«Too good to go»

24. August 2016 14:27; Akt: 24.08.2016 14:28 Print

Restaurant-Essen für 3 Fr – gegen Foodwaste

von J. Büchi - Eine neue App sagt der Lebensmittelverschwendung den Kampf an: Sie verspricht ultragünstiges Essen aus angesagten Lokalen.

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Eine Sushi-Box? Ein indisches Curry? Oder doch ein Sandwich vom Beck? Kurz vor Ladenschluss haben die Benutzer der App Too Good to Go die Qual der Wahl. Zahlreiche Restaurants bieten ihre Menüs, die sonst im Müll landen würden, zu einem Bruchteil des ursprünglichen Preises an. Ziel der Entwickler: Foodwaste vermeiden. Slogan: «... und die Verschwendung ist gegessen».

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Seit einigen Wochen ist die App auch in der Schweiz erhältlich – und bereits sind zahlreiche namhafte Gastrobetriebe dabei. In Zürich bieten etwa die Sushi-Bar Negishi oder das Salat-Lokal Dean&David ihre Produkte feil. Zu haben sind die Menüs schon ab drei Franken. «Seit der Lancierung haben sich bereits 5500 Nutzer registriert», freut sich Geschäftsführer Jørgen Munter. Die Werbung, die unter anderem auf Facebook geschaltet wurde, habe Wirkung gezeigt.

«Noch absolut frisch»

Die Restaurants veröffentlichen ihre Angebote kurz vor Ladenschluss oder nach Schliessung des Mittagsbuffets. So können beim Restaurant Pho Vietnam die nicht verkauften Menüs von 13 bis 14 Uhr abgeholt werden, die Portion kostet 4.50 Franken. In der Metzgerei Zgraggen kommen Fleischfans ab 19 Uhr für 4.95 Franken auf ihre Kosten. «Der Vorteil ist, dass das Essen vom gleichen Tag stammt und noch absolut frisch ist», sagt Munter. In Dänemark, wo die Idee herkommt, hätten seit der Lancierung im Januar bereits 400 Tonnen Lebensmittel vor der Mülltonne gerettet werden können. Auch in Österreich, Frankreich, Deutschland, Norwegen und Grossbritannien ist das Start-up inzwischen aktiv.

Munter sagt: «28 Prozent des Landwirtschaftslandes wird für Produkte verschwendet, die nie gegessen werden. Foodwaste gehört zu den grössten Umweltproblemen unserer Zeit.» Dagegen wolle man ankämpfen.

«Wir führen eine Abfall-Liste»

Das Sushi-Restaurant Negishi ist vor zwei Wochen mit der Filiale an der Zürcher Badenerstrasse auf Too Good to Go gestartet. «Falls die Einführungsphase ohne Probleme verläuft, erweitern wir das Angebot auf die anderen Filialen in Zürich, Basel, Winterthur und Zug», so Sprecher Daniel Wiesner. Bisher sei die Nachfrage noch verhalten – man hoffe jedoch, «dass mit der Rückkehr der Studenten aus den Semesterferien die zu viel gerollten Sushis einen Abnehmer finden».

Pro Filiale wird heute jeden Tag Sushi im Wert von 50 bis 200 Franken weggeworfen – denn die Kunden erwarten insbesondere auf den Sushi-Bändern eine gewisse Auswahl. «Wir führen eine Abfallliste, um die Kontrolle über die zu viel produzierten Sushis zu haben», sagt Wiesner. Das Negishi habe in der Vergangenheit schon verschiedene gemeinnützige Organisationen angefragt, ob sie das überzählige Sushi am Ende des Tages gratis abholen wollten. Allerdings hätten alle abgesagt, da sie die Lebensmittel erst am Folgetag verteilen und Sushi dafür eher ungeeignet sei. Die Boxen, die auf der App angeboten würden, seien hingegen für den Abendservice zubereitet worden und deshalb noch frisch.

Am meisten Foodwaste zu Hause

Neben Too Good to Go sind in den vergangenen Jahren auch zahlreiche weitere Konzepte zur Vermeidung von Foodwaste entstanden. So verkauft die Äss-Bar etwa in zahlreichen Filialen Gebäck und Patisserie vom Vortag. Auch der Bund ist aktiv geworden und hat einen Dialog zwischen verschiedenen Akteuren initiiert. Das Engagement habe zahlreiche private Aktivitäten ausgelöst, freut sich Fachbereichsleiter Werner Harder vom Bundesamt für Landwirtschaft.

