Naturkatastrophen

03. Juni 2016 05:47; Akt: 03.06.2016 13:38 Print

Sind wir für ein Mega-Unwetter gewappnet?

von B. Zanni - Bei extremen Niederschlägen drohen in der Schweiz Flüsse und Seen über die Ufer zu treten. Ein Experte erklärt, wie die Schweiz auf Ernstfälle vorbereitet ist.

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Eine Wohngegend in der Nähe von Giswil im Kanton Obwalden versinkt am 23. August 2005 im Hochwasser. Auch in der Gemeinde Brienz im Berner Oberland hatte der anhaltende Regen im August 2005 grosse Verwüstungen zur Folge. Die Emme bei der Langnauerbruecke bei Malters, Luzern, riss das Clubhaus der Hündeler am 23. August 2005 mit. «Auf mögliche extreme Wettersituationen sind wir gut vorbereitet», sagt Hans Peter Willi, Chef der Abteilung Gefahrenprävention beim Bundesamt für Umwelt. Die Tragödie spitzt sich zu: Im Hochwassergebiet in Niederbayern steigt die Zahl der Todesopfer. (2. Juni 2016) Der Frust bei den vom Hochwasser betroffenen Bürgern in Simbach ist gross. Die überfluteten Strassen verschlucken alles. Ein Anwohner beginnt mit der Hausreinigung im niederbayerischen Simbach. Auch in der Region Paris steigt der Wasserpegel: Die Strassen beim Eiffelturm stehen unter Wasser. Ein Mann sucht seinen Weg entlang der Seine. In Frankreich gibt es ähnliche Bilder: Die Menschen in Nemours, etwa 80 Kilometer von Paris, müssen evakuiert werden. (2. Juni 2016) Viele werden mit Kanus aus dem überschwemmten Gebiet geholt. Ein Mann schreitet durch die Wassermassen in Nemours. (2. Juni 2016) Die Bewohner von Simbach sind sich an Hochwassersituationen gewöhnt, wie eine Frau der Nachrichtenagentur Reuters mitteilte. Dieses Unwetter sei aber noch viel schlimmer. Eine Feuerwehrfrau betrachtet das Bild der Verwüstung in Simbach. (2. Juni 2016) Stadt unter Wasser: Ein Auto liegt auf dem Dach in Simbach. Strasse unter Wasser: Lastwagen stecken in Simbach am Inn in den Wassermassen fest. (1. Juni 2016) Eine Frau klettert in Braunsbach einem zerstörten Auto entlang. (1. Juni 2016) Die Zerstörung offenbart sich: Eine aufgerissene Strasse in Simbach am Inn. (1. Juni 2016) Das Wasser fliesst ab, der Dreck bleibt: Bürger reinigen eine Bäckerei in Simbach. (1. Juni 2016) Rettungskräfte müssten etliche Bürger in Sicherheit bringen. Die Erde mitgespült: Personen inspizieren die Zerstörung in Simbach. Katastrophenalarm ausgerufen: Das Wasser strömt durch Simbach am Inn. (1. Juni 2016) Zehntausende Menschen sind ohne Strom und müssen wohl auch die Nacht so verbringen: Blick auf Triftern. (1. Juni 2016) Ein Unwetter tobt auch über Hannover: Passanten überqueren die Strasse im schweren Regen. (1. Juni 2016) Die heftigen Regenfälle der vergangenen Tage haben die durch Paris fliessende Seine kräftig anschwellen und über die Ufer treten lassen. Am Mittwoch stand eine vielbefahrene Uferstrasse unter Wasser. Hochwasser in Triftern im Landkreis Rottal-Inn in Niederbayern: Rettungskräfte sind im Dauereinsatz. (1. Juni 2016) Die Fluten seien teilweise so schnell gekommen, dass sich Menschen auf die Dächer ihrer Häuser hätten retten müssen: Die Polizei evakuiert eine Person in Triftern. (1. Juni 2016) Der Ort Triftern mit seinen 5000 Einwohnern ist nach den Worten eines Gemeindesprechers derzeit von der Aussenwelt abgeschnitten, weil alle Brücken überschwemmt seien. Das Unwetter hat Frankreich erreicht: Überschwemmte Strassen in der Nähe von Lens im Norden Frankreichs. (31. Mai 2016) Laut Meteorologen gilt für die ganze Woche hohe Unwetter-Gefahr: Braunsbach von oben. (30. Mai 2016) Die Gewitter-Front, die im Süden Deutschlands eine schlimme Verwüstung mit sich brachte, zieht weiter nach Norden und Osten. (30. Mai 2016) Meteorologe Jörg Kachelmann wirft dem Sender ARD vor, nicht genügend vor den Unwettern gewarnt zu haben. (30. Mai 2016) Laut dem Deutschen Wetterdienst war eine Kombination aus feucht-warmen Luftmassen und einem Tiefdruckgebiet mit sehr wenig Wind