Schneeräumung

06. Januar 2017 17:01; Akt: 06.01.2017 22:03 Print

«Strassen können nicht jederzeit perfekt sein»

von V. Fehlmann - Zwischen Reichenburg SZ und Bilten GL ist es am Freitag zu einer Massenkarambolage gekommen. Nun werden Vorwürfe gegen den Strassenunterhalt laut. Das Astra wehrt sich vehement.

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Massencrash bei der Verzweigung Reichenburg: Die Autobahn A3 Richtung Chur musste gesperrt werden. Nach ersten polizeilichen Erkenntnissen war «dichtester Nebel» der Grund, dass auf der Autobahn in Fahrtrichtung Chur gegen 40 Fahrzeuge verunfallten. Diese Zahl meldete die Polizei am Nachmittag, nachdem sie zuvor von rund 50 Fahrzeugen gesprochen hatte. Sechs Ambulanzfahrzeuge standen im Einsatz. Die A3 musste auf beiden Seiten zwischen Reichenburg SZ und Schänis SG gesperrt werden. Wie es zur Massenkarambolage kommen konnte, ist derzeit noch unklar. Feuchtigkeit und Nebel führten am Morgen an exponierten Stellen zu Glatteis, schreibt viasuisse. Die Polizei transportierte ein Auto nach dem anderen ab. Die Räumungsarbeiten dauerten bis am Abend an. Der Unfall führte zu zahlreichen Staus. Gemäss Kantonspolizei Glarus gab es 17 Verletzte. Sie wurden in umliegende Spitäler gebracht. Augenzeugen beschrieben die Situation als «dramatisch». «Plötzlich fuhr man direkt in eine Nebelwand rein», sagte ein Augenzeuge. Ausserdem soll die Strasse eisig glatt gewesen sein. Auch drei Rega-Helikopter waren vor Ort. Zurzeit des Unfalls herrschte dichter Nebel. Heikle Verhältnisse: Autolenker mussten schon die letzten Tage bei vereisten oder verschneiten Strassen besonders vorsichtig fahren. (4. Januar 2017) Schneechaos auf der A1 zur Mittagszeit am Donnerstag: Der Verkehr staute sich zwischen Zürich-Seebach und Winterthur, hier auf der Höhe von Illnau-Effretikon. (5. Januar 2017) Auch in Volketswil ZH standen die Lastwagen quer. (5. Januar 2017) Es gab einige Blechschäden. (5. Januar 2017) Die A1 bei Winterthur zur Mittagszeit. (5. Januar 2017) Es musste mit Wartezeiten bis zu zwei Stunden gerechnet werden. (5. Januar 2017) Der Stau auf der A1 bei Wallisellen. (5. Januar 2017) Der TCS empfahl für Reisende nach St. Gallen und St. Margrethen ab Verzweigung Limmattal die A3/A13 in Richtung Chur zu benützen. (5. Januar 2017) Geduld: Autofahrer warteten auf der Autobahn A1 in Richtung Winterthur im Stau bei Dübendorf. (5. Januar 2017) Mehrere Stunden betrug die Wartezeit. (5. Januar 2017) Warten, warten, warten – die Lenker mussten sich gedulden. (5. Januar 2017)

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Insgesamt 40 Autos sind am Freitagmorgen bei einer Massenkarambolage auf der A3 im Kanton Glarus verunfallt. 17 Personen wurden verletzt, die Autobahn musste für Stunden gesperrt werden. Mitschuld am verheerenden Unfall ist der Nebel. Doch auch die Strassenverhältnisse waren besonders gefährlich.

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Das sei schon gestern so gewesen, meint eine Leserin: «Ich war gestern auf der A3 von Zürich Richtung Walensee unterwegs. Auf den Autobahnabschnitten im Kanton Zürich und Schwyz war alles gut, die Fahrbahn war sauber. Doch im Kanton Glarus wars plötzlich gefährlich: Die Strasse war glatt, mit 3-5 Zentimetern Schnee bedeckt und rutschig.» Sie habe nicht gewagt, schneller als 40 Stundenkilometer zu fahren.

Grenzen der Zuständigkeit werden sichtbar

Laut Thomas Rohrbach, Sprecher des Bundesamts für Strassen (Astra), muss bei den aktuellen Wetterverhältnissen jederzeit mit schneebedeckten oder glatten Fahrbahnen gerechnet werden. «Es gibt keine Garantie für schwarze Fahrbahnen.» Selbst wenn geräumt wurde, könne es kurz darauf wieder zu Glatteis kommen – etwa wenn Schmelzwasser erneut gefriert oder die Nebelfeuchtigkeit sich auf der Fahrbahn absetzt. «Auch die Wetterverhältnisse können sich gerade in der Schweiz sehr schnell ändern. Und es ist nicht möglich, überall gleichzeitig zu räumen.»

Rohrbach betont, dass in diesem Winter beim Astra noch keine einzige Beschwerde bezüglich des Winterdienstes eingegangen sei. Doch er ergänzt: «Natürlich mag manchmal der Eindruck entstehen, dass in einer Gebietseinheit besser geräumt wird als in einer anderen.» Dem sei aber nicht so. Vielmehr würden hier die Grenzen zwischen den einzelnen Zuständigkeitsgebieten kurzfristig sichtbar, weil die Fahrzeuge der einen Region am betroffenen Grenzabschnitt früher räumen oder salzen als jene der Nachbarregion.

