Rauchverbot

23. Oktober 2017 05:43; Akt: 23.10.2017 14:47 Print

«Es stört, wenn man im Freien eingenebelt wird»

Verena El Fehri von der Tabakprävention würde ein Rauchverbot auf Spielplätzen oder an Bushaltestellen begrüssen. Politiker hingegen wehren ab.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Am Bahnhof oder vor dem Eingang des Büros noch kurz eine Zigarette rauchen: Geht es nach CVP-Grossrätin Nadia Ghisolfi, soll es damit im Tessin bald vorbei sein. In einem Vorstoss im Grossen Rat fordert sie Rauchverbote auf öffentlichen Spielplätzen, bei Haltestellen des öffentlichen Verkehrs und vor dem Eingang öffentlicher Gebäude.

Umfrage
Sind Sie für Rauchverbote im Freien, etwa vor öffentlichen Gebäuden?

Zudem verlangt sie, dass Raucher und Nichtraucher künftig auf Terrassen getrennte Bereiche zugeordnet erhalten. Während Gesundheitspolitiker in Bundesbern skeptisch sind (siehe Box), begrüssen Fachleute die Forderung. Im Interview erklärt Verena El Fehri, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft für Tabakprävention, warum.

Frau El Fehri, die Tessiner Grossrätin Nadia Ghisolfi möchte Raucher auch im Freien an die Leine nehmen. Geht das nicht zu weit?
Nein, Ich finde all ihre Vorschläge sehr gut. Auch wenn man sich im Freien aufhält, kann Passivrauchen trotzdem die Gesundheit beeinträchtigen. Die von ihr erwähnten Konflikte von Nichtrauchern und Rauchern – etwa auf Restaurantterrassen, an Bahnhöfen oder auf Spielplätzen – wurden schon häufig an uns herangetragen. So gibt es bereits Gemeinden, die ein Rauchverbot auf Spielplätzen umgesetzt haben. Dort geht es grundsätzlich um zwei Kernpunkte: Erstens um die Vorbildwirkung von Erwachsenen. Und zweitens um die Zigarettenstummel, die am Boden liegen bleiben.

In der Wissenschaft gibt es keinen Konsens darüber, ob Passivrauch im Freien wirklich schädlich ist.
Das kommt sowohl auf den Raum als auch auf die Person an. Wenn jemand gerade neben einer Person mit Lungenproblemen raucht, kann das Probleme auslösen. Kinder sind sowieso sehr anfällig und sollten, so gut es geht, geschützt werden. In der Umgebung von Kindern sollte auch im Freien nicht geraucht werden. Die Auswirkungen auf gesunde Erwachsene sind auch noch nicht bekannt. Messungen am Basler Bahnhof zeigten beispielsweise, dass der Schadstoffgehalt in der Luft ziemlich hoch war. Wir müssen bei solchen Forderungen immer an die Schwächsten denken: an Kinder, Kranke und ältere Menschen.

Braucht es wirklich Nichtraucherzonen auf Terrassen? Die Leute können ja auch Rücksicht aufeinander nehmen, ohne dass der Staat Vorschriften erlässt.
Wir hören immer wieder von solchen Problemen. Es ist halt störend, wenn man auf der Terrasse sitzt und von links und rechts eingenebelt wird. Die Leute sind wegen des störenden Rauchs gezwungen, ins Innere des Lokals zu gehen, nur weil sie saubere Luft atmen wollen. Das ist im Grunde eine Diskriminierung von nichtrauchenden Gästen. In Italien, wo die rauchfreie Gastronomie schon eine längere Tradition hat, beobachtet man, dass sich die Italiener zum Rauchen von der Terrasse entfernen. Diese Umsicht lassen viele Deutschschweizer oder Deutsche vermissen.

Die Schweizer Bevölkerung steht hinter dem Rauchverbot. Ist Ihrer Meinung nach jetzt die Zeit reif für den nächsten Schritt?
Das sehen wir spätestens dann, wenn die Vorstösse im Tessin behandelt werden. Die Frage von rauchfreien Zonen auf Terrassen wird sicher noch zu diskutieren geben. Es wird aber schwierig sein, die Gastronomie und Bürger zu überzeugen.

