Zürcher Hauptbahnhof

12. März 2016 17:21; Akt: 13.03.2016 19:07 Print

Aktivisten verteilen tausend 10er-Nötli

von Simon Beeli - Zum Auftakt der Abstimmungskampagne für ein bedingungsloses Grundeinkommen überraschen die Initianten mit einer speziellen Aktion.

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Am Morgen des 4. Oktober 2013 glänzte der Bundesplatz in Bern in goldenem Schein. Die Initianten der Initiative für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens hatten in einem Lastwagen 8 Millionen Fünfräppler angekarrt und unter die Leute gebracht. Eine Aktion, die nicht nur bei Touristen für Aufsehen sorgte.

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Jetzt, drei Monate vor der Abstimmung, wollen die Initianten erneut für Furore sorgen. Am kommenden Montagmorgen um 7.15 Uhr verteilen sie beim Treffpunkt im Zürcher Hauptbahnhof tausend 10er-Nötli – echtes Geld, wohlverstanden.

Abstimmungs-Flyer

Die Banknoten sind der offizielle Abstimmungs-Flyer für die nationale Volksabstimmung für ein bedingungsloses Grundeinkommen vom 5. Juni 2016. In einer halben Stunde sollen tausend Flyer im Wert von 10'000 Franken verteilt werden.

Angst, dass die Aktion am frühen Montagmorgen aus dem Ruder laufen könnte, haben die Verantwortlichen nicht. «Wir glauben nicht an einen Mega-Ansturm», sagt Daniel Graf, der für die Kampagne mitverantwortlich ist, «im Gegenteil, viele werden eher skeptisch sein und nicht daran glauben, dass es sich um echtes Geld handelt.» Nur wer neugierig sei, werde auch Geldscheine abholen.

Graf ist froh, wenn möglichst viele Leute kommen. «Wir sind gut vorbereitet und haben genügend Helfer.» Doch sei es nicht so einfach, den Leuten bedingungslos Geld zu geben. «Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass sich viele Schweizerinnen und Schweizer gar nicht vorstellen können, einfach so Geld zu bekommen», erklärt Graf. Deshalb habe man die 10er-Note als Symbol für den Abstimmungskampf genommen und mit entsprechenden Klebern versehen.

10er-Note zum Sinnbild für Grundeinkommen

Dass die Flyer-Kosten von über 10 Franken relativ teuer sind, dessen ist sich auch Graf bewusst. «Die Aktion wird über Spenden gedeckt und lohnt sich: Die Note mit dem Grundeinkommen-Kleber geht von Hand zu Hand und wird zum Gesprächsthema.» Den Vorwurf, Stimmen zu kaufen, verneint Graf. «Statt teure Flyer zu drucken und die Schweiz mit Plakaten zu zukleistern, setzen wir lieber bedingungslos Flyer als Banknoten in Umlauf.»

In den nächsten Tagen würden weitere Aufkleber an einige zehntausend Sympathisanten geschickt. Auch diese sollten ihren Platz auf einer Banknote finden. So soll die Aktion im kleinen Rahmen fortgesetzt und die 10er-Note zum Merkzettel im Portemonnaie werden. «Wir rechnen damit, dass Nötli mit Aufkleber im Umfang von 100'000 Franken im Umlauf sein werden», ist Graf überzeugt.

Keine Chance im Parlament

Am 5. Juni 2016 stimmt die Schweizer Bevölkerung als erstes Land weltweit über ein bedingungsloses Grundeinkommen ab. Alle in der Schweiz lebenden Menschen sollen unabhängig von einer Erwerbstätigkeit, Alter, Vermögen oder Gesundheitszustand ein Grundeinkommen erhalten.

Die Initianten, eine Gruppe aus Künstlern, Publizisten und Intellektuellen, überlassen die Höhe des Grundeinkommens dem Parlament. Einige Befürworter haben pro Erwachsenen 2500 Franken pro Monat und 625 Franken für jedes Kind vorgeschlagen. So soll der ganzen Bevölkerung ein menschenwürdiges Dasein und die Teilnahme am öffentlichen Leben ermöglicht werden.

Doch die Initiative dürfte es schwer haben an der Urne. Das bedingungslose Grundeinkommen hatte im Parlament keine Chance. National- und Ständerat haben das Anliegen klar abgelehnt.


Grundeinkommen-Aktivisten bringen 8 Millionen Fünfräppler auf den Bundesplatz

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ToniMacheroni am 12.03.2016 17:31 Report Diesen Beitrag melden

    danke für das Geld

    Das zeigt doch, dass es bereits ab dem 1001-ten Geldnehmer (Bürger) scheitert - weil es einfach zu teuer ist (und das schon bei 10.- pro Person).

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  • Dagobert am 12.03.2016 17:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bin dabei

    Na dann werde ich ein paar mal dort durchlaufen am HB, man sieht sich ;)

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  • Junker am 12.03.2016 18:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wird niemals angenommen

    Meines erachtens wird diese Initiative niemals angenommen. Egal ob sie gut sein mag oder nicht. Aber jeder der einer Arbeit nachgeht und jeden Morgen aufsteht wird doch nicht dafür stimmen, dass andere liegen bleiben dürfen und trotzdem ein Einkommen haben? Deshalb mach ich mir keine Sorgen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Phil am 12.03.2016 19:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schöne Schweiz

    Wieso sollen wir denn noch arbeiten? Wo bleibt der Ehrgeiz? Die Einwanderungszahlen werden explodieren! Und wer zahlt? Die fleissigen Schweizer die als Einzige noch arbeiten, weil sie es gerne tun.

  • Luna am 12.03.2016 19:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sagen Sie JA?

    Dann werden Sie also JA abstimmen? Gratis Geld mögen Sie anscheinend....

  • s.himü am 12.03.2016 19:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    find i gut

    Natürlich geht es nicht darum stimmen zu kaufen. Also meine kostet mehr als 10 Franken. Meine unterstützung haben die sowieso, auch wenn ich am Montag nicht dort sein werde

  • Markus am 12.03.2016 19:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer arbeitet dann noch?

    wenn ich 2500.- bekomme und meine Frau auch 2500.- und für 2 Kinder noch je 625.-, dann haben wir Ende Monat 6250.- Franken ohne etwas zu tun. Klar dass ich dann nicht mehr um 7.00 Uhr auf der Baustelle stehe bei regen und Schnee, wo ich bisher 5500.-- verdiene. Denke meinen Kollegen wird es auch nicht anders gehen. Wer arbeitet dann noch auf dem Bau, im Altersheim, in der Reinigung, im Gastgewerbe, im Detailhandel? Niemand! Und wer bezahlt dann die horrenden Steuern um all die Grundeinkommen zu zahlen???

  • selberdenkenmachtfreude am 12.03.2016 19:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sinnlose jobs

    nach annahme der initiative würden zehntausende von total überflüssigen werbeaktionen für irgendwelche sinnlosen leistungen/produkte wegfallen; und logischerweise auch die zehntausende von sinnlosen jobs (künstlich erhalten). wie schön ruhig wäre es dann wohl in unserer welt? ich freue mich riesig darauf!