Arbeitgeber verärgert

18. Juli 2017 15:38; Akt: 18.07.2017 17:51 Print

Einsatz bei Unwetter – Feuerwehrmann entlassen

Am Wochenende kämpfte er gegen die Folgen des Unwetters, am Montag kam er übermüdet zur Arbeit. Ein Aargauer Feuerwehrmann soll deshalb die Kündigung erhalten haben.

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Überflutete Keller, Hangrutsche, umgestürzte Bäume, ein Brand: Wegen des Unwetters im Raum Zofingen war die Feuerwehr Uerkental am 8. Juli mit 60 Mann im Dauereinsatz. Innerhalb von nur zwei Stunden waren an jenem Samstagabend 250 Schadensmeldungen eingegangen. Es war der grösste Einsatz in der Geschichte der Feuerwehr Uerkental.

Dass er an jenem Wochenende gegen die Folgen des Unwetters kämpfte, hat einen der Feuerwehrleute nun offenbar den Job gekostet, wie Radio Argovia berichtet.

Gespräch brachte keine Besserung

Bereits als der Mann, der bei einem Handwerksbetrieb angestellt war, am Montag übermüdet zur Arbeit erschienen sei, sei ihm die Kündigung angedroht worden, sagt Thomas Räss, Kommandant der Feuerwehr Uerkental, zu 20 Minuten. «Ich suchte daraufhin das Gespräch mit dem Arbeitgeber. Es gelang mir aber nicht, die Situation zu entschärfen.»

Ende der Woche habe sich der Konflikt dann zugespitzt: Der Feuerwehrmann habe seine Firma gebeten, am Samstag frei zu bekommen, um auf dem Bauernhof seiner Familie, der vom Unwetter schwer getroffen worden war, bei den Aufräumarbeiten mitzuhelfen.

In der Kündigung ist ein anderer Grund aufgeführt

Daraufhin habe man den Angestellten gekündigt, sagt Räss. Aufgeführt worden sei im Kündigungsschreiben jedoch nicht seine Tätigkeit für die Feuerwehr, sondern ein anderer, allgemein gehaltener Grund.

Dass das Engagement in der Feuerwehr einen seiner Männer die Stelle koste, sei traurig und beschämend, so Räss. Glücklicherweise handle es sich um einen Einzelfall: «Grundsätzlich ist das Verständnis der Arbeitgeber für die Feuerwehrleute gross.»

Firma wehrt sich gegen Vorwürfe

Fredy Greuter, Sprecher des Schweizerischen Arbeitgeberverbands, sagt, es sei jedem Arbeitnehmer selber überlassen, wie er seine Freizeit gestalten will. «Der Arbeitgeber darf aber erwarten, dass der Angestellte erholt und einsatzfähig zur Arbeit kommt.» Dies gelte auch dann, wenn der Arbeitnehmer in seiner Freizeit Dienst an der Gemeinschaft leiste, wie dies etwa bei Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr der Fall sei.

Bei der Firma, bei der der Feuerwehrmann arbeitete, weist man laut Radio Argovia die Darstellung zurück, dass die Kündigung etwas mit dem Unwetter-Einsatz zu tun habe. Zudem sei der Angestellte nicht mehr am Arbeitsplatz erschienen, was man als Kündigung aufgefasst habe. Es stehe ihm offen, rechtliche Schritte einzuleiten.

(lüs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • DefJam am 18.07.2017 16:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Hier Dient jemand für das Volk und wir gekündigt. Was für ein Chef hat der?

  • Donna M. am 18.07.2017 16:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ..

    Leider ist es so, dass die Arbeitnehmer in der Schweiz bald nichts mehr Wert sind. Traurig.

    einklappen einklappen
  • Ostseeanrainer am 18.07.2017 17:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was für eine Schande

    Das ist ja unglaublich. Der Mann macht es sich zur Aufgabe,in seiner Freizeit fremdes Eigentum zu schützen und als Dank wird er entlassen. Das hätte man notfalls anders regeln können,in dem er z.B. Überstunden abbaut für den Montag,aber Kündigung in seiner Situation ist ein absolutes No Go. Hoffentlich kommt der Arbeitgeber mal in eine Situation,bei der schnellstmöglich die Feuerwehr vor Ort sein muss. Dann wird er mit eigenen Augen sehen,was diese Menschen in ihrer Freizeit für einen Knochenjob leisten. Schande über ihn.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ursula Hofstetter am 18.07.2017 18:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    feuerwehrmann entlassen

    kenne ich aus eigener erfahrung meiner söhne - der eine grosse arbeitgeber hatte verständnis - das kleinunternehmen war absolut nicht begeistert wenn mein sohn während der arbeitszeit wegen einem alarm ausrücken musste

  • Paul Meier am 18.07.2017 18:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zwei Meinungen

    zuwenig Fakten zu diesem Fall, wahrscheinlich sind noch andere Sachen passiert und jetzt ist das Fass übergelaufen! Glaube nichr das ein Chef, der mit eigenem Geld arbeitet wegen einem Einsatz zu so einer radikalen greift und einen fähigen Mitarbeiter entlässt. Termindruck,usw kann eine Situation am Arbeitsplatz schnell eskalieren lassen die zwei sollen doch an einen Tisch sitzen und probieren zu retten was noch zu retten ist.

  • Don Logan am 18.07.2017 18:00 Report Diesen Beitrag melden

    nein danke

    Er hätte sich halt krank melden müssen und richtig ausschlafen. Auf solche Arbeitgeber verzichtet man gerne.

  • Fydagh am 18.07.2017 18:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dankbarkeit sieht anders aus...

    Meiner Meinung nach sollte jeder, der solch einen Einsatz hintersich gebracht hat einen Tag frei erhalten um sich zu mindest ein wenig ausruhen zu können. Da wäre sicherlich auch was mit der EO machbar. Würde ja gerne das Gesicut des Chefs sehen wenn der selbe Mann dann bei ihm den Keller am Wochenende auspumpt odr ein Feuer löscht.

  • yves am 18.07.2017 17:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    da steckt mehr dahinter

    und kennt jemand die version des arbeitgebers? nein! niemand kündet jemanden bloss weil er einmal übermüdet zur arbeit kommt - noch dazu mit einer plausiblen erklärung