Bergsturz in Bondo

25. August 2017 12:14; Akt: 25.08.2017 15:12 Print

«Die Überlebenschancen sind nicht mehr hoch»

Nach dem Bergsturz im Bergell werden weiterhin acht Personen vermisst. Die Polizei informierte heute Mittag über den neusten Stand.

Felssturz: Neue Bilder aus der Luft zeigen das Ausmass. (Video: Tamedia)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Die acht Personen, die nach dem grossen Bergsturz im südbündnerischen Bergell vermisst werden, sind noch nicht aufgefunden worden. Wie die Polizei am Freitag bekannt gab, stammen die Vermissten aus dem Bundesland Baden-Württemberg in Deutschland, aus der österreichischen Steiermark und aus dem Kanton Solothurn. «Wir sind 24 Stunden vom Ereignis entfernt. Die Überlebenschancen liegen nicht im hohen Bereich», so Polizeisprecher Roman Rüegg bei der Medienorientierung in Promontogno über die Vermissten.

Wie viele von den total 100 evakuierten Bewohnerinnen und Bewohnern Bondos am Freitag in die Häuser zurückkehren konnten, hing von der Einteilung in Gefahrenzonen ab, so Gemeindepräsidentin Anna Giacometti. Nach Hause durften nur jene, deren Wohnungen oder Häuser in der grünen Zone stehen. Das betreffe vor allem die, die im alten Dorfkern wohnen.

Gesteinslawine verwüstet Bondo

Berg war ruhig über Nacht

Weitere Möglichkeiten zur Rückkehr wurden für den Samstag in Aussicht gestellt. Andere Bewohner durften am Freitag in Begleitung des Zivilschutzes oder der Feuerwehr vorübergehend in ihre Wohnungen gehen. 32 Personen waren aus dem Seitental Val Bondasca evakuiert worden.

Am Piz Cengalo löste sich in der Nacht auf Freitag kein weiteres Gestein. Vier Millionen Kubikmeter Material waren am Mittwoch abgebrochen und in das Seitental Val Bondasca gestürzt, von wo aus ein Teil des Abbruchs bis ins Haupttal Bergell vor das Dorf Bondo geschoben wurde. Eine weitere Million Kubikmeter soll am Berg in Bewegung sein, weshalb mit weiteren Bergstürzen gerechnet wird.

Die Siatuation beim Piz Cengalo (Infografik: Tamedia)

Luftraumsperre

Über dem Murgebiet von Bondo verhängte das Bundesamt für Zivilluftfahrt am Freitag eine Luftraumsperre mit einem Radius von fünf Kilometern. Die Polizei hatte einen Antrag dafür gestellt. Dadurch sollen die Rettungskräfte ungestört ihre Arbeit verrichten können. Die Sperre dauert bis nächsten Montag um 24 Uhr.

Bis auf Weiteres eingeschränkt ist der Verkehrsfluss durch das Tal. Bondo kann über die alte Strasse umfahren werden, allerdings nur im wechselseitigen Einbahnverkehr. Gesperrt wird diese Verbindung jeweils abends um 21 Uhr bis um 06.30 Uhr am folgenden Morgen. Die Sperre gilt auch für Fussgängerinnen und Fussgänger, wie es bei der Polizei hiess.

Zwei Tage nach dem Felssturz Zwei Tage nach dem Unglück: So sieht die Gegend im Bergell aus. (Video: Tamedia)

120 Einsatzkräfte vor Ort

Im Murgebiet, wo ein Alarmsystem installiert ist, arbeiten insgesamt 120 Einsatzkräfte. Die Gemeinde Val Bregaglia berief den Krisenstab ein. Im weiteren Einsatz stehen ein Geologe, das Amt für Wald und Naturgefahren, das Amt für Militär und Zivilschutz, die Schweizer Armee, das Tiefbauamt Graubünden, die SAC Sektion Bregaglia, Teams mit Suchhunden sowie das Care Team Grischun.

(kf/woz)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nylonfeet 4ever am 25.08.2017 12:39 Report Diesen Beitrag melden

    Schtecklich

    Einfach schrecklich,ich wünsche allen betroffenen viel kraft und glück

    einklappen einklappen
  • Joel trachsel am 25.08.2017 13:55 Report Diesen Beitrag melden

    Kata Hi Bat

    Löst doch endlich mal das Kata Hi Bat der Armee aus.Wir haben immer ein Bat das in beretschaft steht. Auch wenn es nur um Strom,wasser oder verpflegung geht.Die können Helfen!

    einklappen einklappen
  • Lecramsong am 25.08.2017 14:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spenden

    Passiert das irgendwo im Ausland werden überall spenden gesammelt... warum hier nicht?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bartli am 28.08.2017 03:00 Report Diesen Beitrag melden

    Man sitzt hier und schaut zu

    Allen Betroffenen mein Mitgefühl den Hinterbliebenen der Verunglückten mein Beileid. Naturkatastrophen sind furchtbar, egal wie und wo sie sich auf der Welt ereignen. Viel Kraft und Dank an alle Helfer, welchen der Gemeinde und deren Bewohnern und den Hinterbliebenen beistehen. Weiter kann man ja nichts tun.

  • Captain Hindsight am 26.08.2017 21:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Woher kommt das viele Wasser?

    Woher kommt eigentlich dieses viele Wasser? Ist ein See mit abgerutscht oder hat es so viel Eis im Berg gehabt. Geregnet hat es ja zum Zeitpunkt des ersten Bergsturzes nicht.

  • Sepp Hitz am 25.08.2017 20:12 Report Diesen Beitrag melden

    bondo

    Ich hätte da noch eine Frage an Frau Bundespräsidentin. Hab noch kein Spendenkonto gesehen? Wäre sowas im Ausland passiert, hätten wir bestimmt schon einen Einzahlungschein im Briefkasten. Frau Bundespräsidentin, Sie sind gefordert. Ein Augenschein genügt nicht.

    • Andreas Honegger am 26.08.2017 15:21 Report Diesen Beitrag melden

      Gut abgesichert

      Graubünden hat eine obligatorische Gebäudeversicherung, die deckt schon mal die Bauschäden. Vermutlich haben auch (fast) alle eine Hausratversicherung, die deckt auch noch vieles. Und weitere Hilfe wurde ja zugesagt. In der Schweiz ist die Bevölkerung in solchen Fällen meistens gut versorgt - im Gegensatz zum Ausland. Wichtig ist jetzt direkter Beistand, Hilfe während der Zeit, bis sich alles einigermassen normalisiert hat.

    einklappen einklappen
  • Lena am 25.08.2017 19:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitte vor Ort helfen

    Bitte nicht an die glückskette spenden. Wir waren vor einigen Jahren selbst betroffen. Konnten erst nach einem Jahr zurückkehren. Jeder Einwohner hatte 200.- von der glückskette erhalten. Zusammengekommen waren millionen. Wer helfen möchte soll bitte vor Ort gehen und den Einwohnern selber das Geld in die Hand geben. Wir werden es auch machen.

  • Eve Miller am 25.08.2017 19:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schattenspiel einer besonderen Landschaft

    Das Bergell ist und bleibt ein Wagnis. Teils kulturell, touristisch, ja gar adelig hochgehoben wie am Beispiel von Soglio mit Seifenprodukten bis weit in die Kioske des Unterlandes hinunter, dann wieder und nun gegenwärtig Schatten, Verborgenheit, ja Leid derer, die sich bis hierhin wagten und wohnen und derer, die den kurzen Schauer des Augenscheines suchten.