Droge Alkohol

20. Mai 2011 16:16; Akt: 20.05.2011 16:55 Print

Die Prävention erreicht den StammtischDie Prävention erreicht den Stammtisch

von Jessica Pfister - Mit den bisherigen Plakatkampagnen zur Alkohol-Prävention konnte der Bund das Volk zu wenig erreichen. Jetzt sucht er den Dialog. Das reicht nicht, sagt ein Experte.

Bildstrecke im Grossformat »

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

«Zum Wohl?! Die Schweiz spricht über Alkohol». Unter diesem Slogan ist heute um 16.30 Uhr auf dem Bundesplatz in Bern der Startschuss zur neuen nationalen Alkoholkampagne gefallen.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG), welches die Kampagne mit mehreren Suchtfachverbänden erarbeitet hat, spricht von einer neuartigen Form der Kampagnenführung. «Im Mittelpunkt steht der gesellschaftliche Dialog, das Gespräch am Tisch, die Aktion im Quartier.» In der nächsten Woche finden in der Schweiz über 600 Anlässe zum Thema statt (siehe Box).

Doch warum dieser Richtungswechsel von der klassischen Kampagne mit Plakaten und Werbespots hin zum Stammtischgespräch? «Beim Alkohol ist es schwierig, eine klare Botschaft zu formulieren, weil der Alkoholkonsum auf jeden unterschiedliche Auswirkungen hat. Mit einem Slogan wie ‹Trink massvoll› wäre es deshalb nicht getan», begründet Markus Theunert vom Fachverband Sucht die Entwicklung. Zudem sei es bei einer Dialogkampagne möglich, die genussvollen Facetten des Alkohols aufzuzeigen. So finde zum Beispiel ein Anlass in einer Schnapsbrennerei statt, in der zuerst eine Führung und anschliessend eine Diskussion vorgesehen sei.

«Bei der Alkoholprävention am Anfang»

Wirft man einen Blick auf den Bericht zum Nationalen Programm Alkohol (NPA), in dessen Rahmen die Kampagne stattfindet, wird klar: Der Bund war mit der bisherigen Informationsarbeit nicht zufrieden. So spricht das BAG von «Schwachstellen in der bisherigen Umsetzungsarbeit». Das NPA sei noch zu wenig sichtbar, die Kommunikationsaktivitäten rund um das NPA seien zurückhaltend und es bedürfe einer noch stärkeren Zusammenarbeit mit den relevanten Akteuren in der Alkoholprävention. Das Fazit des BAG: «Es ist eine Tatsache: Im Bereich der Alkoholprävention stehen wir noch immer am Anfang.»

Diese Aussage ist erstaunlich, wenn man bedenkt, dass das BAG bereits im Jahr 1999 ein Alkoholprogramm unter dem Titel «Alles im Griff» lanciert hatte. Die Präventionskampagne mit dem Glas als Hauptmerkmal und Sprüchen wie «1 Glas zu viel = 1 Flasche im Bett» oder «Schau zu dir und nicht zu tief ins Glas» erfolgte von 1999 bis 2008 vor allem über die massenmediale Verbreitung mit Plakaten und Werbespots. Ziel damals war die Information und Sensibilisierung der Schweizer Bevölkerung.

«Die Kampagne war nicht zu wenig erfolgreich oder schlecht», sagt Mona Neidhart von der Abteilung Kommunikation und Kampagnen beim BAG. Es gehe vielmehr darum, dass sich die Gesellschaft entwickelt habe und es neue Konsummuster gebe. «Die neue Alkoholkampagne möchte einen aktiven Dialog zwischen Öffentlichkeit, Fachwelt und Politik lancieren und benötigt deshalb einen anderen Ansatz», so Neidhart. Die breite Trägerschaft ermögliche es, das Thema Alkohol vor Ort anzusprechen, über die Vertrauenspersonen der Betroffenen und ihr nahes Umfeld. «Dank der vielen unterschiedlichen Aktivitäten und angestammten Zielgruppen der Partner ist eine breite Streuung möglich», ist Neidhart überzeugt.

«Kampagne erreicht weniger Leute»

Zweifel an einer Breitenwirkung hat hingegen Kampagnen-Experte Louis Perron von Perron Campaigns in Zürich. Er befürwortet zwar grundsätzlich die neue Form der Kampagne: «Mit den klassischen Kampagnen an Plakatsäulen und in den Medien ist es heutzutage zunehmend schwierig, zu den Leuten durchzudringen. Deshalb macht es mehr Sinn, Menschen gezielt und persönlich anzusprechen.»

Das Problem bei der heute lancierten Kampagne sieht er aber darin, dass man grundsätzlich viel weniger Leute erreicht: «Der Kontakt ist zwar intensiver aber die Breitenwirkung bleibt aus», so der Experte. 600 Aktionen in einer Woche seien sicher nicht wenig, die breite Bevölkerung könne damit aber nur beschränkt erreicht werden. «Eine Dialogkampagne macht dann Sinn, wenn sie ein Teil eines Produktemixes ist», so Perron. Mit zusätzlicher medialer Präsenz zum Beispiel im TV könnte man die Botschaft verstärken.

20min Login Facebook Connect
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

  • Wenzin am 23.05.2011 13:18 Report Diesen Beitrag melden

    Zu Hause

    Diese Prävention muss zu hause anfangen. Es gibt genügend Dok-Sendungen, in denen die Eltern ihren Kindern zeigen können, wie ekelhaft, widerwärtig abstossend und dumm Betrunkene Jugendliche und Erwachsene wirken. Die einfache Frage an ihre Kids:" willst Du auch als so dumm dastehen?" reicht schon aus, damit sie es nicht cool finden. Meine Eltern haben es früher bei mir so bei Betrunkenen auf der Strasse oder am Bahnhof gemacht, wir haben es bei unseren Kindern so gemacht und es hat genützt. Dennoch geniessen wir unseren Wein, unser Bier, unseren Gin-Tonic oder Sex on the Beach. GENIESSEN!

  • M. Ediziner am 23.05.2011 10:37 Report Diesen Beitrag melden

    Menschen brauchen Drogen

    Es trieft nur so vor Doppelmoral der Verbotsfanatiker! Menschen brauchen seit je her "Genüsse" - schon die Urvölker haben Drogen konsumiert. Es kommt auf's Mass drauf an. Scheinheilige Verbote profilierungssüchtiger und machtgieriger Politiker sind reine Einschüchterungsversuche und Druckmittel fürs Volk. Genussfeindliche Kleriker sehen da endlich ihre Chance für ihre weltfremden Hymnen! ... Und für Plakatkleber ist's ein lukratives Geschäft - ebenso die Dealer reiben sich bereits die Hände! ... Und auf die Jugend rollt eine wirklich verhängnisvolle Welle der Verbote zu!

  • Markus Bär am 23.05.2011 08:42 Report Diesen Beitrag melden

    Verbote sind falsch

    Ein Verbot ist ein Rückschritt trotz guter Erkenntnisse! Mir scheint, unsere Gesellschaft ist nicht fähig, die gemachten Erfahrungen umzusetzen. Verbote bedeuten Kriminalität und Elend der Ärmsten! Man weiss doch längst, dass gezielte Aufklräung die beste Prävention bringt. Wieso also dieser Rückschritt in gemachte Fehler?