Gleichstellung

22. Februar 2012 13:15; Akt: 06.03.2012 14:43 Print

Mehr Adoptionsrechte für Homosexuelle

Der Bundesrat will Homosexuellen erlauben, die Kinder ihrer Partner zu adoptieren. Bei der allgemeinen Adoption bleibt er aber strikt und lehnt eine uneingeschränkte Öffnung ab.

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Der Bundesrat will gleichgeschlechtlichen Paaren nach wie vor keine uneingeschränkte Öffnung der Adoption zugestehen. (Bild: Keystone)

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Homosexuelle sollen die Kinder ihrer Partner adoptieren dürfen. Der Bundesrat hält dies im Interesse des Kindeswohls für angebracht. Eine uneingeschränkte Öffnung der Adoption für Schwulen- und Lesben-Paare lehnt er aber ab.

Nach dem Willen des Bundesrates sollen Homosexuelle in eingetragenen Partnerschaften nur Stiefkinder adoptieren dürfen, also Kinder aus einer früheren Beziehung oder einer vorangegangenen Adoption der eingetragenen Partnerin oder des Partners.

Die Stiefkindadoption durch gleichgeschlechtliche Paare würde die Kinder in eingetragenen Partnerschaften jenen in Ehen rechtlich gleichstellen, schreibt der Bundesrat in seiner am Mittwoch veröffentlichten Antwort auf eine Motion der ständerätlichen Rechtskommission.

Obwohl bereits heute viele Kinder in einer solchen Beziehung aufwachsen würden, könnten sie gegenwärtig nicht im gleichen Mass rechtlich abgesichert werden wie Kinder verheirateter Paare.

Generelle Öffnung «nicht opportun»

Dass gleichgeschlechtliche Paare generell Kinder adoptieren können, will der Bundesrat hingegen nicht. Er begründet dies mit mangelnder gesellschaftlicher Akzeptanz und erinnert an die Abstimmung zum Partnerschaftsgesetz. Das Stimmvolk hatte das Gesetz, das registrierte Partnerschaften ermöglicht, gutgeheissen.

Die breite Akzeptanz hat nach Überzeugung des Bundesrates wesentlich damit zu tun, dass mit dem neuen Gesetz die Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Personen beseitigt werden konnte, ohne dass gleichzeitig eingetragenen Paaren die Adoption und die medizinisch unterstützte Fortpflanzung ermöglicht wurde.

Vor diesem Hintergrund halte er die uneingeschränkte Öffnung der Adoption für gleichgeschlechtliche Paare zum heutigen Zeitpunkt «nicht für opportun», schreibt der Bundesrat. Deshalb empfiehlt er die Motion der ständerätlichen Rechtskommission zur Ablehnung.

Unabhängig von sexueller Orientierung

Geht es nach der Ständeratskommission, sollen künftig alle Erwachsenen, ungeachtet ihres Zivilstandes und ihrer Lebensform, ein Kind adoptieren können. Bedingung ist, dass die Adoption für das Kind die beste Lösung ist. «Regenbogenfamilien» seien eine gesellschaftliche Realität, argumentierte die Kommission.

Auslöser für die Motion war eine Petition. Diese verlangt eine Ausgestaltung des Adoptionsrechts, die im Interesse des Kindes ist und nicht vom Zivilstand und der sexuellen Orientierung der adoptionswilligen Personen und Paare abhängt.

Der Ständerat wird in der Frühjahrssession über die Motion entscheiden. Zustimmen müsste anschliessend auch noch der Nationalrat. Dieser hatte sich zuletzt gegen Änderungen ausgesprochen. Er lehnte es mit 97 zu 83 Stimmen bei 8 Enthaltungen ab, der Petition Folge zu geben.

Für Diskussionen sorgte im vergangenen Jahr auch ein Urteil des Bundesgerichts. Das Gericht kam zum Schluss, dass einer lesbischen Zürcherin die Adoption der Tochter ihrer Partnerin zu Recht verwehrt wurde. Eine Stiefkinderadoption wäre in vergleichbarer Situation auch einem Ehepaar nicht erlaubt worden, argumentierte das Gericht. Es hielt aber auch fest, das Adoptionsverbot für eingetragene Paare sei eindeutig. Wenn eine Änderung herbeigeführt werden solle, sei dies Sache des Gesetzgebers.

(sda)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Würdest du so jemanden hänseln oder von wem redest du? Kinder die nur ein Elternteil haben wurden früher stark gehänselt, heute kaum noch. Es ist eine Einstellungs- und Gewöhnungssache. Wer hätte gedacht, dass die Menschheit ewig gleich bleibt.... – Peter Falk

Es wird immer wieder vergessen, dass das Kindswohl im Vordergrund stehen muss, und nicht egoistischer Eigennutz oder -wunsch. Man kann nicht den 5er und das Weggli haben. Kinder, die dann gehänselt werden und anschliessend psychiatrisch behandelt werden müssen, können nicht die Lösung sein. Wenn man sich für einen Weg (sprich Ausleben der Homosexualität) entschieden hat, dann soll man auch die Konsequenzen (sprich keine Kinder) tragen. Alles andere ist inkonsequent und eben vor allem nur rein egoistisch!... – Speedy Conzales

