Tierleid

13. Juli 2017 19:09; Akt: 13.07.2017 19:09 Print

«Ein Büsi wurde in einer Tonne ertränkt»

von B. Zanni - Manche Tierhalter kennen keine Gnade. Fälle von ertränkten oder erschlagenen Katzen beschäftigen Tierschützer zurzeit intensiv.

Bildstrecke im Grossformat »
Vor Michèle Gehris Katzenpension stand kürzlich eine Kiste mit zwei zehn Wochen alten Kätzchen. «Auf einem Zettel stand: ‹Nehmt ihr sie nicht auf, werden sie ertränkt›.» (Symbolbild) Dem Network for Animal Protection wurden aktuell auch offenbar vergiftete Katzen gemeldet. «Die Anwohner störten sich an den streunenden Katzen», sagt Präsidentin Esther Geisser. Die Gründe für die brutalen Tötungen sind vielfältig. Halter wollen sich die Tierarztkosten für ihre kränkelnde Katze sparen, ... ... haben keine Lust, sich um einen Ferienplatz zu kümmern, ... ... oder sie sind mit dem Katzennachwuchs heillos überfordert, weil sie Kastrationen für unnötig halten. Die Petition der Tierschutzorganisation Network for Animal Protection (Netap) und der Stiftung für das Tier im Recht (TIR) fordert Bundesrat und Parlament auf, eine Kastrationspflicht für Freigänger-Katzen einzuführen, um die Überpopulation zu stoppen. Sie erhielten viele Anrufe von Menschen, die sie bitten würden, auf Bauernhöfen vorbeizuschauen, sagt Esther Geisser, Präsidentin von Netap. «Manchmal ist der Widerstand der Bauern aber so gross, dass wir die Höfe nicht einmal besuchen dürfen. Sie sagen dann, dass Kastrieren nicht nötig sei. Es würden ja sowieso laufend Katzen überfahren.» Lassen sich die Katzen nicht in die Falle locken, ... ... muss Susann Schmid, Volontärin beim Network for Animal Protection, zum Fangnetz greifen. Das unkastrierte Weibchen konnte dem Netz nicht entkommen. Wie ein Fisch zappelt es nun im Netz. «Das ist ein Stressmoment für sie, aber immer noch besser, als wegen Dauerstress und Krankheiten zu leiden oder gar qualvoll zu sterben», sagt Schmid. Susanne Schmid hat die Katze in einer Box versorgt. In der Scheune verstecken sich einige Katzen gut. Das Einfangen ist eine Herausforderung. Auf einem Hof hoch über Alpnach Dorf: Hier zeigen sich nur Katzen, die bereits kastriert sind. Susann Schmid ist nicht überrascht. «Kastrierte Katzen sind viel zutraulicher als unkastrierte.» Die Volontäre der Tierschutzorganisation Netap fangen auf den Bauernhöfen im Kanton Obwalden immer wieder unkastrierte und kranke Katzen ein. Groben Schätzungen zufolge leben in der Schweiz rund 300 000 streunende Katzen. Auch auf anderen Höfen lassen sich die Katzen nicht so einfach einfangen. Eine Katze zeigt dem Futter die kalte Schulter. Doch einmal in der Box, ... ... gibt es kein Zurück mehr. Neugierig beobachten die Katzen ... auf einem Hof in Giswil die Besucher. Geht es ums Einfangen, verschwinden sie aber blitzschnell. Momente des Bangens: Susann Schmid (links) und eine Hofbesitzerin, die ungewollt zur neunfachen Katzenmutter geworden ist, hoffen, dass die Katzen bald in die Fallen tappen. Mit dem Futter in der Falle klappte es nicht. Dem Napf mit Milch konnte die Katze aber nicht widerstehen, ... ... sodass die Besitzerin sie beim Läppeln erwischte und danach sofort in der Box versorgen konnte. Susanne Schmid transportiert eine Katze nach der anderen in ihren Lieferwagen. Der Lieferwagen von Susann Schmid füllt sich langsam mit Katzen, die in Boxen versorgt sind. In der Parkettfabrik von Susann Schmid in Alpnach Dorf herrscht am nächsten Morgen reger Betrieb. Rund 70 Katzen und Kater warten in ihren Boxen auf die Operation. Alle wurden am Vortag in Ob- und Nidwalden eingefangen oder direkt von den Landwirten gebracht. Aus einzelnen Boxen dringen wütende Miaus, hin und wieder kratzt ein Tier am Gitter. Einige Katzen verstehen die Welt nicht mehr. Andere warten ruhig ... ... oder misstrauisch ... ... in ihren Boxen. Viele Katzen leiden an Katzenschnupfen. Schmid hat die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, um sie an diesem Samstag für eine Massenkastration in ein Feldlazarett umwandeln zu lassen. Alle Instrumente für die Operation stehen bereit. Tiermedizinische Praxisassistentinnen ziehen die Spritzen für die Narkose auf. Eine halbwilde Katze ist soeben in Narkose gelegt worden. Eine Katze miaut kläglich. Lieber wäre sie wohl im Freien als in einem Käfig. Einige Katzen haben aus Angst viel gekotet und deshalb ein schmutziges Fell. Vor dem Eingriff werden sie gewaschen. Damit die Katze nicht auskühlt, wird sie getrocknet. Augensalbe sorgt dafür, dass die Augen während der Operation nicht austrocknen und Hornhautschädigungen entstehen. Bevor die Tierärzte den Bauch öffnen, um die Eierstöcke zu entfernen, ... ... schären die Helfer mit einem Rasierer die Operationsfläche frei. Diese Katze kommt gleich unter das Skalpell. Im Akkord operieren die Tierärzte 43 Katzen Eierstöcke heraus und entfernen 24 Katern die Hoden. Alle Katzen werden zum Operieren an einer Platte aufgehängt. Tierärztin Mirella Pirovino erklärt: «Das hat den Vorteil, dass dadurch die ganzen Organe herunterfallen und ich dadurch viel einfacher zu den Eierstöcken komme.» Die Tierärztin hat soeben zwei Eierstöcke herausgeschnitten. Eine Tierärztin untersucht einen Kater. Tierärztin Mirella Pirovino entfernt einem Kater die Hoden. Die Tiere erhalten eine Spritze gegen Würmer sowie eine gegen Schmerzen. Diese Katze ist nicht nur unkastriert, sondern leidet auch an Katzenschnupfen. Tierärzte untersuchen die Katzen nach der Kastration auch auf Parasiten und andere Krankheiten. Esther Geisser, Präsidentin der Tierschutzorganisation, Network for Animal Protection, transportiert das frisch operierte Weibchen in einen Aufwachraum. Helfer überwachen die Tiere im 25 Grad warmen Aufwachraum. Auch sorgen sie dafür, dass die Katzen immer genug warm haben. Vier Tierärztinnen, mehrere tiermedizinische Praxisassistentinnen und Dutzende Netap-Volontäre: Sie alle waren an der Kastrationsaktion vom 12. November 2016 freiwillig im Einsatz.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Einschusslöcher in der Bank vor der Scheune bewiesen, dass der Bauer seine Drohung auch schon in die Tat umgesetzt hatte. «Bei einem Besuch drohte er, im Herbst wieder Jäger zu holen, um alle Katzen zu erschiessen, nähmen wir sie nicht mit», sagt Esther Geisser, Präsidentin der Tierschutzorganisation Network for Animal Protection (Netap).

