Dreiste Langfinger

24. April 2012 07:08; Akt: 26.04.2012 20:19 Print

Immer mehr Diebe beklauen Zugpassagiere

Akribisch geplante Diebstähle in Zügen nehmen massiv zu. Mit der «Pariser Methode» entwenden Diebe ahnungslosen Reisenden Wertsachen und Gepäck. Die SBB mahnen ihre Passagiere zur Vorsicht.

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Immer mehr wird in Zügen und an Bahnhöfen geklaut. Die Diebe agieren dreist und blitzschnell. (Bild: Keystone/str)

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Die Zahlen sind erschreckend: Im zweiten Halbjahr 2011 meldete die Kantonspolizei Zürich 174 Diebstähle in Zügen. Dieses Jahr sind es nach dreieinhalb Monaten bereits 144 Fälle. Immer häufiger wenden die Diebe eine Masche an, wie sie in Pariser U-Bahnen längst gang und gäbe ist. Die Diebe bestehlen die Zugpassagiere kurz vor der Abfahrt und verlassen in letzter Sekunde den Zug.

Auch Valeria K.* aus Bern wurde beklaut: Sie sass Anfang Februar im Intercity in Genf, als sie einen Mann sah, der auf dem Perron wild ins obere Abteil des Zugs gestikulierte. Vom Mann abgelenkt, sah sie den Dieb nicht kommen: «Er rannte durch den Gang und schnappte sich blitzschnell meine Tasche, die neben mir auf dem Sitz lag.» Der Dieb entwischte durch die sich schliessende Tür, K. konnte ihm nicht einmal nachstellen.

Diebe klauen blitzschnell

Im Nachhinein ist K. klar, weshalb der Mann auf dem Perron gestikulierte: «Er dirigierte den Dieb, dieser konnte so die Aktion auf die Hundertstelsekunde genau planen.» Dimitrios N.* ging es ähnlich: Er sass in der S-Bahn in Uster, als ihm ein Dieb das brandneue Smartphone aus der Hand riss und aus dem Zug rannte. «Ich konnte ihn zwar noch einige Meter verfolgen, musste dann aber zurück in den Zug», so N.

Während Behörden in Frankreich vor der Masche warnen und Passagiere anhalten, nicht zu nahe an Türen zu stehen, haben die SBB noch keine genauen Zahlen zu dieser Art von Diebstählen. Christian Ginsig, Mediensprecher der SBB bestätigt aber eine Zunahme der Diebstähle. «Gerade in den Hauptverkehrszeiten ist das Gedränge beim Ein- und Aussteigen in Züge oft gross.» Die Passagiere könnten sich aber durch gezielte Massnahmen schützen (siehe Box). Mit dem Einsatz von Sicherheitspersonal und Präventionsmassnahmen wollen die SBB die Anzahl Diebstähle verringern. So Ginsig: «Wo Taschendiebstähle festgestellt werden, reagieren wir umgehend mit Lautsprecherdurchsagen.»

*Namen der Redaktion bekannt

Wurden auch Sie auf ähnliche Weise in einem Zug bestohlen? Haben Sie Hinweise und Informationen? Schreiben Sie uns ein Mail an feedback@20minuten.ch

(jsk/dwi)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Was waren das Zeiten, die ich in Japan verbringen durfte. In der Bahn vergessene oder verlorene Geldbörsen, Taschen, sogar Regenschirme fanden regelmäßig unversehrt den Weg ins Fundbüro. Disziplin beim Ein- und Aussteigen, in der Schlange am Bahnsteig warten, keinerlei Graffiti...! Und wieder hier im Westen neben Dekadenz die übliche Ausnutzung, Drängelei, Diebstähle, Schmierereien, einfach viele Leute ohne Anstand - oder soll man Egoismus sagen? Es kommt eben auf das Miteinander und die Kinderstube an. – Michael Berner

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ueli Zrem am 26.04.2012 21:44 Report Diesen Beitrag melden

    Tasche beim Bus Aussteigen gestohlen

    Meine Mutter 84 jährig ist heute 16:30 Uhr mit dem Bus von WilMobil Linie 705 an den Bahnhof gefahren. Nach dem Aussteigen fehlte die Tasche, welche über die Schulter hing. Beim Aussteigen war ein Gedränge, das ist am Abend sonst nie der Fall. Der Buschauffeur hat nichts im Bus gefunden, und ein Polizist am Bahnhof verwies auf den Buschauffeur. Beim Anruf auf dem Polizeiposten Wil für eine Anzeige wurde meiner Mutter von einer Anzeige eher abgeraten. Toll, nicht?