Heteros werden getestet, interviewt, psychologisch auseinandergenommen, etc. etc. und Homos dürfen gar nicht. Ich appeliere mal an die Vernunft: Wieso darf dann jedes vermehrungsfähige Paar Kinder in die Welt stellen und diese vernachlässigen? Immer wieder sieht man Szenen in Quartieren, bei denen man sich fragt, wo da der Schutz der Kinder ist! Umdenken Leute! Das Problem sind nicht Mitschüler, sondern deren Eltern die Kinder mit Intoleranz erziehen! Alle Gegner hier werden wohl Ihren Teil dazu beitragen, dass die Gesellschaft auf Niveau "stur" bleibt! – Kathryn Janeway

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fredrik am 22.02.2012 14:40 Report Diesen Beitrag melden

    Problematisch

    Wenn zwei sich lieben, dagegen kann man nichts einwenden, da muss das paar selbst wissen worauf sie sich einlassen möchten/müssen. Aber eine Adoption von Kindern sehe ich nicht so einfach. Einerseits dürfte bei Kindern aus früherer Beziehung noch ein Elternteil da sein und andererseits wenn die Kinder deswegen gehänselt werden... Und wenn ich das richtig verstanden habe, könnte ja jetzt ein gleichgeschlechtliches Paar eine kurze Affäre mit dem anderen Geschlecht beginnen und hätte danach ein Kind aus früherer Beziehung? Kann das sein?

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  • Kathryn Janeway am 22.02.2012 15:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    traurige Gesellschaft!

    Heteros werden getestet, interviewt, psychologisch auseinandergenommen, etc. etc. und Homos dürfen gar nicht. Ich appeliere mal an die Vernunft: Wieso darf dann jedes vermehrungsfähige Paar Kinder in die Welt stellen und diese vernachlässigen? Immer wieder sieht man Szenen in Quartieren, bei denen man sich fragt, wo da der Schutz der Kinder ist! Umdenken Leute! Das Problem sind nicht Mitschüler, sondern deren Eltern die Kinder mit Intoleranz erziehen! Alle Gegner hier werden wohl Ihren Teil dazu beitragen, dass die Gesellschaft auf Niveau "stur" bleibt!

  • craig am 22.02.2012 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    ich bin dagegen

    weil es nicht dem kindeswohl entspricht. ich habe es selber miterlebt wie bei uns ein schüler gemobbt und verprügelt wurde weil er zwei mütter hatte und der junge hat nur gelitten und am schluss musste er in die psyche weil er sich umbringen wollte. Er hat auch nie verstanden warum er anderst aufwächst wie die anderen. Ich persönlich hab nix gegen homosexuelle aber ein kind muss beide seiten kennenlernen und das hat nix mit altmodisch zu tun. wir haben den jungen probiert zu helfen am schluss ist er auf die mutter los und warum weil sie nur an sich gedacht hatte. hier geht es nicht um das kind

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Marc Straumann am 22.02.2012 17:46 Report Diesen Beitrag melden

    Erst Lesen dann Reden

    Es geht in dem Artikel darum das die Leiblichen Kinder des einen Partners in ein Heim oder zu fremden Leuten kommen, die sie nicht kennen, wenn ihr leiblicher Vater / Mutter stirbt weil sie nicht vom andern Partner adopdiert werden darf laut Gesetzt (sog, Stiefkind Adoption). Das im Text beschrieben Gesetz gilt nicht für Paare die keine kinder haben.

  • Taifunny am 22.02.2012 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    Hänselei?!

    Dieses Argument 'Gehänselt werden' ist doch ein blöder Vorwand. Ich wurde gehänselt, Mitschüler wurden gehänselt, jeder wurde mal in irgendeiner Form von anderen gehänselt - und keiner von denen hatte homosexuelle Eltern. Deswegen ist das Argument reichlich schwach. Meinem Neffen erkläre ich, dass es versch. Elternpaare gibt - er kommt gar nicht auf die Idee, das komisch zu finden und deswegen andere zu schikanieren sondern akzeptiert es als Bestandteil unserer Gesellschaft.

  • Beat Liebherr am 22.02.2012 16:24 Report Diesen Beitrag melden

    information

    es gibt übrigens ein buch mit interviews von kindern von homosexuellen paaren, es heisst: und was sagen die kinder dazu. diese kinder äussern sehr selten dass sie probleme mit dem thema haben. also anstatt in unwissenheit zu behaupten man müsse die kinder davor schützen, zuerst mal informieren.

  • Anna Müller am 22.02.2012 15:44 Report Diesen Beitrag melden

    wo ist das Problem?

    wer sagt, dass Heterosexuelle bessere Eltern sind? Es gibt ja wohl genug schlechte Beispiele. Da würde ich lieber von einem homosexuellen Paar erzogen werden... ich finde, es kommt darauf an wie liebevoll die Kinder erzogen werden, nicht welches Geschlecht die Elternteile haben.

  • Speedy Conzales am 22.02.2012 15:35 Report Diesen Beitrag melden

    Egoismus pur! Das Kindeswohl ist wichtig

    Es wird immer wieder vergessen, dass das Kindswohl im Vordergrund stehen muss, und nicht egoistischer Eigennutz oder -wunsch. Man kann nicht den 5er und das Weggli haben. Kinder, die dann gehänselt werden und anschliessend psychiatrisch behandelt werden müssen, können nicht die Lösung sein. Wenn man sich für einen Weg (sprich Ausleben der Homosexualität) entschieden hat, dann soll man auch die Konsequenzen (sprich keine Kinder) tragen. Alles andere ist inkonsequent und eben vor allem nur rein egoistisch!...

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