Umfrage
Was würden Sie tun, wenn Sie wüssten, dass jemand Katzen / eine Katze getötet hat?
69 %
17 %
4 %
6 %
4 %
Insgesamt 2651 Teilnehmer

Häufig klingle bei Netap aber auch das Telefon. Am Apparat seien Menschen, die Schreckliches beobachtet oder gehört haben – manchmal seien es fünf solche Anrufe an nur einem Tag. «Die Leute erzählen von Kätzchen, die auf brutalste Weise getötet wurden.»

Verantwortlich sind laut Geisser Landwirte und Privatpersonen. Manche würden Katzen erschlagen oder ertränken. «Eine Anruferin erzählte unter Tränen von einem getöteten Kätzchen. Die Methode wollte sie partout nicht nennen, zu grausam sei es gewesen.» Kürzlich wurden auch Fälle gemeldet, bei denen Katzen offenbar vergiftet wurden. «Die Anwohner störten sich an den streunenden Katzen.»

Katze in Tonne ertränkt

Ähnliche Erfahrungen macht die Tierhilfe Schweiz. Tierquäler und Leute, die sich von Katzen gestört fühlten, gebe es überall, sagt Präsidentin Beatrice Baumann. «Uns wurde bei einer Katzenkastrationsaktion ein Büsi in einer Regenwassertonne ertränkt, es war grauenvoll.»

Jede Woche fänden die Helfer im Wald halb tote junge Kätzchen. «Tiere in den Wald zu schmeissen, ist im Moment sehr aktuell.» Meist seien sie ausgehungert, ausgetrocknet und voller Zecken und Parasiten. Auch Hähne und Kaninchen seien darunter.

