«Katastrophale Folgen»

16. April 2013 08:43; Akt: 16.04.2013 11:10 Print

Österreicher warnen vor Abtreibungs-Initiative

von Jessica Pfister - Schweizer Frauen sollen Abtreibungen künftig selber bezahlen - wie es in Österreich der Fall ist. Nun warnen Ärzte und Politiker aus dem Nachbarland vor den Gefahren dieser Regelung.

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In Österreich müssen die Frauen die Kosten für eine Abtreibung übernehmen - die Folgen seien Verschuldung und Abbrüche ausserhalb der gesetzlichen Rahmens. (Bild: Keystone)

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Wenn sich in der Schweiz eine Frau dazu entscheidet, ihre Schwangerschaft abzubrechen, bezahlt die obligatorische Krankenversicherung den Eingriff. Je nach Zeitpunkt kostet eine Abtreibung zwischen 600 bis 1500 Franken. Geht es nach den Initianten des Volksbegehrens «Abtreibunsfinanzierung ist Privatsache» soll damit bald Schluss sein. «Die Krankenkasse ist nicht dazu da, Leben zu vernichten», sagt Co-Präsident und SVP-Ständerat Peter Föhn. Gleich klingt es bei Co-Präsidentin und CVP-Nationalrätin Elvira Bader: «Es geht nicht an, dass religiös denkende Menschen einen solchen Eingriff durch die Grundversicherung mitfinanzieren müssen.»

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Als Vorbild führen die Initianten in ihrem Argumentarium Österreich ins Feld, wo Frauen seit jeher selbst für den Abbruch aufkommen müssen. Für Christian Fiala, Gynäkologe am Ambulatorium für Schwangerschaftsabbruch in Wien, ein Affront. «Es gibt keinen einzigen positiven Aspekt, wenn die Frauen eine ungewollte Schwangerschaft selber bezahlen müssen.»

Gerade für sozial schwachgestellte Familien sei diese Regelung eine Katastrophe. «Frauen müssen sich hierzulande verschulden, um eine Abtreibung zu bezahlen», weiss Fiala. Wenn sich die Schweiz für eine solche Lösung entscheide, falle sie ins Mittelalter zurück, warnt der Arzt. «Selbst in traditionell katholischen Ländern wie Spanien oder Portugal werden die Kosten vom Staat übernommen.»

Gefahr von illegalen, unsauberen Abtreibungen

Neben der Verschuldung sieht Ingrid Riezler, Landtagsabgeordnete der SPÖ in Salzburg noch ein weiteres Problem. «Weil bei uns die Krankenkasse nicht bezahlt, werden die Abtreibungen auch nicht statistisch erfasst. Das erschwert die Prävention enorm», so die Politikerin. Arzt Fiala schätzt die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche in Österreich auf etwa 30'000 pro Jahr - das sind bei einer ähnlichen Einwohnerstruktur rund dreimal so viele wie in der Schweiz, die mit rund 10'000 Abtreibungen jährlich eine der niedrigsten Raten weltweit aufweist.

Anne-Marie Rey, Schweizer Vorkämpferin für die Fristenlösung, warnt zudem vor gesundheitlichen Gefahren. «Weil die finanziellen Hürden hoch ist, werden in Österreich auf dem Schwarzmarkt gefährliche Abtreibungspillen angeboten.» Eine Lieferantin solcher Pillen habe sie persönlich gebeten, ihre Adresse auf Reys Internetseite zum Thema Schwangerschaftsabbruch zu veröffentlichen. Besorgt zeigt sich auch die Schweizer Ärztevereinigung FHM: «Streicht man die Leistung aus der Grundversicherung, schwächt man nicht nur das Selbstbestimmungsrecht der Frauen, sondern fördert auch, dass Schwangerschaftsabbrüche illegal, beziehungsweise medizinisch nicht auf hohen Niveau durchgeführt werden», sagt FMH-Präsident Jürg Schlup.

«Klar haben Ärzte keine Freude»

Initiantin Elvira Bader schlägt diese Warnungen in den Wind. «Dass es den Ärzten nicht passt, wenn die Kosten von den Frauen übernommen werden und allenfalls die Medikamente günstiger werden, ist klar.» Angesprochen auf den Schwarzmarkt auf dem Internet oder die illegalen Abbrüche, sagt Bader. «Das wird ein kleiner Prozentsatz sein, diese negativen Auswirkungen nehme ich in Kauf.»

Co-Präsident Peter Föhn sieht dies ähnlich und betont, dass die Initiative nicht die Abtreibung an sich verbieten wolle. Es gehe vielmehr darum, alles zu probieren, wie man Leben retten könne. «Gerade in der Schweiz gibt es sehr gute soziale Institutionen, die Frauen nicht nur in der Schwangerschaft, sondern auch danach begleiten und ihnen helfen.» Föhn und Bader hoffen, mit einem Ja zum Volksbegehren jährlich rund 500 Abtreibungen verhindern zu können.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Klar kann man Schwangerschaften oft verhindern, Lungenkrebs aber auch und Fettleibigkeit erst recht. Soll man jetzt für garnix mehr die Krankenkasse zur Rate ziehen? Selbstverantwortung schön und recht aber irgendwo sind wir alle nur Menschen die mal Fehler machen und deswegen nicht gleich in Finanzielle Notlagen gedrängt werden sollten. – René V

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Andres Schlumpf am 19.04.2013 00:30 Report Diesen Beitrag melden

    Lösungsvorschlag

    Alle die dafür sind das Abtreibungen von den ungewollt schwangeren Frauen selbst finanziert werden, adoptieren die ungewollten Kinder, was meint ihr dazu ?

