Schritt gezwungen sein, wie eine neue Studie der ETH Lausanne und des SLF zeigt. Die Skisaison wird laut den erhobenen Klimadaten immer kürzer. Besonders Skigebiete, die unter 1200 Höhenmetern liegen, dürften bis 2100 verschwinden.

Kein Naturschnee mehr unter 1200 Metern

Die Forscher hatten die Schneemengen in verschiedenen Szenarien bis zum Jahr 2100 simuliert. Selbst falls es gelänge, die Erderwärmung auf 2 Grad zu begrenzen, würde die Schneemenge um 30 Prozent sinken. «Macht die Menschheit beim CO2-Ausstoss jedoch weiter wie bisher, könnte bis Ende des Jahrhunderts in den Alpen sogar 70 Prozent weniger Schnee liegen», sagen die Forscher zu «Spiegel Online».

Besonders stark betroffen von den prognostizierten Veränderungen seien Höhen unter 1200 Metern. Bis Ende des Jahrhunderts werde es in diesen Höhenlagen kaum noch eine geschlossene Schneedecke geben. Wintersport werde es in den betroffenen Skigebieten kaum mehr geben – zumindest nicht auf Naturschnee.

In der Schweiz sind die Voralpen betroffen

«Mit Kunstschnee kann es durchaus möglich sein, Gebiete unter 1200 Metern weiterzubetreiben», sagt der SLF-Forscher Sebastian Schlögl. Doch ob das tatsächlich gelinge, hänge von vielen Faktoren ab, etwa der Hangausrichtung. Ein Problem ist auch, dass gängige Schneekanonen erst bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt funktionieren.

«Spiegel Online» nahm diese Studie zum Anlass, eine Karte der Alpen zu erstellen und hervorzuheben, welche Skigebiete vom Klimawandel besonders betroffen wären. In der Schweiz würde es vor allem Skiregionen in den Voralpen treffen, so zum Beispiel das Hörnli im Zürcher Oberland oder der Skilift Riffenmatt im Kanton Bern. Viele Destinationen im Wallis und im Bündnerland wären hingegen weiterhin wintersporttauglich.

Sehen Sie in der Bildstrecke, welche Gebiete betroffen wären. Rot markiert sind Skigebiete, die komplett unterhalb von 1200 Metern liegen. Gelb sind jene, die teilweise unter, teilweise über 1200 Metern liegen. Die grünen Skigebiete liegen komplett über 1200 Metern über Meer. Übrigens: Das eingangs erwähnte Skigebiet Charmey, das sich bereits jetzt die Schliessung überlegt, ist gelb.

Eine interaktive Karte mit Suchfunktion nach Ihrem Skigebiet finden Sie auf Spiegel Online.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schneemann am 27.03.2017 16:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    adé Wasset

    Was ich viel kritischer als die verschwindende Skigebiete finde, ist der fehlende Schnee als Wasserspeicher für Trinkwasser und Wasserkraftwerke. Blanker Stein speichert nichts ...

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  • FRL-Myke am 27.03.2017 16:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Teuer?

    Klimawandel ist Panikmache und soll uns nur das Geld aus der Tasche ziehen? Ich denke die diversen Wintersportorte können euch genau vorrechnen was es kosten wird den Klimawandel weiter zu ignorieren.

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  • Kontrapunkt am 27.03.2017 16:36 Report Diesen Beitrag melden

    Naja...

    Geht die Klimaerwärmung ungebremst weiter, haben wir sowieso massiv grössere Probleme, als ein paar Skigebiete, die nicht weiterbetrieben werden können! Ich hoffe wirklich, dass sich die Mächtigen der Welt - und auch die Schweiz! - das Pariser Klimaschutzabkommen zu Herzen nehmen! Denn, liebe SVP, die Klimaerwärmung ist keine grossangelegte Verschwörung, wie z.B. ein Herr Glarner glaubt!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Regi am 28.03.2017 11:16 Report Diesen Beitrag melden

    Unsinn

    Ich hoffe nur sehr, dass es nun nicht all diesen kritischen Gebieten einfällt, überall Schneekanonen einzusetzen. Wir hatten letzten Winter als Einwohner zu wenig Trinkwasser, damit die Pisten für die Skifahrer präpariert werden konnten....

  • Sefi am 28.03.2017 11:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur warten

    Bin gespannt was darüber in 10 Jahren geschrieben wird. Es gibt immer wieder solch verrückte Jahre. Das gab es schon in den Jahren 1900 herum.

  • Elnino am 28.03.2017 10:58 Report Diesen Beitrag melden

    Und plötzlich kommt es anders...

    Und plötzlich kommt alles anders als man denkt, weil irgendwo auf der Welt ein gewaltiger Vulkan ausbricht oder ein grosser Meteorit auf die Erde knallt. Dann sinken die Temperaturen für ein paar Jahre und man kann selbst vom Zürichberg aus die Talabfahrt in die tief verschneite City unter die Skier nehmen. Von September bis Ende Mai....

    • Böser Eugen am 28.03.2017 20:08 Report Diesen Beitrag melden

      und Sie glauben wirklich

      der ganzen Weltwirtschaft würde es nach dem Meteoriteneinschlag gut gehen und man nur darauf gewartet hätte, dass Sie den Üetliberg mit Skiern befahren können? Nb: in meiner Jugend ging das tatsächlich noch ein paar Mal. ich bin nun 45 Jahre alt, und der Trend der letzten 30 Jahre ist recht unaufhaltsam.

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  • Peter am 28.03.2017 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    Wilde Spekulation

    Vermutlich steht bis 2100 überhaupt nichts mehr wenn es mit der Welt so weitergeht. Dann hat sich das Problem mit den Skigebieten eh erledigt. Oder wir haben bis dahin eine neue Eiszeit? Wer weiss schon was in den nächsten 5 Jahren passiert, geschweige denn in 83

  • EDI am 28.03.2017 10:45 Report Diesen Beitrag melden

    Umdenken

    Die Sommersaison als Chance nutzen!! Skilifte abbauen, Wanderwege mit Infotafeln ausbauen, skiestrecken mit Bäumen aufforsten. Alpine botanische Gärten anlegen.