«Break the Chain»

04. März 2012 23:02; Akt: 04.03.2012 23:30 Print

Safer-Sex-Kampagne erntet Kritik

von Cécile Blaser - Um die Zahl der HIV-Infektionen in der Gay-Szene zu senken, lanciert der Bund einen Safer-Sex-Monat. Dies vermittle den Eindruck, danach sei ungeschützter Sex kein Problem mehr, kritisiert ein Experte.

storybild

Das BAG will mit der Aktion «Break the Chain» die Zahl der HIV-Infektionen in der Schwulenszene senken.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Seit bekannt wurde, dass sich im Raum St. Gallen im Januar viermal mehr Personen mit HIV angesteckt haben, ist die Schwulenszene in Aufruhr. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat nun die Kampagne «Break the Chain» gestartet. Die Idee: Einen Monat lang – vom 1. bis 30. April – verpflichten sich alle Homosexuellen, geschützten Sex zu haben. So will das BAG die HIV-Infektions­kette unterbrechen. «Wir haben doch alle unsere Sex-Dates. Und die haben auch wieder ihre Sex-Dates», heisst es im Video der Aktion. Wenn sich jemand frisch mit HIV infiziere, verteile sich das Virus deshalb schnell. Für jene, die nach dem Aktions-Monat wieder ungeschützt miteinander ins Bett gehen wollen, werden im Mai Aids-Tests angeboten, heisst es auf der Homepage der Kampagne.

Für Beda Stadler, Direktor des Instituts für Immunologie der Uni Bern, ist dies ein kommunikativer Super-GAU des BAG: «Es entsteht der Eindruck, als könnte man nach der Aktion wieder ohne Kondom Sex ­haben und müsse sich keine ­Sorgen mehr machen. Das ist hanebüchen.» Das BAG müsse dies sofort korrigieren.
Roger Staub, Leiter der Sektion Aids des BAG, weist die Vorwürfe entschieden zurück: «Wenn man die Informationen zur Kampagne genau liest, ist klar ersichtlich, dass auch vor und nach der Aktion die Regeln des Safer Sex gelten.»