In der Gastronomie gehen nach Angaben des Bundes jährlich rund 290'000 Tonnen Lebensmittel verloren. Das sind schätzungsweise 12 Prozent des gesamten Foodwastes. Weitere 11 Prozent entfallen auf die Landwirtschaft, 19 Prozent auf die Verarbeitung und 5 Prozent auf den Handel. Den Löwenanteil machen jedoch die Privathaushalte aus: Dort fallen über 50 Prozent der Lebensmittelverluste an.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • miggi am 24.08.2016 14:38 Report Diesen Beitrag melden

    super

    Endlich wieder einmal etwas super gescheites,sobald es dieses in unserer Nähe gibt (da kein Auto) bin ich dabei.

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  • Siska am 24.08.2016 14:45 Report Diesen Beitrag melden

    Altbrot

    Habe ich zuviel Brot eingekauft, schneide ich es in Scheiben, bestreiche es mit Butter , streue italienische Kräuter darüber, ab in den Ofen unter den Grill. Da reissen sich alle darum. Sehr fein auch mit altem Zopf. Oder ich schneide es in kleine Würfel, röste es in Butter an, leicht salzen und dann in die Suppe.

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  • rengio am 24.08.2016 14:47 Report Diesen Beitrag melden

    Täglich einkaufen

    Seit wir uns entschieden haben, täglich einzukaufen und am Abend mehr zu kochen und es am nächsten Tag als Lunch zum Mittagessen mitnehmen, haben sich unsere Haushaltskosten und Kehrrichtkosten stark reduziert. Mit Shops, welche bis um 20.00 Uhr offen sein können, kann man dies gut so einteilen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sila am 26.08.2016 08:41 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber nicht.

    Wer weiss, was die alles wiederverwerten, Reste? Ich traue den Gastronomen nicht.

  • Luca am 25.08.2016 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    Test nicht bestanden

    Hab die App geladen und bin entsetzt! Nur ein einziges Restaurant in der ganzen Region Bern? Da müssen aber noch deutlich mehr Restaurants mitmachen damit die App sinn macht.

    • Nina am 25.08.2016 14:47 Report Diesen Beitrag melden

      gut Ding will Weile haben

      Die App macht Sinn, egal wie viele Restaurants dabei sind. Je mehr, umso besser, aber jeder fängt ja mal klein an!

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  • Penumbra Noctis am 25.08.2016 11:40 Report Diesen Beitrag melden

    System: Relevant

    Das Problem ist, dass wenn alle nur noch die abgelaufenen Sachen essen wuerden, wuerde unser System kollabieren. Da ich einen guten Job habe und genug Geld verdiene, kaufe ich die Sachen zum normalen Preis (allenfalls mal etwas 50 %) im Laden und unterstuetze so indirekt das System. Logisch, oder?

  • Fidelio am 25.08.2016 10:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Übertriebene Lebensart !

    Bei uns ist zum Teil alles sinnlos übertrieben , die Auswahl , die Menge , von exotisch bis über weiss nicht was . Das ist dieses Verwöhntsein , diese Gier alles und immer wie mehr zu wollen . Kleinere Auswahl wär eine Möglichkeit . An bestimmten Tagen gibt es das , an anderen das . Oder heute gibt es dieses eine mit Fleisch , dieses Vegetarische und dieses Vegane und wenn das jeder Anbieter so machen würde , gäbe es trotzdem viel Auswahl . Basta ! Auf jeden Fall ist es die Gier nach immer noch mehr . Man müsste einen Gang zurückschalten !

  • Franz am 25.08.2016 09:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Foodwaste

    Das Beste wäre wir würden das unsinnige Ablaufdatum auf jedem Produkt abschaffen. Dann würden wir nähmlich unsere Instinkte wieder richtig gebrauchen und es würden viel weniger Lebensmittel wegeworfen. Die Nase und das Auge haben wir nicht einfach so im Gesicht,sie sind nähmlich für etwas da.