Das Tessin hatte bei der Einführung des Rauchverbots in Gebäuden eine Pionierrolle. Werden Raucher über kurz oder lang auch draussen genau überlegen müssen, wo sie sich eine Zigarette anstecken dürfen?
Davon gehe ich aus. Unsere Nachbarländer sind schon weiter: In Frankreich ist es verboten, auf Kinderspielplätzen zu rauchen. Sowohl Italien als auch Frankreich haben ausserdem ein Rauchverbot im Innern des Auto erlassen, wenn schwangere Frauen oder Kinder dabei sind. Die Schweiz hinkt im Schutz vor dem Passivrauchen immer hinterher.

(dk/daw)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Monika T. am 23.10.2017 06:11 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht Raucher, aber....

    Ok, dann sollen wir gerade auch noch öffentlich Alkohol trinken verbieten, schlecht gekleidete Menschen, Traktoren nicht an Zeiten wo die Leute arbeiten gehen, Kinderwagen in öffentlichen Räumen, ect ect. dann glaube ich hat es für jeden Einwohner dieses Landes etwas das ihn glücklich macht. Es ist schlimm das man für alles ein Gesetz braucht. Wir nicht Raucher haben gekämpft das es in den Gaststätten rauchfrei wird, jetzt noch überall? Entweder verbietet der Staat die Zigaretten ganz, oder sonst lasst es so bleiben wie bisher, schliesslich wohnen wir 'noch' in einem freiem Land.

    einklappen einklappen
  • Raucherin am 23.10.2017 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bevormundung

    Dann schliesst doch die gesammte Tabakindustie. Wenns keine Zigis, Zigarren und Pfeiffen mehr gibt, atmen wir nur noch die Industrie und die Autoabgase ein. Und die Fürze von den Mittmenschen. Und zuletzt hat die AHV noch ein grösseres Loch in der Kasse. Ich denke jeder weiss das Rauchen ungesund ist. Aber wer gibt ihnen das Recht das zu verbieten? Ich glaube wir haben grössere Probleme als die Raucher.

    einklappen einklappen
  • Bürger am 23.10.2017 06:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig

    Als Nichtraucher sage ich: lansam ist es Schluss mit der Bevormundung! Es gibt genügend Raucherfreie Zonen, also kann sich ja der, der sich ab dem blauen Qualm stört ja woanders hinbegeben oder nunmal aushalten, wenn es unter freiem Himmel stattfindet. Da wäre es übertrieben den Rauchern jetzt noch die letzten paar Möglichkeiten wegzunehmen!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Cartman1993 am 23.10.2017 20:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hmm

    naja wir kettenraucher werden uns daran gewöhnen müssen. Es ist eine entwicklung welche sich wahrscheinlich nicht aufhalten lässt.

  • Acidneo am 23.10.2017 19:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was kommt noch?

    Die jetzige Regelung ist eigentlich schon fast genug. Das Kinder beschützt werden kann ich verstehen und unterstützte dem Verbot bei Spielplätzen. Alles andere geht aber schon fast zu weit. Raucher wurden schon nach draussen verbannt und nun werden wir auch draussen schikaniert? Bald kommt man sich als Raucher wie ein Krimineller oder Drogensüchtigen vor. Müssen wir bald still und heimlich einen Ort aufsuchen an den uns niemand sieht um zu rauchen?

  • maria am 23.10.2017 18:41 Report Diesen Beitrag melden

    Laut reden

    Mich stören Leute, die auf der Strasse und überhaupt, laut reden. Das sollte verboten werden.

  • Starliing am 23.10.2017 18:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    . . .

    Ich sass mal an einem Bahnhof auf einer Bank während ich auf den Zug wartete. Ich rauchte und war alleine auf dieser Bank. Irgendwann dann kam eine Frau dazu, und sass mich neben mich und meine Zigarette. Irgendwann fing sie an, mich an zu fauchen ich solle mit meiner Zigarette wo anders hin, dies passe ihr nicht. Ich frage mich in so einem Moment, warum man an einer leeren Station mit mehreren Bänkchen, sich genau neben mich und meine rauchende Zigarette setzen muss? Ich finde das jeder sich anpassen muss, nicht nur die Raucher!

  • Pro Fessor am 23.10.2017 18:11 Report Diesen Beitrag melden

    apropos Gesundheit,

    und was bitte ist mit modernen Müttern und Vätern, die überall ihre Säuglinge und Kleinkinder auf dem Arm tragen und in der andern Hand ständig eine eingeschaltete Glasreibscheibe ? Ist das gesünder als ein bisschen Rauch ?