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Politiker gestehen
08. Juni 2012 08:43; Akt: 08.06.2012 12:09 Print
«Ja, wir haben auch schon gekifft»
von Jessica Pfister - Das Ja zur Kiffer-Busse im Parlament kommt nicht von ungefähr. Immerhin haben einige Politiker schon selbst Cannabis konsumiert. Bei Geri Müller ist es noch nicht einmal eine Woche her.
Bei der Debatte über das Betäubungsmittelgesetz wurde deutlich, wer im Parlament ganz sicher noch nie einen Joint gedreht, geschweige denn an einer Tüte gezogen hat. So sprach SVP-Ständerat Peter Föhn
Peter
Föhn
SVP, SZ
StänderatVerbunden mit
Peter Föhn-Heinzer Holding, Muotathal
weitere Verbindungen anzeigen von 100 Joints, die man mit 10 Gramm Cannabis bauen könne. SP-Ständerat Roberto Zanetti
Roberto
Zanetti
SP, SO
StänderatVerbunden mit
FC Gerlafingen, Gerlafingen
weitere Verbindungen anzeigen protestierte darauf: «Ich kann Kollege Föhn vom Hörensagen – nicht etwa aus praktischer Erfahrung, sondern vom Hörensagen – mitteilen: Hundert Joints mit zehn Gramm, das gibt ‹Diätjointlis›, die relativ harmlos sind.»
Obwohl Zanetti mit seinem Hinweis Recht hat - es kommt nicht nur vom Hörensagen, dass er so gut Bescheid weiss. «Ja, ich gebe es zu. Während der Studienzeit habe auch ich gekifft», sagt der 57-jährige Solothurner. Hätte damals ein Party-Gastgeber solche «Diätjointlis» angeboten, wäre dies laut Zanetti wohl nicht gut angekommen. Ob er auch nach dem Studium wieder mal Cannabis konsumiert hat, will der SP-Politiker nicht verraten. Dafür enerviert er sich über diejenigen Politiker, die auch heute noch Cannabis als Einstieg für harte Drogen wie Heroin oder Kokain verteufeln. «Die leben wirklich hinter dem Mond.»
«Anregende Diskussionen nach Kiffen»
Definitiv nicht zur Anti-Cannabis-Fraktion gehört der grüne Nationalrat Geri Müller
Geri
Müller
GPS, AG
NationalratVerbunden mit
Gibellina-Arts AG, Baden
weitere Verbindungen anzeigen. Er steht nicht nur dazu, dass er in jungen Jahren gerne mal eine Tüte geraucht hat, sondern erzählt auch völlig offen, dass er heute noch Gras konsumiert: «Meinen letzten Joint habe ich am vergangenen Samstag geraucht.» Er bezeichne sich selbst als Gelegenheitskiffer, sagt Müller. Ein Joint sei für ihn wie ein gutes Glas Wein. Die Wirkung von Cannabis schätze er vor allem als Stimulans bei Gesprächen mit Freunden. «Nach dem Kiffen entstehen oft sehr anregende Diskussionen.» Ausserdem nutze er Marihuana gesundheitlich als schmerzlinderndes und entzündungshemmendes Mittel. «Bei einer Lungenentzündung hat mir Cannabis-Tee sehr geholfen.»
So gut wie Müller kennt sich FDP-Ständerätin Christine Egerszegi
Christine
Egerszegi
FDP-Liberale, AG
StänderatVerbunden mit
Schweizerische Stiftung für eine verantwortungsvolle Gentechnik (GEN SUISSE), Bern
weitere Verbindungen anzeigen nicht mit dem Betäubungsmittel aus - obwohl auch sie schon gekifft hat. «Das war während meiner Studienzeit in Lausanne - und ich warte heute noch auf die Wirkung», sagt die 64-Jährige und lacht. Damals habe jeder gekifft, und sie als neugierige Person habe ebenfalls mitreden wollen. Dennoch hat sie es viele Jahre später nicht sofort realisiert, als ihr Sohn in ihrem Garten ein Hanfpflänzchen zog. Erst nachdem ihr auffiel, wie liebevoll er diese Pflanze hegte und pflegte, schaute sie genauer hin. «Ich habe das Pflänzchen geduldet, nur wenn Besuch kam, hab ich den Topf hinter der Garage versteckt.» Sie sei aber auch nicht traurig gewesen, als aus der Ernte nichts wurde.
