Ferien in der EU

09. Juni 2017 18:49; Akt: 09.06.2017 18:49 Print

Schweizer zahlen auch in Zukunft für Roaming

Die EU schafft Mitte Juni die Roaming-Gebühren ab. Anders in der Schweiz: Hier zahlen die Telekom-Kunden weiterhin. Es gibt aber einen Trick.

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Ab dem 15. Juni fallen die Roaming-Gebühren innerhalb der EU weg. Nicht so jedoch in der Schweiz. Da die Schweiz weder Teil der EU noch des EWRs ist, profitiert sie nicht davon. Die Telekommunikationsanbieter müssen deshalb die Preise mit Anbietern im Ausland verhandeln. Ralf Beyeler, ein Experte für Telekommunikation vom Vergleichsportal Verivox, stimmt dem nicht ganz zu: «Es gäbe schon Möglichkeiten, wie auch Schweizer von dieser Regelung profitieren könnten.» So habe es vor etwa 20 Jahren eine Doppel-SIM-Karte gegeben. Je nachdem, in welchem Land die Person war, wurde eine der beiden Karten aktiviert. Hinzu kommt laut Beyeler, dass die Schweizer Telefonfirmen vom Status quo profiteren könnten:: «Die Anbieter können so auch einfacher teure Abonnements verkaufen, denn da sind Roaming-Kosten teilweise inbegriffen.» In der Schweizer Politik gibt es Bemühungen, Roaming auch hier zu beseitigen. Die CVP-Nationalrätinnen Elisabeth Schneider-Schneiter und Kathy Riklin fragten den Bundesrat, ob die Schweiz die Gebühren ebenfalls kippen könnte. Doris Leuthard erklärte: «Die EU-Regelung gilt für die schweizerischen Anbieter nicht, da die Schweiz ja nicht EU-Mitglied ist.» Es würden jedoch verschiedene Optionen geprüft. Ralf Beyeler glaubt nicht, dass bald auch die Schweiz von Roaming befreit wird. Dazu benötigte es ein Abkommen mit der EU. Und das hätte für die Schweiz zurzeit keine Priorität. Wer trotzdem ohne teuren Handyvertrag reisen will, kann im Ausland eine SIM-Karte kaufen. Meistens ist es jedoch nur erlaubt, eine Prepaid-Karte zu erwerben.

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In der EU werden die Roaming-Gebühren abgeschafft. Am 15. Juni ist es so weit: Personen mit einem EU-Mobilvertrag zahlen im EU-Ausland keine Zusatzgebühren mehr. Das gilt auch für Island, Norwegen und Liechtenstein, da sie Teil des Europäischen Wirtschaftsraums sind. Die Schweiz jedoch profitiert nicht von der Abschaffung.

Auch die Roaming-Preise in der Schweiz sind in den letzten Jahren immer weiter gesunken. Ganz verzichten auf die Gebühren könne man aber nicht, teilen Swisscom, Sunrise und Salt auf Anfrage mit. Sie können nicht von den EU-Preisen profitieren, sondern müssen es mit allen Anbietern individuell verhandeln.

Technische Lösung würde existieren

Ralf Beyeler, ein Experte für Telekommunikation beim Vergleichsportal Verivox, stimmt dem nicht ganz zu: «Es gäbe schon Möglichkeiten, wie auch Schweizer von dieser Regelung profitieren könnten. So habe es vor etwa 20 Jahren eine Doppel-SIM-Karte gegeben. Je nachdem, in welchem Land die Person war, wurde eine der beiden Karten aktiviert: «Technisch wäre es also kein Ding, so etwas anzubieten. Gerade die Swisscom hat ja eine Tochterfirma in Italien.» Er wendet jedoch ein, dass es rechtlich möglicherweise nicht so einfach ist.

Hinzu kommt laut Beyeler, dass die Schweizer Telefonfirmen vom Status quo profiteren könnten: «Die Anbieter können so auch einfacher teure Abonnements verkaufen, denn da sind Roaming-Kosten teilweise inbegriffen.» Zudem würden die Telekommunikationsunternehmen mit dem Roaming selbst auch ganz gut verdienen.

Abschaffung in naher Zukunft nicht zu erwarten

In der Schweizer Politik gibt es Bemühungen, Roaming auch hier zu beseitigen. Die CVP-Nationalrätinnen Elisabeth Schneider-Schneiter und Kathy Riklin fragten den Bundesrat, ob die Schweiz die Gebühren ebenfalls kippen könnte. Doris Leuthard erklärte: «Die EU-Regelung gilt für die schweizerischen Anbieter nicht, da die Schweiz ja nicht EU-Mitglied ist.» Es würden jedoch verschiedene Optionen geprüft und der Bundesrat wolle die Resultate im Herbst präsentieren.

