Pferdequäler

11. August 2017 10:32; Akt: 11.08.2017 10:58 Print

Ulrich K. erhielt vom Staat Hunderttausende Franken

Der Bund subventionierte den Landwirt Ulrich K., auf dessen Hof mehrere Pferde qualvoll verendeten. Tiere seien eine Ware für ihn, sagt eine Ex-Mitarbeiterin.

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Auf dem Hof des Thurgauer Landwirts Ulrich K. in Hefenhofen sind in den letzten Wochen mehrere Pferde qualvoll verendet. Sie verhungerten und wurden vom Bauern tot liegen gelassen. Nachdem Bilder der Misshandlungen öffentlich gemacht wurden, lösten die Thurgauer Behörden den Hof diese Woche auf. K. wurde in Gewahrsam genommen und mit einem Tierhalteverbot belegt. Bereits früher war K. wegen Tierquälerei verurteilt worden.

In den letzten Jahren hat K. mehrere Hunderttausend Franken an Direktzahlungen erhalten, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Das Bundesamt für Landwirtschaft habe dem Kanton Thurgau zwischen 2008 und 2010 zwar wegen der schlimmen Zustände auf dem Hof die Direktzahlungen für Ulrich K. verweigert. Wegen eines Bundesgerichtsurteils musste der Bund die Beiträge aber nachträglich erstatten.

Anreiz für immer mehr Pferde

Wie die Zeitung schreibt, habe K. zwischen 2008 und 2013 durchschnittlich 73'500 Franken pro Jahr erhalten. Zudem habe Ulrich K. gemäss verschiedenen Medien bis zuletzt Prämien für seine Freiberger Pferde erhalten – ein Anreiz dafür, immer mehr Tiere zu halten. Seit 2013 durfte K. nach einem Entscheid des Kantons Thurgau nur noch 60 Pferde halten. Bei der Räumung des Hofs wurden trotzdem 90 Pferde gefunden.

Gegenüber der SRF-Sendung «Schweiz aktuell» sagte Ulrich K., zwei der belastenden Fotos stammten nicht von seinem Hof, andere seien gefälscht. Der zuständige Staatsanwalt sagte dem SRF, von den 130 erhaltenen Fotos seien 90 Prozent auf dem Hof von Ulrich K. gemacht worden, bei 10 Prozent bestünden noch Zweifel.

«Ulrich K. ist ein gmögiger Mensch»

Die Frau, die die Bilder geschossen hat, wehrt sich im «Blick» gegen die Anschuldigungen. Sie könne persönlich garantieren, dass die Fotos echt seien. Sie sei durch eine Bekannte auf den Hof gekommen und schon beim ersten Besuch geschockt gewesen. «Die Verhältnisse waren von Beginn an grenzwertig.» Sie habe die Pferde auf freiwilliger Basis versorgt – aus Mitleid mit den Tieren. Sie sei alle 14 Tage für jeweils eine Woche auf dem Hof gewesen. Sie habe mit anderen Leuten zusammengearbeitet, die auch in der übrigen Zeit vor Ort gewesen seien. Dadurch könnten sie bezeugen, dass insgesamt 13 Pferde tot herumgelegen seien.

Als die neue Geliebte von Ulrich K. auf den Hof gekommen sei, hätten sich die Zustände deutlich verschlechtert. K. selbst sei zu Menschen sehr lieb, ausser er möge jemanden nicht. «Ich würde ihn als ‹gmögig› beschreiben», sagt die Informantin dem «Blick». Tiere seien für ihn aber einfach Ware und reine Geldsache, Tierliebe empfinde er nicht. Sie sei froh, dass sie gehandelt habe. Sie habe das Tierleid nicht mehr ertragen können. «Ich bin an den Punkt gekommen, an dem ich nicht mehr helfen konnte. Das Ausmass wurde zu gross.»

(ehs)