  • root am 16.04.2013 17:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mord oder nicht?

    ein kleiner Hinweis für alle die hier laut MORD schreien: jedes Rind das auf dem Tisch landet, jede Ameise die ihr aus versehen zertretet hat mehr leben (fähigkeit zu denken und zu handeln, emotionen, schmerzen...) als ein Zellhaufen (mehr ist es zu diesem Zeitpunkt noch nicht) im Bauch einer potenziellen Mutter. Wenn also eine Abtreibung Mord ist, was ist dann der tägliche gang zur arbeit mit all seinen Opfern?

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  • R. S. am 16.04.2013 20:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Muss von der KK bezahlt werden.

    Eine Schwangerschaft kostet auch und wird von der KK bezahlt. Ganz klar muss auch der Schwangerschaftsabbruch bezahlt werden. Viagra und Penis Hilfen werden bezahlt damit Mann immer kann. Wir haben so dafuer gekämpft, das legal abgetrieben werden kann. Früher hatten wir in Zürich Frauen aus Katholischen Kantone die nach Zürich zum Abtreiben kamen. Es ist wichtig dass es die KK übernimmt sonst sind wieder die Armen betroffen. Die Reichen können allemal machen was sie wollen. Ich begreife nicht wie man jetzt wieder mit diesem alten Hut kommt. Der Krieg ist Mord und wird von allen Religionen ab

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hans Hugentobler am 19.04.2013 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz klar JA

    Selber bezahlen, ganz klar. Besser verhüten dann passiert es nicht. Ich finde es nicht in Ordnung das die allgemeinheit den Kopf herhalten muss. Ich habe ja nichts mit der Person zu tun, ich kenne sie sehr wahrscheinlich auch nicht, warum sollte ich sie bezahlen? Ich bin ganz klip und klar für die Initiative ,,Abtreibung ist Privatsache''

  • Andres Schlumpf am 19.04.2013 00:30 Report Diesen Beitrag melden

    Lösungsvorschlag

    Alle die dafür sind das Abtreibungen von den ungewollt schwangeren Frauen selbst finanziert werden, adoptieren die ungewollten Kinder, was meint ihr dazu ?

  • Ichglaubsnicht am 18.04.2013 23:45 Report Diesen Beitrag melden

    Wie bitte???

    Embryo = Zellhaufen?? Gehts noch?? Grauenhaftes Gedankengut!! Ist denn ein Embryo kein Mensch? Was dann? Eine eigene Gattung lebendes Säugetier?... oder eher Vogel? Lebt er nicht? Ab wann ist ein Mensch ein Mensch? Wenn er denkt, wenn er spricht? Einen Embryo wachsen zu lassen heisst, ein Kind mehr auf der Welt. Einen Embryo zu töten heisst ein Kind weniger auf der Welt. Die Unterscheidung in lebenswerte und nicht lebenswerte Wesen, also Kind und Embryo erinnert stark an die Rassentheorie des dritten Reichs... sorry!!

  • Phineas Freak am 18.04.2013 22:32 Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Christliche Fundamentalisten

    ihr bestätigt mir immer wieder wiso ich keiner Glaubensgemeinschaft mehr angehöre. Ihr versucht immer allen eure Meinung aufzuzwingen unter dem Vorwand des Glaubens. Wo bleibt da das von Gott gegebene Recht des freien Willens. Nehmt ihr uns das weg? Mit welchem Recht? Damit das er nicht in eure Doktrin passt? Lasst den Menschen ihren eigenen, von Gott gewollten, Willen. Bin absolut für die Beibehaltung der Bezahlung durch die Krankenkasse. Weil mit dem selber zahlen seit ihr ja sicher nicht zufrieden, nachher fordert ihr wieder das totale Verbot. Und das darf nie mehr geschehen.

    • Mediabert am 19.04.2013 01:21 Report Diesen Beitrag melden

      Mein freier Wille

      Ja, jeder kann Tun und Lassen was er will. Nur, unser Tun und Lassen hat Konsequenzen - so oder so. Du darfst bei Rot über die Strasse gehen - mit der möglichen Konsequenz, dass Du das evtl. nicht überlebst oder verletzt wirst. Aus welchem Grund denkst Du, gibt Gott uns Gebote? Etwa um uns zu schaden?

    • Phineas Freak am 19.04.2013 13:56 Report Diesen Beitrag melden

      und mein freier Wille

      kann sich selbst entscheiden ob er sich an irgendwelche Gebote halten will oder nicht. Das ist ja Sinn und Zweck davon. Da hat mir auch keiner Reinzureden. Den falls meine Entscheidungen Konsequenzen haben muss ich mal dafür grade stehen. Aber es ist ja schon seit jeher der Sinn von Glaubensgemeinschaften anderen ihren Willen und Weltanschauung aufzuzwingen. Zum Glück wird das in einer aufgeklärten Welt immer schwieriger. Ich bin gläubig, habe aber meinen eigenen Glauben. Den auch da lasse ich mir nichts vorschreiben. Jede Frau soll selber Entscheiden können ohne finanziellen Druck.

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  • Volker Swiss am 18.04.2013 11:05 Report Diesen Beitrag melden

    Und die Männer...

    Aber wenn selber bezahlen, dann müsste es doch nach dem Verursacherprinzip gehen? Und wer ist, zumindest zu 50% Mitverursacher wenn ein Kind gezeugt wird? Doch immer noch meist ein Mann, warum muss denn der nix bezahlen? Ist ja meistens nicht so schwer herauszufinden wohin die Rechnung gehen soll (DNS-Tests sind erfunden). Oder wär's dann nicht einfacher es bei der Krankenkasse zu belassen? Da zahlen Männer und Frauen, was nur gerecht ist!