SBB vor Kollaps

13. Juli 2012 17:30; Akt: 13.07.2012 20:43 Print

Kommt bald das Aus für das GA?

von J. Pfister und S. Hehli - Das Generalabonnement wird zum Sündenbock für überfüllte Züge. Bis 2013 sollen Alternativen auf dem Tisch liegen – sie reichen vom «GA light» bis zur vollständigen Abschaffung.

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Ist das GA ein Auslaufmodell oder braucht es einfach Einschränkungen? Experten sind sich nicht einig. (Bild: Keystone)

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Wer ein Generalabonnement (GA) im Portemonnaie hat, liebt die kleine blaue Karte: Ohne ans Billett denken zu müssen, kann der Besitzer fast jeden Zug oder Bus, jedes Tram oder Schiff nehmen. Doch nun gerät das Modell GA unter Druck. Für Kritiker ist das Abo zu günstig – und vor allem liessen sich damit die Passagierströme nicht lenken: In den Stosszeiten sind die Züge häufig völlig überfüllt, am späteren Vormittag oder früheren Nachmittag hingegen praktisch leer. Auf diese Entwicklung reagiert der Verband Öffentlicher Verkehr (VöV): Bis Ende 2013 wird er Alternativen zum heutigen GA ausarbeiten. Das teilten VöV und Preisüberwacher am Freitag im Rahmen ihrer Kommunikation zu den neuen ÖV-Tarifen mit.

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Ziel ist es, durch attraktive Preise die Züge in den Nebenverkehrszeiten besser auszulasten. Zusätzliche Passagiere bringen mehr Geld, wodurch künftig weniger Preiserhöhungen nötig sein werden, so das Kalkül von Preisüberwacher Stefan Meierhans. Wie diese GA-Alternativen genau aussehen könnten, will beim VöV derzeit aber niemand sagen. Sprecher Roger Baumann erklärt, dass sein Verband zuerst alle möglichen Varianten und deren Auswirkungen auf Billettpreise und Passagierströme prüfen wolle. «Das wird mindestens bis Ende Jahr dauern.»

Zahlreiche Ideen sind jedoch bereits vorhanden. Die Interessensverbände des öffentlichen Verkehrs bringen sich in Stellung, um ihre eigenen Vorstellung der GA-Zukunft durchzusetzen. 20 Minuten Online nennt die wichtigsten Vorschläge:

Elektronische Tickets statt GA

Besonders radikale Pläne schmiedet der Wirtschaftsverband Economiesuisse: Er will das GA gleich ganz abschaffen. «Wir müssen wegkommen von der ‹All-you-can-eat›-Mentalität», sagt der Verkehrsexperte des Verbandes, Kurt Lanz. Er möchte die Passagiere mit einer E-Ticketing-Lösung besser verteilen. Regelmässige Zugfahrer kaufen sich für einen bestimmten Betrag eine Chipkarte. Wenn sie einen Zug besteigen, wird ihnen automatisch der geltende Fahrpreis berechnet – je nachdem, ob der Normal- oder der Niedertarif gilt. Teurer wäre das Fahren während den Stosszeiten von 7 bis 9 und von 17 bis 19 Uhr.

«Jeder Passagier würde nach dem Verursacherprinzip genau jene Leistungen bezahlen, die er bezieht», betont Lanz. Damit Pendler auf teuren Strecken wie Zürich-Bern keine allzu brutale Preiserhöhung über sich ergehen lassen müssen, möchte er den Chipkartenbesitzern günstigere Tarife anbieten als den Gelegenheitspassagieren. Für eine Abschaffung der Abonnements und die Einführung eines Verursacherprinzips plädiert auch Matthias Michel, Vizepräsident der kantonalen Verkehrsdirektoren.

Das limitierte GA

Ein anderer Vorschlag, um die Kosten für das GA zu reduzieren, stammt vom ehemaligen Präsidenten der Konferenz der kantonalen Verkehrsdirektoren (KÖV), François Marthaler. Er verlangt eine Streckenbegrenzung des Abonnements. So soll das GA nur noch im Nah- und Regionalverkehr unbeschränkt gültig sein. Dafür würde das GA insgesamt massiv günstiger werden: 2500 statt 3300 Franken in der 2. Klasse, 3800 statt 5150 in der 1. Klasse.

Im überregionalen Verkehr soll ein GA-Besitzer 100-mal fahren dürfen – für jede weitere Fahrt würden 18 Franken (2. Klasse), respektive 20 Franken (1. Klasse) fällig. Damit würden die Vielfahrer unter den GA-Besitzern gemäss dem Verursacher-Prinzip mehr bezahlen als gelegentliche Passagiere.