für die Gewitterzellen verantwortlich, die riesige Regenmengen über einem kleinen Gebiet entluden. (30. Mai 2016) Die Niederschläge halten an: Autos fahren in Berlin durch den strömenden Regen. (30. Mai 2016) Gewitterwolken und starke Winde im Raum Brandenburg. . (30. Mai 2016) Langsam wird das Ausmass der Zerstörung in Braunsbach sichtbar. (30. Mai 2016) Eine 300 Meter lange Lawine aus Schutt und Geröll hat sich durch den Ort gewälzt. (30. Mai 2016) Die Schuttmassen türmen sich teilweise meterhoch. (30. Mai 2016) Viele Häuser sind einsturzgefährdet. (30. Mai 2016) Es werde Monate dauern, bis die Folgen behoben werden könnten, sagte der Polizeisprecher. (30. Mai 2016) Vier Tote, mehrere Verletzte und massive Zerstörungen: Im Süden Deutschlands haben Unwetter für erhebliche Verwüstung gesorgt. (30. Mai 2016) Zahlreiche Strassen und Verkehrswege waren gesperrt:Gleise bei Lehrberg. (30. Mai 2016) Besonders massiv traf das Unwetter über der Ostalb die Menschen in Braunsbach. (30. Mai 2016) Das Hochwasser hat hier eine Spur der Verwüstung hinterlassen: Strasse in Braunsbach im Norden von Stuttgart. (30. Mai 2016) Das Höhe der Schäden sei noch unklar, teilte das Innenministerium in Stuttgart mit. (30. Mai 2016) Die starken Regenfälle vom Wochenende liessen mehrere Bäche im Kochertal im Süden Deutschlands über die Ufer treten. (30. Mai 2016) Rund 7000 Einsatzkräfte sind mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. (30. Mai 2016) Die Neckar-Zuflüsse Kocher, Enz und Jagst führten teilweise die drei- bis sechsfache Wassermenge, sagte ein Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamts in Stuttgart. (30. Mai 2016) Feuerwehrmänner und Rettungstaucher am Bahnhof in Schwäbisch Gmünd. Hier kamen ein Feuerwehrmann und eine weitere Person ums Leben. (29. Mai 2016) Der Feuerwehrmann hatte versucht, einen in einer überfluteten Bahnunterführung in einen Schacht eingesogenen Mann zu befreien und wurde selber eingesogen. (29. Mai 2016) Angeschwemmte Autos in Schwäbisch Grund. (29. Mai 2016) «Es sieht düster aus, wirklich schlimm»: Beträchtlicher Sachschaden in Braunsbach. Strasse in Braunsbach zwischen Würzburg und Stuttgart. Die höchste Niederschlagsmenge meldete der Deutsche Wetterdienst in Hohenthann, etwa 70 Kilometer nordöstlich von München. Dort fielen binnen einer Stunde 65 Liter Regen pro Quadratmeter. Die Einsatzkräfte haben mit den Folgen von Schlammlawinen, Erdrutschen und weggespülten Bäumen zu kämpfen. Der Sachschaden sei immens, sagte ein Polizeisprecher. An einigen Stellen steht das Wasser 1,7 Meter hoch. Nach vier Stunden Dauerregen: Die Stadt Schwäbisch Gmünd in Baden-Württemberg war von den Überschwemmungen besonders betroffen. Die Strassen wurden zu reissenden Flüssen. Autos standen im Wasser oder wurden sogar mitgerissen. Unterführungen liessen kein Durchkommen mehr zu. Das beeindruckende Unwetter-Spektakel vom Wochenende in den Regionen Thun und Bern. Die Gewitter hatten an zahlreichen Orten im Kanton Bern für überflutete Keller gesorgt. Beispielsweise in Krauchthal BE. So grosse Hagelkörner fielen in Bern. (28. Mai 2016) Der Hagel hinterliess seine Spuren in einem Garten. Diese Besucher des Streetfood-Festivals in Bern schützen sich unter dem Tisch vor dem Unwetter. Hagel ging auch in Willisau nieder. On the rocks: Wie man Getränke kühlt, zeigt dieses Leserfoto. Getränke kühlen ohne Kühlschrank: Prost! In Moosseedorf BE stehen Felder unter Wasser. In Moosseedorf BE Auch im solothurnischen Recherswil wütete das Unwetter. Dieses Foto wurde in Dintikon AG aufgenommen. Ebenso dieses Hagel-Bild. Ein Leser hat uns dieses Foto aus dem Fricktal AG geschickt. Dieser Leserreporter aus dem Fricktal sammelte eine Handvoll Hagel. Das Unwetter bei Zunzgen BL. Kein leichtes Unterfangen, Blitze zu fotografieren. Diesem Leser ist es aber perfekt gelungen. Eine eindrückliche Fotografie mit Blitzlicht. Starkes Gewitter über Bern (Bümpliz) Hagel in Willisau

