Gleichstellung

04. Juli 2017 18:17; Akt: 04.07.2017 18:17 Print

In Lehrmitteln sollen bald schwule Paare vorkommen

von A.Schawalder - In Rechenaufgaben sollen Homosexuelle eingeflochten werden, fordern Schwulenvertreter. Das soll die gesellschaftliche Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Paare fördern.

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«Papa und Papa kaufen ein Meerschweinchen für Jan. Die Zoohandlung gibt auf den Preis von 17,95 Franken einen Rabatt von 20 Prozent. Wie viel müssen Jans Väter bezahlen?» Solche Aufgaben soll es nach dem Willen von Schwulenvertretern künftig auch in Schweizer Lehrmitteln geben, wie das Magazin «Display» berichtet.

«Der Einbezug von homosexuellen Paaren in Schulaufgaben könnte die Akzeptanz der Beziehungen in der Gesellschaft fördern», sagt Patrick Weber, Programmleiter der Plattform «Du-bist-du», die über verschiedene sexuelle Orientierungen informiert. Lehrer sollten das Thema auch nicht nur im Rahmen des Sexualkundeunterrichts behandeln, sondern «beiläufig» einbauen.

«Logischer Schritt, andere Familienmodelle einzubeziehen»

Hintergrund der Forderung: Eine Umfrage unter fast tausend 13- bis 16-Jährigen, die Weber für seine Masterarbeit gemacht hat, zeigte viele Vorurteile gegenüber Schwulen. «Das ist problematisch, denn die Suizidrate ist bei schwulen Jugendlichen rund fünfmal höher als bei ihren heterosexuellen männlichen Altersgenossen.» Die Schulen müssen sich deshalb mit dem Thema befassen und Aufklärung betreiben.

Der homosexuelle SP-Nationalrat Angelo Barrile findet den Vorschlag toll: «Solche Aufgaben könnten Jugendlichen zeigen, dass Homosexualität etwas Alltägliches ist.» Er verweist auch auf alte Schulbücher: «Diese waren früher auch absolut sexistisch, Frauen zum Beispiel wurden oft auf den Haushalt reduziert.» Da sei es der nächste logische Schritt, auch andere Familienmodelle einzubeziehen.

«Ideologien gehören nicht in ein Rechnungsbuch»

Umfrage
Wie viel müssen Jans Väter bezahlen?
73 %
6 %
6 %
9 %
6 %
Insgesamt 690 Teilnehmer

Dagegen kann SVP-Nationalrat Sebastian Frehner der Forderung nichts abgewinnen. Es seien absolute Minderheiten, die so abgebildet würden. «Es ist auch nicht Aufgabe der Schule, Politik zu betreiben. Solche Massnahmen grenzen an Indoktrination.» Auch Parteikollegin Verena Herzog sagt: «Man muss aufpassen, dass man Kinder nicht verunsichert.» In einem Schulbuch lenkten solche Themen vor allem ab.

Laut dem Lehrerverband LCH sind Kenntnisse über sexuelle Ausrichtungen und damit auch
Homosexuallität «Teil des Lehrplans». Jürg Brühlmann, Leiter der Pädagogischen Arbeitsstelle, sagt, das Thema werde im Rahmen des Aufklärungsunterricht behandelt – oder wenn es
im Schulalltag aufkomme. Etwa, wenn ein Kind ein anderes als «schwule Sau» bezeichne. Dann müsse das angesprochen werden.

Noch keine Beispiele

Dass in Schulbüchern auch homosexuelle Paare als Beispiele vorkommen, ist Brühlmann nicht bekannt. «In Zukunft dürfte sich das aber ändern. » Im Unterricht sei es die Sache der jeweiligen Lehrperson, ob sie solche Beispiele machen wollen.

Bei Schweizer Schulverlagen scheint das bisher jedoch eher kein Thema zu sein. Alltagsbeispiele mit Homosexuellen gebe es bisher in den Schulbüchern nicht, heisst es beim Zürcher Lehrmittelverlag. Ähnlich klingt es beim Lehrmittelverlag St. Gallen.