Teures Gesundheitswesen

22. März 2017 13:46; Akt: 22.03.2017 14:13 Print

Bund zieht Notbremse bei Ärzte-Kosten

700 Millionen Franken sollen Mediziner weniger erhalten. Von alleine konnten sich die Beteiligten aber nicht auf neue Tarife einigen.

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Der Bundesrat greift beim Tarmed durch. Weil sich Ärzte, Spitäler und Krankenkassen nicht auf eine Revision einigen konnten, will er den Ärztetarif nun selber anpassen. Die Mediziner sollen jährlich rund 700 Millionen Franken weniger bekommen.

Auf Eingriffe ins System verzichtet der Bundesrat. Die Korrekturen, die er heute in die Vernehmlassung schickte, sind punktuell. So soll etwa die Dauer der ärztlichen Weiterbildung nicht mehr entscheidend sein für die Höhe der Vergütung. Heute erhalten Spezialisten deswegen in der Regel mehr Geld als Hausärzte.

Weniger Geld für schnelle Eingriffe und Bürokratie

Für verschiedene Operationen werden die Vergütungen gesenkt. Aufgrund des technischen Fortschritts können diese sehr viel rascher durchgeführt werden als früher. Zudem sollen verschiedene Tarmed-Abrechnungsregeln angepasst werden, darunter jene für Leistungen in Abwesenheit des Patienten. Diese stehen im Verdacht, massgeblich für das Kostenwachstum verantwortlich zu sein.

In gewissen Sparten will der Bundesrat die Vergütungen für technische Leistungen linear um 10 Prozent senken. Davon wären etwa Chirurgen, Urologen, Radiologen oder Dermatologen betroffen. Für bestimmte Leistungen werden die Vergütungen gezielt gekürzt. Gewisse pauschal abgerechneten Untersuchungen sollen künftig als Zeitleistungen abgerechnet werden.

Der Bundesrat rechnet mit Einsparungen von rund 700 Millionen Franken, aber auch mit einer nachhaltigen Eindämmung des Kostenwachstums im Gesundheitswesen. Grundlegende Eingriffe am Tarmed stellt er jedoch nicht zur Diskussion.

Diktat auch bei Physiotherapie

Der Krankenkassen-Dachverband santésuisse beispielsweise verlangt, dass bestimmte Leistungen künftig nicht mehr nach Zeitaufwand, sondern pauschal abgerechnet werden. Im Raum steht auch die Forderung, die Vergütung von Leistungen zu deckeln, um das Kostenwachstum zu bekämpfen. Die Vernehmlassung dauert bis am 21. Juni 2017.

Da sich die Tarifpartner auch im Bereich der Physiotherapie nicht auf eine gemeinsame Tarifstruktur einigen konnten, musste der Bundesrat in diesem Bereich ebenfalls eingreifen. Er hat beschlossen, dass die bisherige Tarifstruktur in angepasster Form weitergeführt werden soll. Auf Kürzungen verzichtet der Bundesrat. Die Tarifstruktur tritt am 1. Januar 2018 in Kraft.

(rub/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Verena C. am 22.03.2017 14:01 Report Diesen Beitrag melden

    Fragen

    Wo bleibt die Einsparung bei den überteuerten Medikamente ? Verdienen die Herrschaften in Bern daran zuviel ?

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  • SchwierigschwererFall am 22.03.2017 14:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    KK-Prämien steigen

    Trotzdem unaufhörlich weiter! Wo und wie wird eingespart? Wer es glaubt, wird selig.

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  • blubb am 22.03.2017 14:10 Report Diesen Beitrag melden

    Anders gesagt:

    Politiker wollen mehr über ihre Anteile an der Pharmaindustrie verdienen, wenn die Ärzte weniger bekommen, können die Medikamente noch teurer gemacht werden...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • geni am 25.03.2017 14:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kosten Aktenstudien

    Und bei den 454 Millionen Kosten für angeblich Aktenstudien da will man nicht noch zusätzlich eingreifen, komisch!

  • Saudi am 25.03.2017 11:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    BARZAHLUNG bis 1200.-- CHF

    habe ich folgenden Vorschlag: Bei Kosten bis 1200.00 CHF Behandlung nur gegen Barzahlung. Notfälle (echte),jedoch ausgeschlossen. Zudem Bonus - Malus System, welches jährlich aktualisiert wird. Notfallstationen der Spitäler auch im selbigen Sinn betreiben. Artzbesuch: Beurteilung und umgehender Kostenvoranschlag. Kann der Patient nicht bar bezahlen, keine Behandlung. Im Spital: genau wie beim Arzt. Wetten dass die überflüssigen, bzw. übereilten Arzt und Spitalbesuche einbrechen.

    • kut am 02.04.2017 06:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Saudi

      nicht ganz unrecht aber es gibt leider auch ärmere schichten: nur ahv bezüger z.B

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  • D.N. am 23.03.2017 22:02 Report Diesen Beitrag melden

    Tatsache

    Da wird wieder etwas gewurstet, das keine Besserung bringt! Hauptsache man hat darüber berichtet!

  • Stöff am 23.03.2017 21:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kontrolle.

    Wer kontrolliert eigentlich die Ärzte bei der Abrechnung? Es gibt 100erte von ihnen, welche eigentlich jeden Tag an 20-25 Stunden arbeiten, ohne Ferien; soviel rechnen sie über Zeittarife ab!?

  • Kosten aus dem Ruder am 23.03.2017 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    Alle Akteure müssen mitmachen

    Das ist ein erster Schritt. Es braucht eine Kontrolle über die abgerechneten Leistungen und Zeiten der Ärzte, heute wohl teilweise deutlich über 24h pro Tag Leistungen abgerechnet. Dann braucht es Zwangsvorgaben des BR an die Pharmabranche für Medikamente, Riesensummen die hier verlocht werden. Und es braucht auch Anreize für Patienten um das Verhalten zu ändern (direkte Kostenbeteiligung Erstbesuche, etc.) und auch die KK Landschaft muss effizienter werden.