Ralf Beyeler glaubt nicht, dass bald auch die Schweiz von Roaming befreit wird. Dazu bräuchte es ein Abkommen mit der EU. Und das hätte für die Schweiz zurzeit keine Priorität.

SIM-Karten können im Ausland gekauft werden

Wer trotzdem ohne teuren Handyvertrag reisen will, kann im Ausland eine SIM-Karte kaufen. Meistens ist es jedoch nur erlaubt, eine Prepaid-Karte zu erwerben, da die EU-Anbieter für ein Abonnement oft einen Wohnsitz im jeweiligen Land verlangen, wie Beyeler erklärt. Er selbst werde jedoch einfach die Auslandspakete nutzen, die die Schweizer Telekommunikations-Unternehmen anböten: «Das ist unkomplizierter. Und mittlerweile sind die Preise erträglich.»

(asc)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Genervter Bürger am 09.06.2017 19:03 Report Diesen Beitrag melden

    Verräterische Politiker

    Wie kann es sein, dass wir alles von der EU übernehmen, und das ja sofort, aber wenn es mal den Bürgern Hierzulande nützt nicht? Warum machen die diese Politik mit uns? Arbeitet für uns oder räumt euren Platz.

    einklappen einklappen
  • Franzi am 09.06.2017 19:12 Report Diesen Beitrag melden

    Wahrscheinlich wärs ganz einfach möglich

    Wahrscheinlich verstecken sich die Anbieter nur hinter der Politik, weil das Roaming Geschäft einfach zu gut läuft

  • S C O am 09.06.2017 19:19 Report Diesen Beitrag melden

    Fahnen im Wind

    Merkwürdig alles muss EU konform sein. Immer wieder wird das vorgeschoben wenn es darum geht Kunden abzuschröpfen. Können Kunden profitieren gillt dasselbe Prinzip nicht. Alles nur Marketing zur Gewinnsteigerung. Längst sind Mobilgespräche technisch günstiger als Drahtgebundene werden aber teurer verkauft.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Beat Bachmann am 11.06.2017 13:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    in ch zahlen wir HISPEEDPAKET, ausland meist nur h

    die preise für mobilpakete der schweizeranbieter fürs auslqndsind alles andere als erträglich!!! für das paket, das man noch in der ch bezahlt, bekommt man im reiseland mit derer simkarte bis 10x mehr!!! es ist auch zu sagen, dass wenn ich ein paket in der ch kaufe, dieses den preis für 4g hat!!! im ausland kriegt man dann jedoch oft nicht mehr als h+ für das in der ch gekaufte paket!!!!! von hispeed ist da also keine rede mehr!! jedoch bezahlt hatten wir für hispeed!!! als im ausland karte kaufen!!!

  • Maipenrai am 11.06.2017 08:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja klar

    die Schweitzer haben ja auch genug Geld

  • Dag am 11.06.2017 07:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toll Toll Toll

    Er ist einfach typisch Schweizer Preise kein Wunder gehen fiele in Deutschland einkaufen Hauptsache der Chef einer solchen Firma Kan sich einen neuen Bugatti kaufen

  • Swisscom Kunde am 10.06.2017 19:21 Report Diesen Beitrag melden

    Warum wohl sind die Politiker dagegen?

    Wieviele National-, Stände- und Bundesräte werden wohl von den Schweizer Telecom - Unternehmen bestochen, dass sie sich so vehement gegen ein Roaming Verbot wehren? Unsere Politiker lassen sich sicher fürstlich bezahlen, damit diese die eigenen Bürger abzocken können. Es ist wie bei den Parallelimporten. Schafft für unsere Politiker die vom Volk bezahlen Löhne ab, die können von den Bestechungsgeldern bestens in Saus und Braus leben. Dafür braucht es nicht auch noch unsere Steuergelder.

  • Sandra am 10.06.2017 18:20 Report Diesen Beitrag melden

    wirklich mal ferien machen

    seit jahren kaufen wir uns eine billig-sim im ferienland. wir machen keinen pauschalurlaub und sind viel mit auto, bus oder fahrrad unterwegs. die ausl. sim reicht völlig um zu hause als kontaktnummer zu hinterlasssen. facebook, whatsapp, sms interessieren uns in den ferien nicht.