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Schwere Regenfälle haben in Deutschland wegen Überflutungen mehrere Todesopfer gefordert. Eine Beruhigung der Lage ist nicht in Sicht. Meteorologen prognostizieren für die ganze Woche hohe Unwetter-Gefahr. Auch in gewissen Regionen der Schweiz hat es kräftig geschüttet. Laut Cédric Sütterlin, Meteorologe bei Meteonews, fielen etwa im Raum Ostschweiz am Mittwochabend 20 bis 25 Liter pro Quadratmeter. Für die nächsten Tage kündigt er zudem regelmässige Regengüsse und Gewitter an.

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Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass auch ein Unwetter über die Schweiz zieht? «Diese Wahrscheinlichkeit besteht durchaus, ist im Moment aber relativ gering», sagt Sütterlin. Die schwachen Höhenwinde und die sich langsam bewegenden Gewitter begünstigten die Bedingungen für Unwetter. «Für richtig kräftige Niederschläge bräuchte es aber einen Gewitterkomplex über der Schweiz, der sich kaum weiterbewegt.»

Überschwemmungen und Erdrutsche

Bei kräftigen Gewittern oder anhaltenden Niederschlägen sind laut Sütterlin vor allem Flüsse wie die Gürbe, Aare, Thur oder Töss Gefahrenherde für Hochwasser und Überflutungen. Dazu zählten auch kleineren Seen wie der Pfäffikersee, Greifensee oder der Hallwilersee.

Gleichzeitig drohen durch die durchnässten Böden Erdrutsche in den Alpentälern auf der Alpennordseite. «Besonders anfällig sind das Tessin, das Wallis, aber auch etwa das Muotatal.»

Bessere Überwachung nach Hochwasserkatastrophe

Wie gut ist die Schweiz für ein grosses Unwetter gewappnet? «Auf mögliche extreme Wettersituationen sind wir gut vorbereitet», sagt Hans Peter Willi, Chef der Abteilung Gefahrenprävention beim Bundesamt für Umwelt (Bafu). Nach der Hochwasserkatastrophe im Jahr 2005 seien diesbezüglich grosse Anstrengungen unternommen worden. «Die Wetterlage und Hochwassersituation werden in der Schweiz 365 Tage im Jahr permanent überwacht.»

Was die Katastrophe in Deutschland angeht, stellt Willi folgende Vermutung an: «Die Einsatzkräfte wurden vom Ausmass und der Geschwindigkeit des Unwetters überrascht.» In der Schweiz wolle man möglichst gut auf solche unvermeidlichen Ereignisse vorbereitet sein. «Wir haben in den letzten Jahre viele Naturereignisse bewältigen müssen – und haben aus jedem wichtige Schlüsse für die Zukunft gezogen und damit schrittweise die Sicherheit verbessert.»

Experten für Naturgefahren im Einsatz

Mittlerweile könne Meteo Schweiz gefährliche Wetterlagen mehrere Tage im Voraus erkennen. Auf der gemeinsamen Informationsplattform Naturgefahren GIN werden den Fachleuten alle aktuellen Wetter- und Abflussdaten sowie die Prognosen zur Verfügung gestellt. Zudem wird laut Willi periodisch überprüft, ob die Bauten für den Hochwasserschutz einwandfrei sind.

Mögliche Naturgefahren spielten auch bei der Planung von Neubauten eine Rolle. Damit die Gefahrensituationen lokal beurteilt werden können, wurden in den letzten Jahren erste lokale Naturgefahrenberater ausgebildet.

Naturgefahren als Schulstoff

«Da ein Unwetter nicht immer früh genug erkannt werden kann, sind Notfallpläne wichtig», sagt Willi. Auch in der Ausbildung der Feuerwehr sei der Umgang mit Katastrophen ein wichtiges Thema. «Wenn eine Strasse zu einem reissenden Fluss werden kann, muss die Feuerwehr das Gebiet rechtzeitig absperren können.»

