«Asylunwürdig»

02. Juli 2017 15:06; Akt: 03.07.2017 08:54 Print

Schwuler Nigerianer als Flüchtling anerkannt

Der in Nigeria verfolgte O. darf in der Schweiz bleiben. Nach langjährigem Hin und Her hat der Bund seine Einschätzung geändert – obwohl O. «asylunwürdig» bleibt.

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Offenbar erfolgreich: Im April 2014 demonstrierten Aktivisten vor dem Berner Amthaus gegen die drohende Ausschaffung von O. (2. April 2014) Bild: Manu Friederich

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Die drohende Ausschaffung des schwulen Nigerianers O. hat landesweit für Schlagzeilen und Proteste gesorgt. Laut einer Meldung des «SonntagsBlick» hat das Staatssekretariat für Migration (SEM) aber eine Kehrtwende gemacht. Der Nigerianer werde als Flüchtling anerkannt und dürfe vorerst in der Schweiz bleiben.

Als Grund für das Einlenken schreibt die Zeitung, dass ein Angestellter der Schweizer Botschaft in Nigeria eigens ins Heimatdorf des Nigerianers gereist sei und Abklärungen vor Ort getätigt habe. Die Bewohner des Dorfes bestätigten dabei offenbar, dass der Nigerianer aufgrund seiner Homosexualität unter Todesdrohungen aus dem Dorf vertrieben worden war.

Weiterhin «asylunwürdig»

Das SEM hatte diese Fluchtgeschichte vorher nicht geglaubt. O. stellte 2010 ein Asylgesuch in der Schweiz, das SEM trat aber nicht darauf ein und ordnete die Ausschaffung an. 2014 wurde O. gefunden und in Ausschaffungshaft gesteckt. Das führte zu Schlagzeilen und Protesten.

Der Entscheid fiel gemäss dem Menschenrechtsverein Humanrights.ch bereits im Januar 2017. Wegen eines Verstosses gegen das Betäubungsmittelgesetz bleibt O. trotzdem «asylunwürdig».

Homosexualität ist in Nigeria ein Verbrechen

In Nigeria ist Homosexualität strengstens verboten, es drohen jahrelange bis lebenslange Haftstrafen. Umfragen im Rahmen «Global Attitudes Project» des US-Meinungsforschungsinstituts Pew zeigen regelmässig, dass in Nigeria – wie in den meisten Ländern in Subsahara-Afrika – klar über 80 Prozent der Bevölkerung finden, die Homosexualität sei «inakzeptabel».

Der Freund von O. reiste gemäss Humanrights.ch bereits im Juni 2011 selbstständig nach Nigeria zurück und musste dort nach einigen exorzistischen Ritualen öffentlich bekannt geben, dass er von seiner Homosexualität «befreit» sei.

Im April 2016 bekam die Schweiz diese Schwulenfeindlichkeit direkt zu spüren, als gemäss nigerianischen Medien die nigerianische Regierung eine Untersuchung gegen einen schwulen Schweizer Diplomaten einleiten wollte. Nach einigen Tagen bestritt die nigerianische Regierung die Berichte und nannte sie «verleumderisch».

(mch)