Schweizerische Sicherheitsbefragung

29. Februar 2016 10:29; Akt: 29.02.2016 10:53 Print

Jede vierte Frau hat nachts Angst auf der Strasse

Die Kriminalität geht in der Schweiz laut einer neuen Befragung zurück. Zugenommen haben aber Raubüberfälle und Vergewaltigungen.

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22,5 Prozent der Frauen fürchten sich, wenn sie nachts allein unterwegs sind. (Bild: Thomas Olsen)

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Der renommierte Strafrechtler Martin Killias hat im Auftrag der Konferenz der Kantonalen Polizeikommandanten (KKPKS) untersucht, wie sicher die Schweiz ist. 2000 Personen wurden gefragt, ob sie Opfer einer Straftat geworden seien. Es wurden somit auch jene miteinbezogen, die nie Anzeige erstattet haben.

Die gute Nachricht zuerst: Nachdem die Kriminalität im Jahr 2011 einen Höhepunkt erreicht hatte, sind die Zahlen seither in fast allen Deliktsarten gesunken. Damit bestätigt die Schweizerische Sicherheitsbefragung den Trend der polizeilichen Kriminalitätsstatistik. Besonders bei Diebstahl sowie bei Tätlichkeiten und Drohungen haben die Straftaten gegenüber der letzten Befragung im Jahr 2011 deutlich abgenommen.

Grund dafür dürfte sein, dass die Leute immer weniger Bargeld auf sich tragen und Handys immer günstiger werden. «Stehlen lohnt sich wahrscheinlich weniger», so die Studienautoren. Zu körperlichen Übergriffen kam es seltener, allerdings waren nach wie vor jüngere Personen unter 39 Jahren mehrheitlich die Opfer.

Mehr Raubüberfälle, weiterhin viele Einbrüche

Die Bilanz fällt aber nicht durchwegs rosig aus: Signifikant höher ausgefallen ist die Anzahl Raube, wobei diese «seit der ersten Durchführung kontinuierlich zunimmt», wie Killias sagt. Auch die Rate der Wohnungseinbrüche ist nach wie vor hoch – sowohl im Vergleich zu den Jahren von 1995 bis 2004 als auch zu anderen europäischen Ländern. Obwohl sinkend, liegt auch die Anzahl körperlicher Übergriffe noch immer auf hohem Niveau – verglichen mit den Jahren vor 2004 und zum europäischen Durchschnitt. Zwar werden weniger Bargeld und Handys geklaut, dafür öfter Kredit- und Bankkundenkarten missbraucht.

Dies widerspiegelt sich auch in den Sorgen der Bevölkerung: Mehr Schweizer finden, dass es echte Probleme gibt – so etwa bei Vandalismus, Einbrüchen, Diebstählen oder Raub. Die Leute sind generell vorsichtiger geworden: Sie verhalten sich vorsichtiger im Internet, haben Massnahmen gegen Einbruch getroffen und verständigen eher die Polizei, wenn sie etwas Verdächtiges sehen. Auch auf der Strasse verhalten sie sich vorsichtiger.

Mehr Vergewaltigungen

Angst haben die Schweizer deshalb aber nicht mehr als früher, wenn sie nachts draussen sind. Der Trend zu einem höheren Sicherheitsgefühl besteht seit einigen Jahren. Dies dürfte damit zusammenhängen, dass auf der Strasse weniger Delikte passieren, sich laut Studienautoren aber auch ihr «Ausgangsverhalten geändert hat».

Dennoch: 22,5 Prozent der Frauen empfinden Angst, wenn sie nach 22 Uhr allein unterwegs sind – dreimal mehr als Männer. Frauen werden besonders häufig Opfer sexueller Delikte. Die Anzahl Vergewaltigungen hat eher zugenommen. Obwohl es sich bei der grossen Mehrheit der Sexualdelikte um Küssen oder verbale sexuelle Belästigung handelt, seien die schweren Fälle «nicht vernachlässigbar», heisst es im Bericht, 1,2 Prozent der Frauen – insbesondere solche unter 26 Jahren – wurden Opfer von Vergewaltigung, sexueller Nötigung oder versuchter Vergewaltigung.

(rah)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Barbara94 am 29.02.2016 10:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wundert mich nicht!

    Lasst die Grenzen weiter unbewacht und es wird noch schlimmer! Wenn ich bis 2015 arbeite, muss ich etwas mehr als eine halbe Stunde danach am bahnhof warten. Meist ist da niemand oder nur ein einziger Buschaffeur. Das macht je nachdem auch nicht viel Mut. Es hat jenachdem noch ziemlich kuriose Gestalten am Bahnhof, aber mal eine Polizeipatrouille oder so sieht man nirgends.

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  • Arya am 29.02.2016 10:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dunkelziffer?

    Hätte sogar auf mehr als 1 von 4 gewettet.

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  • Swisswolf am 29.02.2016 11:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimme Zeit

    Es ist ja schlimm das man im eigenen Land angst haben muss, so bald es dunkel wird.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sunshine am 29.02.2016 18:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sicherheit

    Kein Wunder!!! Immer mehr Kolleginen aus meinem Bekanntenkreis tragen nun ein Pfefferspray mit sich rum oder machen einen Selbstverteidigungskurs! Diese Sicherheitsmassnahmen werden immer aktueller und finden enormen Anklang! Manche Sachen sind ja umstritten, aber wer sich so sicherer fühlt....unbedingt!

  • The100 am 29.02.2016 17:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ich auch

    jeder 2te mann hat Angst den gleichen Weg in der Nacht zu haben wie eine frau weil er dann immer als potenzieller Vergewaltiger angesehen wird.

  • Cartman1993 am 29.02.2016 13:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    naja

    Wenn man diese Umfrage mit den realen Verbrechen vergleicht, würde ich eher sagen, dass heute mehr Menschen Angst haben, da wir über das Schreckliche schneller und gezielter informiert werden. Das heisst nicht, dass man nicht vorsichtig sein sollte, jedoch sollte man einfach die Wahrscheinlichkeit bedenken und sich nicht irre machen lassen.

  • CHerin am 29.02.2016 12:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Angst

    Glaub ich, und der Bundesrat schaut zu, bin gespannt, wann es mal eine Änderung gibt, bei rigorosen Gesetzesdurchführungen oder beim Bundesratverantwortlichen???!!!

  • Mondspazierer am 29.02.2016 12:49 Report Diesen Beitrag melden

    Bodyguards

    Warum organisieren wir keine Bodyguard-Gruppen, welche die Damen bei Dunkelheit begleiten? Oder was müsste sich ändern, damit Frau sich sicherer fühlt?