Bundesrat

16. September 2011 13:54; Akt: 16.09.2011 14:25 Print

Gegenvorschlag zur Hausarzt-Initiative lanciertGegenvorschlag zur Hausarzt-Initiative lanciert

Die Volksinitiative «Ja zur Hausarztmedizin» erhält Konkurrenz. Der Bunderat hat einen direkten Gegenvorschlag verabschiedet. Darin haben Hausärzte keinen Sonderstatus in der medizinischen Grundversorgung.

storybild

Hausärzte haben im Gegenvorschlag des Bundesrats keinen Sonderstatus in der medizinischen Grundversorgung. Gemäss dem Gegenvorschlag sollen Bund und Kantone für eine allen zugängliche medizinische Grundversorgung von hoher Qualität einsetzen. (Bild: Keystone)

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Der Bundesrat hat am Mittwoch den direkten Gegenvorschlag zur Hausarzt-Initiative verabschiedet. Anders als in der Initiative werde die Hausarztmedizin im Gegenentwurf nicht isoliert betrachtet, teilte das Departement des Innern (EDI) mit.

Die Volksinitiative «Ja zur Hausarztmedizin» fordert, dass Bund und Kantone für eine ausreichende, allen zugängliche, fachlich umfassende und qualitativ hochstehende medizinische Versorgung der Bevölkerung durch Hausärzte sorgen müssen.

Weiter sollen Bund und Kantone die Hausarztmedizin als wesentlichen Bestandteil der Grundversorgung und als in der Regel erste Anlaufstelle fördern. Schliesslich soll der Bund Vorschriften erlassen, unter anderem über die Aus- und Weiterbildung der Hausärzte sowie den Zugang zum Beruf.

Nicht zwingend erste Anlaufstelle

Dies geht dem Bundesrat etwas zu weit: Er schlägt andere Formulierungen vor. Gemäss dem Gegenvorschlag sollen Bund und Kantone für eine allen zugängliche medizinische Grundversorgung von hoher Qualität einsetzen.

Die Hausärzte haben im Gegenvorschlag also keinen Sonderstatus in der medizinischen Grundversorgung. Bund und Kantone sollen die Hausärzte zwar auch gemäss dem Gegenvorschlag als wesentlichen Bestandteil der Grundversorgung fördern, aber nicht unbedingt als erste Anlaufstelle.

Bund soll Ausbildung regulieren

Was die Aus- und Weiterbildung der Hausärzte betrifft, ist der Bundesrat den Initianten entgegengekommen. Im Vorentwurf hatte er vorgeschlagen, dass der Bund nur regulierend eingreift, sofern es die Sicherstellung der medizinischen Grundversorgung erfordert.

Auf diese Einschränkung verzichtet er nun. Im verabschiedeten Gegenvorschlag steht, dass der Bund Vorschriften über die Aus- und Weiterbildung für Berufe der medizinischen Grundversorgung und über die Anforderungen zur Ausüben dieser Berufe erlässt.

Keine Regulation der Löhne

Nach dem Willen des Bundesrates soll der Bund jedoch nicht in die Entlöhnung eingreifen. Im Vorentwurf hatte der Bundesrat vorgeschlagen, dass der Bund über die Abgeltung der Leistungen Vorschriften erlassen kann.

In der Vernehmlassung war der Gegenvorschlag des Bundesrates kritisiert worden. Er nehme weder die Anliegen der Initiative auf, noch löse er die drängenden Probleme, lautete der Tenor.

Vernetzte Versorgung

In seiner Botschaft ans Parlament schreibt der Bundesrat, mit dem direkten Gegenvorschlag würden die berechtigten Anliegen der Initiative aufgenommen, ohne einer einzelnen Berufsgruppe in der Verfassung eine Sonderstellung einzuräumen.

Der Bundesrat anerkenne die Hausarztmedizin als wichtigen Pfeiler der medizinischen Grundversorgung und nehme die Anliegen der Initiative ernst. Die Ausrichtung auf eine einzige Berufsgruppe sei jedoch keine adäquate Lösung.

Im Zentrum des Gegenvorschlags stehe eine vernetzte, koordinierte und multiprofessionell erbrachte medizinische Grundversorgung. Begleitet werde der Gegenvorschlag von einem Massnahmenpaket, das Verbesserungen in der Aus- und Weiterbildung, der Forschung und der Berufsausübung der Hausärztinnen und Hausärzte bringe.

Kein Ärztemangel

Der Bundesrat verabschiedete am Mittwoch auch einen Bericht zur aktuellen ärztlichen Versorgungslage. Laut dem Bericht besteht derzeit kein grundsätzlicher Mangel. Allerdings bildet die Schweiz zu wenig Ärztinnen und Ärzte aus und ist daher auf ausländische Mediziner angewiesen.

Um den heutigen Bedarf eigenständig decken zu können, müssten in der Schweiz 50 Prozent mehr Ärztinnen und Ärzte ausgebildet werden. Eine Erhöhung der Kapazitäten sei angezeigt, schreibt der Bundesrat.

Die Nachfrage müsse und könne jedoch nicht nur mit mehr Personal, sondern auch mit einer Steigerung der Effizienz, besserer Koordination und einem gezielten Einbezug weiterer Gesundheitsberufe bewältigt werden.

(sda)

20min Login Facebook Connect
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

  • Fizzi am 19.09.2011 09:32 Report Diesen Beitrag melden

    Da will sich wohl

    eine Lobby aus Hausärzten die Zukunft vergolden. Ich brauche keinen Hausarzt. Diesen habe ich aufgegeben, nachdem er mich bei jedem Besuch zu einem Spezialisten schickte. Dafür brauch ich keinen Hausarzt der nichts kann aber kräftig mitverdienen will. Für jeden Beruf ist die Weiterbildung eigene Verantwortung. Es kann nicht angehen, dass der Staat für diese aufkommen soll.

  • Susanne am 19.09.2011 08:20 Report Diesen Beitrag melden

    Zumutung

    Ich finde es von Herrn Burkhalter eine Zumutung Pysiotherapeuten und Ernährungsberater auf die gleiche Ebene mit einem Hausarzt zu stellen als erste Anlaufstelle. Das darf ja nicht wahr sein! Da sind WELTEN dazwischen! Ich würde mich bedanken, wenn eine Ernährungsberaterin oder eine Physiotherapeutin über medizinische Interventionen dreinreden würden, welches über ihr Fachwissen gehen würden. Immerhin habe ich mit über 20 notwendige Operationen und mit einem Pflegefachdiplom einiges mehr an Erfahrung, als ein Bundesrat, welcher auch Zuckerchügeli in die Grundversicherung packt!

  • Mario Daetwyler am 17.09.2011 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    Der Bundesrat will Zweiklassen Medizin

    Ohne die in der Initiative vorgesehenen Massnahmen wird die Hausarztmedizin zusammenbrechen. Bereits jetzt hat jeder ältere Arzt grosser Mühe seine Praxis mit einem Nachfolger zu besetzen,so auch mein Hausarzt der es seit vier Jahren ohne Erfolg versucht. Und manche Patienten telefonieren sich heute schon die Finger wund, wenn sie einen neuen Hausarzt suchen.die Zeit der Zweitklassigkeit der Medizinischen Versorgung hat angefangen dank Politiker die leider nur zweitklassig sind