Die Gründe für die brutalen Tötungen sind laut den Experten vielfältig. Halter wollten sich die Tierarztkosten für ihre kränkelnde Katze sparen, hätten keine Lust, sich um einen Ferienplatz zu kümmern, oder sie seien mit Nachwuchs heillos überfordert, weil sie Kastrationen für unnötig hielten.

Auch die Mitarbeiter von Katzenheimen haben häufig mit gnadenlosen Besitzern zu tun. «Drohungen, dass wir die Katze entweder abholen oder sie sonst entsorgt werde, sind bei uns leider an der Tagesordnung», sagt Michèle Gehri, Mitinhaberin von Gehri’s Katzenpension. Kürzlich habe jemand eine Kiste mit zwei zehn Wochen alten Kätzchen vor die Pension gestellt. «Auf einem Zettel stand: ‹Nehmt ihr sie nicht auf, werden sie ertränkt›.»

«Sieht sofort nach brutaler Quälerei aus»

Beim Veterinäramt des Kantons Zürich gehen laut Kantonstierärztin Regula Vogel pro Jahr rund zwölf Fälle tot oder verletzt aufgefundener Katzen ein. «Zum Beispiel, wenn jemand mit Schrot auf eine Katze geschossen hat.» Der grösste Teil der Meldungen stelle sich aber nicht als Tierquälerei heraus.

In den meisten Fällen zeige die pathologische Untersuchung, dass die Katzen einen Unfall gehabt hätten oder krank gewesen seien und sich deshalb irgendwo verkrochen hätten. «Wurden sie noch von einem Fuchs attackiert, sieht das für viele Menschen sofort nach brutaler Tierquälerei aus.»

Auch der Schweizer Tierschutz STS geht nicht davon aus, dass mehr Katzen getötet werden. «Die Menschen sind heute für das Tierwohl stärker sensibilisiert und melden daher Fälle von Tierquälerei und Tötungen schneller», sagt Sprecherin Helen Sandmeier. Früher habe man eher weggeschaut, wenn der Bauer Katzen ersäuft habe.

Laut Sandmeier schrecken heute zudem immer mehr Bauern davor zurück, ein Katzenleben auszulöschen. Auch Esther Geisser betont: «Wir machen auch viele Erfahrungen mit Bauern, die unglaublich vorbildlich sind, ihre Katzen kastrieren und manchmal sogar verwilderte Katzen von uns aufnehmen.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mirko am 13.07.2017 19:23 Report Diesen Beitrag melden

    Schon Goethe wusste...

    Wer Tiere quält,ist unbeseelt und Gottes guter Geist ihm fehlt! Solche "Menschen" widern mich an.

  • Pitsch der Glatzkopf am 13.07.2017 19:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schrecklich

    Das sind keine Menschen, sondern eiskalte Monster.

  • Schneetannli am 13.07.2017 20:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso?

    Warum schaffen sich solche Menschen überhaupt Haustiere an?Man muss sich doch vorher über alles was auf einem zukommt informieren!Das verstehe ich einfach nicht.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bella am 13.07.2017 20:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mensch oder Tier

    Heutzutage bin ich mir nicht mehr sicher WEM ich ZUERST helfen würde MENSCH oder TIER. DENKE eher den Tieren und das mit ganzem Herzen.

  • Schneetannli am 13.07.2017 20:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso?

    Warum schaffen sich solche Menschen überhaupt Haustiere an?Man muss sich doch vorher über alles was auf einem zukommt informieren!Das verstehe ich einfach nicht.

  • Ayrin am 13.07.2017 20:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ???

    Solches macht mich traurig. Und ich frage mich warum der Tierschutz nicht schon früher eingreift.

  • Piercing am 13.07.2017 20:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unfassbar

    Sorry bin Sprachlos.Wie kann man nur? Es macht mich traurig und wütend. Hab das gleiche Leid durch gemacht. Nur in anderer Form. Mein damaliger Lehrer ist der Täter. Er hat sie mit einem Fuss Tritt tötlich verletzt. Ich konnte einfach nicht mehr. TIERE SIND DIE BESSEREN MENSCHEN. EIN HERZ FÜR TIERE BITTE HELFT MIT FÜR EINE BESSERE WELT.

  • Landei am 13.07.2017 20:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sauerei

    Ich wünsche NETAP viel Erfolg bei ihrem Projekt. Das Tier-Elend ist nicht nur im Ausland ... es muss auch hier endlich etwas passieren!!