Politischer Prozess

17. August 2012 12:53; Akt: 17.08.2012 19:16 Print

Zwei Jahre Straflager für Pussy Riot

Nach knapp dreistündigem Verlesen des Urteils hat eine Moskauer Richterin das Strafmass für Pussy Riot bekanntgegeben: zwei Jahre Haft für die drei Frauen.

Bilder der Gerichtsverhandlung vom Freitag. (Quelle: AP Video/YouTube, Kommentar: Debby Galka)
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Eine Richterin hat die drei angeklagten Mitglieder der russischen Punkband Pussy Riot schuldig gesprochen. Die Frauen werden zu je zwei Jahren Haft verurteilt im allgemeinen Straflager. Die fünfmonatige Untersuchungshaft, in der sie sich seit März befinden, wird ihnen angerechnet. Laut des Urteils machten sie sich der groben Verletzung der öffentlichen Ordnung (Rowdytum) schuldig.

Die Richterin Maria Syrowa sah das Motiv des religiösen Hasses erwiesen. Das Argument der Angeklagten, ihre Handlung sei politisch gewesen, wies sie zurück. Weiter seien die drei Frauen zurechnungsfähig gewesen. Eine Besserung der Angeklagten sei nur mit Freiheitsentzug zu erreichen. Nadeschda Tolokonnikowa, Maria Aljochina und Jekaterina Samuzewitsch hatten im Februar in einer Aktion von 30 Sekunden in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale ein sogenanntes Punk-Gebet aufgesagt und die Gottesmutter angerufen, Präsident Wladimir Putin zu «verjagen».

Diese Aktion sei eine Beleidigung für die orthodoxen Gläubigen gewesen. Die Kläger - mehrere Augenzeugen der kurzen Aktion in der Kathedrale, die aber offenbar bei der Urteilsverkündung nicht anwesend waren - hätten einen seelischen Schaden erlitten. Die Richterin betonte weiter, dass die Angeklagten im Prozess keine Reue gezeigt hätten.
Der Urteilsspruch im O-Ton. (Quelle: AP Television)


Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre gefordert

Das Strafmass liegt unter den von der Staatsanwaltschaft geforderten drei Jahren. Die Maximalstrafe hätte sogar sieben Jahre betragen. Die verurteilten Frauen werden in Berufung gehen. Das hatte die Verteidigung bereits im Voraus angekündigt. In einem Interview mit der Zeitung «Nowaja Gaseta» schloss Nadeschda Tolokonnikowa ein Gnadengesuch an Präsident Putin aus: «Eher sollte er uns um Gnade bitten.»

Die knapp dreistündige Urteilsverkündung war von Protesten vor dem Gerichtsgebäudes begleitet. Mehrere hundert Personen hatten sich dort versammelt. Die Polizei war mit einem starken Aufgebot vor Ort und begann bereits vor dem Beginn der Urteilseröffnung, Protestierende zu verhaften. Anwesend vor dem Gerichtgebäude waren offenbar nicht nur Sympatisanten von Pussy Riot, sondern auch Gegner.

Kasparow soll geschlagen worden sein

Unter den mehreren Dutzend Verhafteten ist auch der Oppositionsführer Sergej Udalzow. Er sei festgenommen worden, nachdem er eine Absperrung der Polizei überschritten hatte, meldete die Nachrichtenagentur Interfax. Ebenfalls verhaftet wurde der frühere Schachweltmeister und heutige Oppositionelle Garry Kasparow. Er habe ruhig mit Journalisten gesprochen, als ihn die Polizisten gepackt hätten, heisst es auf seiner Facebook-Site. Er sei nach der Verhaftung geschlagen worden.

(mdr/dapd)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter2106 am 17.08.2012 19:43 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht zu fassen

    Nicht zu fassen, wie sich hie eine ganze Menge User hinter die Dreien stellen. Nicht Begriffen?: Die haben gegen in Russland geltendes Recht verstossen und werden somit nach den Gesetzen Russlands behandelt. Wir würden es auch nicht dulden, wenn unsere Gotteshäuser durch solche Rowdies entehrt würden. Den Atheisten mag's freuen.

  • Ajten Serdin am 17.08.2012 17:15 Report Diesen Beitrag melden

    Nur weil es Russland ist...

    Ich frage mich ob die Leute und Celebrities auch kommentieren werden, wenn jemand die selbe in Vatikan oder in eine Sinanagoga macht...................

  • Igor Perkovac am 17.08.2012 15:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Putin

    ja weiter so Putin. Zeig es dem Westen, die meinen sie wissen alles. Und die Schweiz profitiert ja nur von Russlands Geld also bitte nicht meckern. Besser bedanken.

Die neusten Leser-Kommentare

  • hgai am 18.08.2012 07:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    die verdienen einen Orden

  • Peter2106 am 17.08.2012 19:43 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht zu fassen

    Nicht zu fassen, wie sich hie eine ganze Menge User hinter die Dreien stellen. Nicht Begriffen?: Die haben gegen in Russland geltendes Recht verstossen und werden somit nach den Gesetzen Russlands behandelt. Wir würden es auch nicht dulden, wenn unsere Gotteshäuser durch solche Rowdies entehrt würden. Den Atheisten mag's freuen.

  • Alexander Brot am 17.08.2012 19:13 Report Diesen Beitrag melden

    gehört bestraft

    Ich finde, man sollte auch nicht alles ungestraft machen können und bin der Meinung, dass es schon Rowdytum ist, wenn Personen in einer Kathedrale so einen Sch*** aufführen. Bestraft gehören sie allemal - aber ob das Strafmass (2 Jahre Strafarbeit) so stimmt, kann ich schlecht beurteilen.

  • Chiquis am 17.08.2012 18:57 Report Diesen Beitrag melden

    Russland - keine Demoktratie?

    Ich verstehe das Entsetzen,doch es ist eine reine mediale Aufbauschung uns sonst nichts besonderes. Schaut vor die eigene Haustür hier in der CH. Da werden Männer und Familienväter nachhaltiger durch Urteile geschädigt und dies teilweise nur aufgrund einer Verläumdung, ohne dass sie in Realität Schaden angerichtet haben. Ja, wir haben eine Demoktratie oder nicht?Setzt Euch aktiv für die Rechte ein, welche Euch direkt beeinflussen, danach reicht es auch für weiter...

  • P. Buchegger am 17.08.2012 17:17 Report Diesen Beitrag melden

    Pussy-Riot-Revolution

    Wie wäre es, wenn jetzt gegen Putin eine "Pussy-Riot- Revolution" losgetreten würde? Das heisst, wenn unzählige junge Gruppen im ganzen riesigen Russland das gleiche täten, was die drei Verurteilten taten, bis sämtliche Gefängnisse überquellen würden und so "Zar Putin I" vor der ganzen Welt der Lächerlichkeit preisgegeben würde?