Das GA light/9-Uhr-GA

Der Verkehrsclub Schweiz (VCS) präsentierte bereits vor rund vier Jahren eine neue GA-Variante: Das GA light, beziehungsweise das 9-Uhr-GA. Dieses Abonnement würde Montag bis Freitag vor 9 Uhr nur als Halbtax-Abo zählen, ab 9 Uhr und am Wochenende wäre es dann als unbeschränktes GA einsetzbar. Kostenmässig sollte es zwischen Halbtax-Abo und GA angesiedelt sein. «Dieses GA wäre ideal, um die Spitzen zu brechen und die Züge auch ausserhalb der Hauptverkehrszeiten besser auszulasten», sagt Caroline Beglinger, Leiterin Verkehrspolitik vom VCS.

Der VÖV hatte im letzten Jahr die Idee des GA light schon in intensiv diskutiert, sie jedoch deutlich abgelehnt. Grund waren die schlechten Erfahrungen, die der Zürcher Verkehrsverbund mit dem vergleichbaren 9-Uhr-Pass gemacht hatte. Entgegen der Erwartungen kam es zu keiner Entlastung während der Spitzenzeiten. Denn nur die Personen kauften den 9-Uhr-Pass, die schon zuvor erst nach 9 Uhr ÖV gefahren waren.

Senioren-GA abschaffen

Daniel Müller-Jentsch vom Thinktank Avenir Suisse plädiert dafür, das vergünstigte Senioren-GA abzuschaffen. Denn die heutigen Rentner gehörten zu den vermögendsten Bevölkerungsgruppen und seien nicht auf diese Subventionierung angewiesen. Ähnlich wie der VCS will er stattdessen ein vergünstigtes GA einführen, welches zeitlich flexible Personen – wie eben Rentner – zu den Stosszeiten nicht verwenden dürften. Im Gegensatz zum VCS fordert Müller-Jentsch jedoch, dass das «normale» GA deutlich teurer werden soll als heute.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Alessandro Mollet am 17.07.2012 00:20 Report Diesen Beitrag melden

    Flattrate Ueberall

    Solte das GA nicht mehr existieren verliert die SBB und voralem der Bund ihr/sein Gesicht.. Voralem sehr viele Fahrer die zufrieden sind mit dem bisherigen service werden alternativen entwikeln von a nach b zu kommen. irgenwan ist genug egal wie viel das GA kostet... Zur Arbeit fahren freunde besuchen Exkursionen taetigen das gehoert zu jedem der in der Schweiz ist und lebt... Noch was zum GA light selbst die Deutschen fueren ein etwas teureres Bahncard 100 Sistem indem selbst ICE inbergrifen ist.... PS: Selbst Mobilfunkanbieter kommen kommen ueber die Runden...

  • Marco Paga am 16.07.2012 22:55 Report Diesen Beitrag melden

    Denken vor dem reden

    Wie bitte sollen die Pendler auf andere Zeiten verlagert werden? öffenen die Büros in Zukunft 24h, damit man zu anständigen Preisen unterwegs sein kann oder muss ich mit dem Auto gehen und mich im Stau mit den tausenden anderen Umsteigern abmühen? Liebe SBB erst denken dann reden!

  • Tobias Keller am 16.07.2012 19:14 Report Diesen Beitrag melden

    Danke SBB

    Somit erde ich bis ende 2012 Besitzer eines GA's sein, dann mit 34 die Autoprüfung machen und mich von dem éV verabschieden. Ja liebe SBB es tut mir leid das ich seit meiner Lehre ununterbrochen arbeite und euch als Kunde zur Last falle. Danke das ihr mich jetzt entgültig davon überzeugt habe, das ICH als Kunde Schuld bin, für die überfüllten Züge.

  • Hans von der Ferne am 16.07.2012 17:54 Report Diesen Beitrag melden

    Subventionen im ÖV

    Man hat in den vergangenen Jahrzehnten den ÖV massiv subventioniert. Der ÖV- Benutzer zahlt heute ca. 40% der Kosten, die er verursacht. Bei GA- Besitzern die jeden Tag von Bern nach Zürich pendeln sieht diese Rechnung noch übler aus. Ein GA für die ganze Schweiz müsste für einen Vielfahrer wohl so gegen 8000.- kosten, um in einen Bereich zu kommen, der Kostendeckend ist und OHNE 60% Anteil an Subventionen des Steuerzahlers auskommt. Mit diesen hohen Subventionen hat man ein System geschaffen, das jetzt aus dem Ruder läuft. So ist es immer, man denke an die Landwirtschaft, die Armee, etc.

  • Hansjörg am 16.07.2012 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    Illusion

    Wer knöpft eigentlich den Automobilisten am frühen Morgen und Abend auf den Zufahrtsstrecken den nötigen Lenkungsbatzen ab? Wäre das nicht auch eine Möglichkeit, die Staus zu minimieren? Oder denkt wirklich jemand, die Pendler in den Zügen würden wegen günstigem 9-Uhr GA dann erst um 9 Uhr zur Arbeit fahren und am Abend ab 20 Uhr heimkehren?

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