Initiative lanciert

03. Oktober 2017 13:49; Akt: 03.10.2017 20:22 Print

Volk soll über Tierversuche abstimmen

In Bern ist eine Initiative für das landesweite Verbot von Tierversuchen lanciert worden. Frühere Vorstösse dieser Art waren jeweils gescheitert.

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Schon 2008 ein Anliegen: Zwei Personen in Affenkostümen demonstrieren vor dem Bundeshaus gegen Affenversuche. (Archiv) (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

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Tierversuche sollen in der Schweiz verboten werden. Dies fordert eine Volksinitiative, die am Dienstag in Bern lanciert wurde. Die 100'000 Unterschriften müssen bis zum 3. April 2019 gesammelt werden.

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Die Initiative «Ja zum Tier – und Menschenversuchsverbot – Ja zu Forschungswegen mit Impulsen für Sicherheit und Fortschritt» ist am Dienstag lanciert worden – rund 80 Organisationen und Unternehmen unterstützen das Anliegen. Tierversuche gelten demnach als Tierquälerei und werden als «Verbrechen» eingestuft.

Nach der Annahme der Initiative soll auch der Handel sowie die Ein- und Ausfuhr von Produkten verboten werden, für die Tierversuche durchgeführt werden mussten.

Bio-Dummy-System als Ersatz

Laut den Initianten sind Tierversuche wissenschaftlich umstritten. Es gebe keine Erfolgskontrolle bei den sogenannten «Tiermodellen». Viele Substanzen, die im Tierversuch erfolgversprechend gewesen seien, könnten die Hoffnungen bei der Verabreichung am Menschen nicht erfüllen. Trotzdem würden Tierversuche im Vergleich mit Alternativmethoden immer noch als «Goldstandard» angesehen.

Das Initiativ-Komitee setzt sich aus Vertretern von SP, Grünen und zahlreichen Parteilosen zusammen – sie fordern, dass die bisherigen Tierversuche von sogenannten «Bio-Dummy-Systemen» abgelöst werden. Diese sind computergestützt und funktionieren auf der Grundlage von menschlichen Zellen und Geweben. Als Vorbild dienen dabei die Crash-Test-Dummys in der Automobilindustrie.

Die neuen Massnahmen sollten laut den Initianten mindestens die gleiche Unterstützung der öffentlichen Hand erhalten wie zuvor die Tierversuche.

Zahl der Tierversuche rückläufig

Laut dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) dürfen Tierversuche in der Schweiz bislang nur durchgeführt werden, wenn «keine Alternativen zur Verfügung stehen». 2016 wurden 629'773 Tiere für Versuche eingesetzt. Dies entspricht laut BLV einem Rückgang von 7,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Drei Viertel der Tiere seien dabei «keiner oder einer leichten Belastung ausgesetzt» gewesen. Zwei Drittel der verwendeten Tiere waren Mäuse.

Die Schweiz habe schon heute eine der umfassendsten Tierschutzgesetzgebungen weltweit, so das BLV. Jeder einzelne beantragte Tierversuch müsse von einer kantonalen Tierversuchskommission begutachtet werden.

Tierversuchsverbot an der Urne gescheitert

Es ist nicht die erste Initiative hierzulande, die sich mit dem Verbot von Tierversuchen beschäftigt: Im Jahr 1992 wurde eine Vorlage vom Stimmvolk abgelehnt, die eine «drastische und schrittweise Einschränkung der Tierversuche» vorgesehen hätte. 2007 war im Kanton Genf eine Initiative gegen Tierversuche nicht zustande gekommen. Die Schweizer Liga gegen Vivisektion (SLGV) hatte zu wenig Unterschriften eingereicht.

(chi/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Spatz am 03.10.2017 14:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grosses Ja

    Wo soll ich unterschreiben. Man kann auch ohne Tierversuche auskommen.

  • James Cook am 03.10.2017 16:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weltweit verbieten

    Tierversuche müssen weltweit gestoppt und verboten werden! Warum sollen Tiere unser Leben verlängern? Machen wir nicht schon mehr als genug alles kaputt?

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  • Manfred.Th. am 03.10.2017 16:40 Report Diesen Beitrag melden

    Brauch es Heutzutage noch Tierversuche?

    JA ich hoffe, dass Endlich etwas gemacht wird und Tierversuch Verboten werden. Aber auch wirklich ALLE!!! Es ist so Quelle nie ein Tier zum Scherz, den es spürt wie Du den Schmerz. Darum sollte sofort mit Tierversuchen auf gehört werden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Margie am 04.10.2017 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    Es geht auch ohne Tierversuche!

    Was sind das für Leute die bei der Umfrage "Nein" gestimmt haben?

  • Janine am 04.10.2017 10:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lesehilfe

    Heisst: 1/4, bzw. Über 157'000 Tiere wurden mittelstarken - starken Belastungen ausgesetzt. Und die Schwelle für diese Einstufung ist sehr, sehr hoch.

  • TPS am 04.10.2017 10:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine 80kg Mäuse

    An alle Kritiker: Über 90% aller Tierversuche sind nicht auf den Menschen übertragbar und unnötig. Der Mensch ist keine 80kg Maus!!! So wurden schon Medikamente zugelassen (z.B. gegen Schwangerschaftsübelkeit), welche schlimme Auswirkungen (Missbildungen bei Kindern, Abort) hatten. Und Aspirin hatte die Tierversuche nicht bestanden, hilft aber Menschen. Und wie viele Tiere sterben unnötig für Botox?

    • Biotech am 04.10.2017 20:07 Report Diesen Beitrag melden

      off label use

      Meinen sie mit dem Wirkstoff Thalidomid (Contergan) gegen Übelkeit in der Schwamgerschaft? Nun ja, dass es da so viele Missbildungen gab, darf man nicht auf die Terversuche alleine schieben. Das Problem dabei war, dass das Medikament "off label use" benutzt wurde, es wurde also getestet und für bestimmte Abwwendungen zugelassen, aber nicht gegen die Übelkeit in der Schwangerschaft. Da hat einfach mal ein Arzt was verschrieben und das hat sich dann gesteigert. Zudem hütet sich die Pharma Medikamente an Schwangeren zu testen und Ärzte ihnen Medikamente zu verschreiben, u.a. wegen Thalidomid.

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  • patrick h. am 04.10.2017 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    Tests an Hunden!

    Dann testen wir eben Neuronale-Netzwerke an Tierschützern. Von mir gibt es weder eine Unterschrift noch ein Ja. Mein Gegenvorschlag sonst wäre, keine Tests mehr an Mäusen und Ratten und Affen und nur noch Tests an Hunden. So vermenschlicht wie Hunde in diesem Land werden, müssten da sehr genaue Resultate für den Mensch rauskommen. Ebenfalls wird das Land dadurch sauberer da nicht mehr überall gekotet und uriniert wird.

  • Fabinho007 am 04.10.2017 09:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ..

    Meine Stimme kriegt Ihr!