Knapper Boden

22. Februar 2017 21:09; Akt: 22.02.2017 21:23 Print

Wieso erdrückt eine 10-Mio-Schweiz die meisten?

Nur 7 Prozent der Stimmbürger können sich laut einer Umfrage eine 10-Millionen-Schweiz vorstellen. Auch bei linken Wählern ist die Skepsis gross.

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Die Bevölkerung in der Schweiz wächst. Laut dem Bundesamt für Statistik dürfte die Schweiz schon 2040 mehr als 10 Millionen Einwohner zählen. Nun zeigt die gewichtete Vimentis-Umfrage 2017: Das Szenario macht vielen Stimmbürgern Bauchweh.

So sind gerade einmal 7 Prozent der Meinung, dass es in der Schweiz Raum für mehr als 10 Millionen Menschen gibt. Knapp jeder Dritte sagt, dass es Platz für 8 bis 10 Millionen gibt. Für fast jeden Zweiten ist die Schweiz schon heute überbevölkert. Zwar ist die Skepsis bei SVP-Wählern am grössten. Doch auch bei den Anhängern von Grünen und SP gaben nur je 16 Prozent an, dass es hierzulande Wohnraum für mehr als 10 Millionen Menschen gibt.

«Es hätten 12 Millionen Platz»

SP wie Grüne lehnen eine Begrenzung der Zuwanderung mittels Höchstzahlen ab, wie dies die SVP-Masseneinwanderungs-Initiative verlangte. Laut Grünen-Fraktionschef Balthasar Glättli politisiert die Partei trotzdem nicht an der Basis vorbei: «In der Schweiz hätten durchaus 12 Millionen Einwohner und mehr Platz. Das bedingt jedoch zwingend eine klügere Raumplanung. Daran zweifeln die Leute.»

Laut Glättli soll man sich vom Traum der «landfressenden Einfamilienhäuschen» verabschieden. «Wir müssen die Zersiedelung bekämpfen. Die Grossregion London ist nicht grösser als der Kanton Zürich, hat aber so viele Einwohner wie die ganze Schweiz.»

Hochhäuser in Städten?

Stefan Müller-Altermatt, Präsident der nationalrätlichen Umweltkommission, sagt, im Resultat komme die Angst der Menschen vor Verkehrsengpässen und hohen Mieten zum Ausdruck. Auch er sieht die Lösung in einer geschickten Raumplanung, die oft von rechter Seite verhindert werde. «Nimmt man Singapur zum Massstab, hat es in der Schweiz Platz für etliche Millionen – die Frage ist, wie man es schafft, die Lebensqualität zu erhalten.»

Müller-Altermatt hofft, dass sich das Verkehrsproblem mit der Digitalisierung entschärft. «Wir werden vermehrt von zu Hause arbeiten – hoffentlich auch in Randregionen, wo heute eben kein Bevölkerungswachstum stattfindet.» Persönlich könne er sich auch Hochhäuser in Schweizer Städten vorstellen: «Warum sollte Zürich keine richtige Skyline haben?», fragt der CVP-Nationalrat. Die Vorstellung missfalle aber vielen Schweizern: «Sie wollen zwar in der Stadt wohnen, sich aber wie im Dorf fühlen.»

«Eine Skyline passt nicht in unser Land»

Für SVP-Nationalrat Walter Wobmann zeigt die Umfrage, dass die übrigen Parteien das Problem nicht ernst nehmen: «Die Bevölkerungszunahme hat Grenzen. Die Entwicklung der letzten Jahre ist unverantwortlich.»

Das Bevölkerungswachstum sei mit hohen Kosten verbunden: «Die Infrastruktur, das Bildungswesen und das Gesundheitssystem müssen ausgebaut werden.» Er wolle nicht, dass die ganze Schweiz zu einer Stadt werde, und schon gar keine Skylines wie in Singapur: «Diese passen nicht zur Kultur unseres Landes», sagt Wobmann.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dr.Kern am 22.02.2017 21:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum auch

    Es bestreitet auch niemand das es möglich ist. Aber meiner Meinung nach ist es nicht erstrebenswert.

  • Caro123 am 22.02.2017 21:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klügere Raumplanung

    Von den Linken höre ich immer nur, wir bräuchten eine klügere Raumplanung. Ich habe aber keine Lust, in einer Sardinenbüchse zu leben. Es lebt sich einfach besser in einem weniger dicht besiedelten Land, das lässt sich nicht schönreden. Passt auf was ihr wählt.

  • BondageP am 23.02.2017 00:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso sollten wir 10 Mio sein...?

    Wieso sollten wir 10 Millionen sein? Wem bringt es etwas positives? Noch mehr Verkehrsstau, überfüllte Züge und überforderte Infrastruktur, höhere Immobilienpreise, etc.? Und was wäre der Vorteil? Und wieso diese Diskussion?

Die neusten Leser-Kommentare

  • P.H. am 23.02.2017 07:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Problem..

    ..ist doch nicht der Platz, sondern, dass niemand wie in einem Hühnerzwinger leben will. Wir bemühen uns die Lebensqualität der Tiere zu verbessern, aber unsere eigene soll massiv vermindert werden.

  • BondageP am 23.02.2017 00:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso sollten wir 10 Mio sein...?

    Wieso sollten wir 10 Millionen sein? Wem bringt es etwas positives? Noch mehr Verkehrsstau, überfüllte Züge und überforderte Infrastruktur, höhere Immobilienpreise, etc.? Und was wäre der Vorteil? Und wieso diese Diskussion?

  • Herr Masugez am 23.02.2017 00:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hmmmm

    12mio? wir haben nun ~8,5mio...und die strassen sind überfüllt genau so wie die züge(öv zumindest bei den stosszeiten) nicht das der wohnplatz zu wehnig währe, aber wollen wir ein land sein oder einfach eine grosse stadt?

  • fluk am 23.02.2017 00:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wohnen vs. fortbewegen

    in die höhe bauen um mehr menschen wohnraum zu geben ist ja möglich. Aber der platz, wo sich die menschen fortbewegen bleibt auf einer ebene. oder sollen wir durch tunnels oder mehrstöckige fussgängerzonen und strassen laufen bzw fahren?

  • Pablo53 am 23.02.2017 00:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist genug!

    Weniger ist mehr! Nehmt euch das zu Herzen Ihr Politiker von links bis rechts!!! Es darf nur noch qualitatives Wachstum geben!!