Islamprediger im Klosterdorf

11. März 2010 17:54; Akt: 11.03.2010 19:59 Print

Frauenprügler herzlich willkommen

von Fabienne Riklin - Frauen mit dem Stock züchtigen und ungläubige Muslime mit dem Schwert köpfen, dies predigt Abu Anas. Während vor einem Monat einem islamistischen Extremisten noch die Reise nach Bern verwehrt wurde, steht einem Auftritt von Anas in Disentis nichts entgegen. Die einzigen, die sich ärgern sind gemässigte Muslime.

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Auszüge aus einer Rede: Prediger Mohammed Ciftci, alias Abu Anas, aus Deutschland verkündet, ungläubige Muslime müssten enthauptet werden.

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Im bündnerischen Disentis lädt der Islamische Zentralrat Ende März 260 Gäste zu einem sogenannten Bildungsseminar ein (20 Minuten berichtete). Einer der Referenten ist der deutsche Islamist Mohammed Ciftci alias Abu Anas. In zwei von Schweiz aktuell ausgestrahlten Videos predigt Abu Anas Frauen mit einem Stock zu schlagen, wenn sie nicht gehorchen und nicht gläubige Muslime mit einem Schwert zu köpfen.

Der umstrittene Islamische Zentralrat gerät damit erneut in die Kritik. Erst im Dezember hatte dieser vorgesehen den Hassprediger Pierre Vogel einzuladen. Der Bund verweigerte damals jedoch die Einreise Vogels. Nicht so im aktuellen Fall. Das Bundesamt für Migration will - anders als im Fall Vogel - keine Einreisesperre gegen Anas verhängen.

Der Gemeindepräsident von Disentis, Dumeni Columberg, schiebt die Verantwortung dem Bund ab. «Falls Extremisten auftreten und unsere Rechtsordnung und die Menschenrechte verletzen, ist es die Aufgabe der zuständigen Amtstellen entsprechende Massnahmen zu ergreifen», sagt er zu 20 Minuten Online. Doch das Fedpol hüllt sich in Schweigen, während Columberg weiter versucht die Sache schön zu reden: Bereits dreimal habe der islamische Zentralrat die Mehrzweckhalle im Dorf Disentis gemietet und Bildungsseminare durchgeführt, die zu keinen Beanstandung Anlass gegeben hätten und von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurden. «Ich weiss nicht wer damals als Redner aufgetreten ist», er wolle aber auch keine Zensur ausüben. Es gelte in der Schweiz die Glaubens- und Religionsfreiheit. «Mit Ausgrenzung werden keine Probleme gelöst», sagt Columberg.

Kloster hält sich zurück

Wie auch die Gemeinde will sich das Kloster Disentis nicht die Finger verbrennen. Unzählige Leute haben sich mit Mails oder Anrufen bei der Benediktinergemeinschaft gemeldet und sie aufgefordert, etwas zu unternehmen. Auch im Unterricht wird mit den Kantonsschülern das Thema Islam und dessen Bewegungen thematisiert. Doch Abt Daniel Schönbächler wollte zur bevorstehenden Predigt von Abu Anas nichts sagen. Er verstehe nicht warum das Kloster mit dieser Veranstaltung in Verbindung gebracht werde, zumal er weder den Prediger kenne, noch genau wisse, was er wo gesagt habe.

Empörung bei gemässigten Muslimen

Währendessen laufen Islamische Organisationen Sturm. Nicht ohne Grund: Abu Anas betreibt in Braunschweig eine Islamschule und wird dort vom niedersächsischen Verfassungsschutz beobachtet: Sein Institut ist als «Durchlauferhitzer für militante Islamisten» aufgefallen. «Seine menschenverachtenden Aussagen sind haarsträubend und inakzeptabel. Zudem haben sie hohes Gewaltpotential», sagte Saida Keller-Messahli, Präsidentin Forum für einen fortschrittlichen Islam. Auch die Islamische Dachorganisation Schweiz ist besorgt: «Alle besonnenen Muslime warnen davor, dass sich nicht jeder zu einem Interpret des Korans entpuppt», sagt Hisham Maizar, Präsident der Dachorganisation, gegenüber dem Schweizer Fernsehen.

Einen Imageverlust befürchtet die Gemeindeverwaltung für den Tourismusort nicht. Anders die Bewohner des 2000 Seelendorfes, die über den bevorstehenden Auftritt beunruhigt sind, sagt ein Bewohner gegenüber 20 Minuten Online.