«Man muss sich anpassen»

Auch gehe es keinesfalls ums Sparen, denn die Winterdienste werden per Aufwand bezahlt. So ist klar geregelt, was wie viel kostet. Im Jahr 2010 wurden etwa für den Schneepflug pro Einsatzstunde 70 Franken verrechnet. Die Schneefräse kostete 225 Franken und Salzen wurde mit 55 Franken pro Einsatzstunde verbucht. Bezahlen tut das Astra.

Für die Strassenräumung sind die 45 Werkhöfe in der Schweiz verantwortlich. Detektoren in den Fahrbahnen und Meteo Schweiz liefern ihnen Daten, um die Einsätze möglichst zu optimieren. Dabei schaut nicht jeder Kanton für sich. Es gibt insgesamt elf Gebietseinheiten, die kantonsübergreifend die Räumungen koordinieren. Das erklärt auch den Unterschied des Strassenzustandes auf der A3, der der Leserin aufgefallen ist: Während Schwyz und Zürich zur Gebietseinheit 7 zählen, gehört Glarus zur Gebietseinheit 6. Die Räumungen werden also von unterschiedlichen Stellen koordiniert. Von den Verantwortlichen der Gebietseinheit 6 war am Freitag für eine Stellungnahme gegenüber 20 Minuten niemand erreichbar.

Rohrbach appelliert jedoch an die Autofahrer: «Jeder muss seine Verantwortung wahrnehmen. Es kann nicht alles jederzeit in perfektem Zustand sein. Man muss sich deshalb immer den Verhältnissen anpassen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Joya am 06.01.2017 17:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bergler

    Liebe Flachlandindianer. Bleibt bei Schnee am besten Zuhause und fährt auf keinen Fall Auto. Und wenn Tempo anpassen, vorausschauen und schon klappt es.

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  • snowdown am 06.01.2017 17:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    slowdown take it easy

    Einfach das Tempo reduzieren... ganz einfach

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  • Realist am 06.01.2017 17:10 Report Diesen Beitrag melden

    Eigenverantwortung ist gefragt

    Jeder sieht doch das die Strasse heikel ist und eine Nebelwand kann auch mit dem bessten Strassendienst nicht beseitigt warden. Jeder muss so fahren das es rechtzeitig sttehen bleiben kann. Der Strassendienst verbessert die Situation wenn es geht aber einschätzen wie es aktuell und local ist muss immer noch der Autofahrer. Mindestens einige der Fahrer müssten schlicht wegen nicht beherrschen des Fahrzeuges angeklagt warden. Jeder der nicht rechtzeitig halten konnte. (Die die geschoben wurden sind von der Anklage ausgenommen)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Chris am 07.01.2017 20:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sparen sparen sparen

    Der winterdienst arbeitet gut und ein riesen Danke an alle die zu jeder Tages und Nachtzeit für uns die Straßen räumen. Leider wird auch in diesem Bereich immer mehr gespart damit wir unsere Sozialausgaben noch weiter erhöhen können... Unser Land spart immer mehr Bereiche einfach kaputt...

  • Alpöhi 1 am 07.01.2017 19:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eisige Straßen

    Abstand gleich Anstand vorausgesetzt man hat eine Priese davon

  • Alfonso am 07.01.2017 19:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Autofahrer

    Ich stelle bei den meisten Autofahrern fest das sir nochmal die autoprüfung absolvieren sollten von ihren fahrverhalten: 1. Überhaupt kein Abstand 2. Egoistisches Fahrverhalten 3. Drängeln bis geht nicht mehr! Liebe Autofahrer und Autofahrerin zeigt bitte mehr mitverantwortung und scha ut nicht nur auf euch ihr müsst auch an die anderen denken ihr seit schliesslich nicht die einzigen auf den strassen! Danke

  • egal am 07.01.2017 17:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schnee

    die schweizer autofahrer sind einfach arrogante, ehoistische menschen und deswegen haben wir solche unfälle. ich lebte lange in kanada und dort gibt es mehr schnee und weniger unfälle. rücksicht ist das zauberwort!!

  • Biltnerin am 07.01.2017 17:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Streckenabschnitt

    1. Die Strecke ist bei trockener Fahrbahn weiss vor Salz 2. es ist eine gerade Strecke 3. nach der Einfahrt Reichenburg hat es eine Tafel mit Blinklicht - Vorsicht Nebel - Abstand halten 4. hat es auf der Unfallhöhe fliessendes und stehendes Gewässer 5. das Gebiet ist für starke Seitenwinde bekannt 6. die Temperaturen zu der Zeit waren bei -9 Grad Wie kann man also eine Nebelwand auf einer geraden Strecke nicht kommen sehen? Wie kann man überrascht sein, dass der Boden wieder vereist ist, trotz Salz? Aber wie bei allem was passiert-niemand übernimmt Eigenverantwortung-Schuld sind immer Andere