Ausserdem solle die Bevölkerung künftig noch vermehrt über den Umgang mit Naturgefahren informiert werden. Naturgefahren seien bereits im Lehrplan 21 neu aufgenommen worden. «Ziel ist, dass am Ende der Volksschule jedes Kind weiss, welche Naturgefahren in seiner Umgebung vorhanden sind und wie darauf zu reagieren ist.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schämu am 03.06.2016 06:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hausgemacht

    Wegen der Überbevölkerung wird heute überall gebaut wo noch vor Jahren niemals gebaut worden wäre. Oder Flussläufe werden kanalisiert und nach ein Hochwasser wieder renaturiert. Die Folgen bei Unwetter sind vielfach hausgemacht weil der Natur zuwenig Beachtung geschenkt wird.

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  • martin winter am 03.06.2016 06:15 Report Diesen Beitrag melden

    Es wird noch schlimmer werden.

    Die Natur gewinnt immer. Es wird noch grössere Katastrophen geben, für die es kein Mittel geben wird.

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  • Schüler am 03.06.2016 06:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schule

    Also bin in der 3.Sek A und wir haben leider noch nie das Thema Naturkatastrophen behandelt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bergsicht am 04.06.2016 14:55 Report Diesen Beitrag melden

    Unwetter kann sehr schnell und überraschend komme

    Klima verändert sich, Unwetter werden in Europa immer extremer, dagegen kann kein Mensch was tun. Unwetter kann sehr schnell und überraschend kommen wie eine Lawine.

  • Roland S. am 03.06.2016 19:38 Report Diesen Beitrag melden

    Am Ende wären wir..

    Unser kleines komplett überfülltes und demnach auch zubetoniertes Land wäre wohl Hoffnungslos am Ende bei solchem Wetter. Jede Wiese wird ja entfernt damit noch mehr reinkommen kann.

    • Tiffany am 04.06.2016 09:38 Report Diesen Beitrag melden

      Wachstum kann auch schlecht sein

      Tja unsere Politiker meinen ja, dass noch nehr kommen sollen. Nur die Folgen und Kosten (Infrastruktur muss her z.B. Wohnungen, öV, Strassen, ärtzliche Versorgung) trägt die ganze Allgemeinheit mit. Auch dem Wachstum sollten grenzen gesetzt werden, wenn es nicht ungesund werden soll für ein Land.

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  • Florian Meier am 03.06.2016 15:55 Report Diesen Beitrag melden

    Die Ausmasse in Deutschland

    sind daher geschuldet, da es sich zum Teil um gebiete handelt, die noch nie solche Wetterauswirkungen zu spüren bekamen. Ich denke, in den Regionen, die regelmässig überflutet werden, wären die Folgen nicht so schlimm gewesen. Ich finde es gewagt, zu sagen, wir sind auf sowas vorbereitet. Ob es so ist, sieht man est, wenn es soweit ist. Erst im Nachhinein kann man sich auf die Schultern klopfen - vorher wäre ich vorsichtig.

  • J. Juseppo am 03.06.2016 15:25 Report Diesen Beitrag melden

    Warungen der Geologen missachtet!

    Geologen kennen und benennen die Überschwemmungsgebiete. Dies ist auch den örtlichen Politikern und Behörden bekannt. Trotzdem lassen sie in solchen Gegenden bauen. Ein grenzenloser Skandal!

    • Sheena am 03.06.2016 16:07 Report Diesen Beitrag melden

      Wir wissen schon

      was Politiker gerne machen; party, party und überall dabei zusein, am wenigsten was die Bevölkerung und die Natur für nötig findet und braucht!

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  • Beat Stocker am 03.06.2016 13:56 Report Diesen Beitrag melden

    Sicherheit nur mit Umzonung

    Historisch sind unsere Siedlungen sehr oft an Orten entstanden, welche bei extremen Unwettern gefährdet sind (an Fliess- und anderen Gewässern); und der Druck zu mehr Wohnungen hat dazu geführt, dass weitere gefährdete Gebiet eingezont und bebaut wurden (steile Hänge, Mur- und Lawinengefährdete Flächen, ....). Dem heutigen Wissen folgend müsste man viele überbaute Zonen renaturieren und an anderen, weniger exponierten Lagen neu erstellen. Leider ist das aufgrund von Raumplanungsrestriktionen beinahe unmöglich geworden.