«Keine Kontrolle verlieren»
Um kiffende Kinder muss sich ihre Parteikollegin Karin Keller-Sutter
Karin
Keller-Sutter
FDP-Liberale, SG
StänderatVerbunden mit
St. Galler Stiftung für internationale Studien, St. Gallen
weitere Verbindungen anzeigen keine Sorgen machen. Wie Egerszegi befürwortet auch die ehemalige Präsidentin der Justiz- und Polizeidirektorenkonferenz das mildere Bussen-System für Cannabiskonsumenten. Keller-Sutter hatte ihre erste und einzige Erfahrung mit Cannabis mit jungen 16 Jahren. «Ich mag es nicht, die Kontrolle über mich selbst zu verlieren», sagt die 48-Jährige. Deshalb trinke sie bis heute auch nur wenig Alkohol.
Bessere Voraussetzungen für eine Kifferkarriere hatte SP-Nationalrat Andy Tschümperlin
Andy
Tschümperlin
SP, SZ
NationalratVerbunden mit
Luftseilbahn Rickenbach-Rotenflue, Rickenbach SZ
weitere Verbindungen anzeigen. Mit Rastalocken bis über die Schultern und umgeben von kiffenden Reggaefans am legendären Bob-Marley-Konzert im Jahr 1980 in Zürich war auch Tschümperlin «stoned» - allerdings nur vom Passivrauchen, wie er sagt. «Ich hatte immer zu viel Respekt und Angst vor Cannabis.»
Kiffer auch aus der SVP
Zumindest ausprobiert haben es dafür Jungpolitiker der Kiffer-kritischen SVP. So stehen sowohl Natalie Rickli
Natalie
Rickli
SVP, ZH
NationalratVerbunden mit
Vereinigung Aktion Medienfreiheit
weitere Verbindungen anzeigen als auch Lukas Reimann
Lukas
Reimann
SVP, SG
NationalratVerbunden mit
Schweizerzeit Verlags AG, Flaach
weitere Verbindungen anzeigen offen dazu, schon Cannabis geraucht zu haben. Beide haben als einzige SVP-Nationalräte für das Bussensystem gestimmt. Es sei sicher besser, kein Gras zu rauchen, sagt Rickli dazu. «Ich finde es aber auch falsch, Kiffer wie Kriminelle zu behandeln.»
Es geht darum, anderen Menschen nicht zu schaden. Bei den Geschwindigkeitslimiten und anderen Verkehrsregeln geht es darum, die Unfallgefahr und somit Gefährdung von Leben zu minimieren. Wenn jemand einen Joint raucht, gefährdet er damit niemanden (sofern er nicht Auto fährt), weshalb sollte es dann verboten sein? – Ralph Wagner
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Alle 253 Kommentare

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Positiv und negativ
Ich weiss nicht ob es stimmt, doch wenn diese Droge ohne Nebenwirkungen schwerkranke Menschen schmerzfrei macht, dann sollte man sie zu eben diesem Zweck erlauben. Ausserdem sei Papier aus Hanf erstens umwelt- freundlicher herzustellen und zweitens feiner als Papier aus Bäumen. Die Droge aber freizugeben und als Genuss- mittel zu erlauben, halte ich für problematisch. Vor allem wenn ich einige Kommentare hier lese: Hanf soll nach einiger Zeit negativ auf die Hirntätigkeit wirken... :-)
Werte Politiker
Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetzt ist ein Offizialdelikt. Nimmt hetzt die Staatsanwaltschaft eine Untersuchung zu den Aussagen auf? Der Normalbürger wird anhand solcher Aussagen angezeigt!
Lieber Polizist
Der "ungesetzliche Grenzübertritt" war in der DDR eine Widerhandlung gegen § 213 Abs. 2 des StGB der DDR und daher eine strafbare Handlung. - Beide Gesetze (Drogenverbot und Republikflucht) verstossen gegen Freiheit und Menschenrechte...Der Krieg gegen Drogen hat übrigens weit mehr Menschenleben gekostet als der "Eiserne Vorhang". P.S.: Nur weil etwas Gesetz ist, ist dies noch längst nicht richtig so.
Elendiglich...
Diese Diskussion.... Da wird alles vermischt und jeder redet mit. Es ist schon mal ein Unterschied, ob man ein Rauschmittel als GENUSS-Mittel oder als leistungssteigernde DROGE einsetzt. Zumindest wird ja behauptet, Cannabis steigere die Leistungsfähigkeit. Ist für mich nicht nachvollziehbar - ebensowenig wie die dauerbekifften, die auf den Bahnhöfen mit der "Guuge" in der Hand herumhängen. Eine "Guuge" raucht man aus demselben Grund, weshalb man auch in Gesellschaft ein Gläschen Wein trinkt - man will sein Bewusstsein derart verändern, dass man einen Genuss verspürt. Punkt. Aus. Micky Maus.