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  • Willy D. am 24.04.2012 14:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Im Speisewagen

    Vor etwa 2 Jahren sass ich im Speisewagen zwischen Basel und Delémont. Meine Jacke mit den Ausweisen und Reservegeld (CHF 200) hatte ich über die Stuhllehne gehängt. Dicht hinter mir sass ein junger Mann. Ich habe mich noch gewundert, warum er so nahe sass. Bei der Rückkehr in den 1. Klassewagen bemerkte ich, dass meine Brieftasche mit (fast) allen Ausweisen und dem Reservegeld verschwunden waren. Ich ging zurück in den Speisewagen. Der junge Mann war nicht mehr da. Er war der Dieb. Seither versorge ich nichts mehr in der Jacke.

  • nici am 24.04.2012 16:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    traurig

    Mir wurde dieses Jahr auch schon das neue Smartphone geklaut.. Auf dem Heimweg von Bern nach Luzern bin ich kurz (ca eine viertel Stunde) eingeschlafen und schon war das Handy nicht mehr in der Tasche (die auf meinem Schoss war!).. Einfach traurig dass mich niemand geweckt hat. So etwas muss doch in einem vollem Zug auffallen?!

Die neusten Leser-Kommentare

  • w.odi am 26.04.2012 23:31 Report Diesen Beitrag melden

    hallo valeria

    .......denk mal dran, dass der Sitz für andere Mitreisende da ist und nicht als Abstellfläche für Accessoires. Vielleicht hätte es dann sogar noch mehr Sitzplätze in den Zügen.

  • Katrin am 26.04.2012 22:27 Report Diesen Beitrag melden

    Fiese Masche

    Ich wollte verreisen. Bei mir hatte ich zwei Rollkoffer. Vor der Rolltreppe im HB Zürich drängte ein Mann vor, der dann plötzlich mit drei (!) Rollkoffern vor mir stand. Er tat ungeschickt, dass die Koffer kippten und vor mir den Ausgang versperrten. Plötzlich standen mehrere Männer direkt hinter mir auf der vorher fast leeren Treppe. Der vorderste gestikulierte und schimpfte laut, sie schubsten mich und drängten vorbei. Zu spät bemerkte ich, dass sie meinen Rucksacks geöffnet und das Portemonnaie mit Geld, Billett und Ausweisen aus dem versteckten Innenfach entwendet hatten.

    • Martin am 27.04.2012 05:05 Report Diesen Beitrag melden

      Und die Moral von der Geschichte:

      Geld, Billett und Ausweise gehören nicht ins Gepäck! Auf Reisen benutze ich immer diese doofen Umhängegeldbeutel. Die hängen um den Hals und da kann man den Pass usw. reinstecken. Unter einem Pullover kann das nicht so leicht einer klauen. Es gibt auch andere solche Beutel, die man "verdeckt" tragen kann.

    • Markus Leuenberger am 27.04.2012 13:39 Report Diesen Beitrag melden

      Ich bin sicher,

      da schauten einige zu und sagten dennoch nichts. Wenn ja soviel Hektik war, blieb das sicher nicht unbemerkt.

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  • Ueli Zrem am 26.04.2012 21:44 Report Diesen Beitrag melden

    Tasche beim Bus Aussteigen gestohlen

    Meine Mutter 84 jährig ist heute 16:30 Uhr mit dem Bus von WilMobil Linie 705 an den Bahnhof gefahren. Nach dem Aussteigen fehlte die Tasche, welche über die Schulter hing. Beim Aussteigen war ein Gedränge, das ist am Abend sonst nie der Fall. Der Buschauffeur hat nichts im Bus gefunden, und ein Polizist am Bahnhof verwies auf den Buschauffeur. Beim Anruf auf dem Polizeiposten Wil für eine Anzeige wurde meiner Mutter von einer Anzeige eher abgeraten. Toll, nicht?

    • Wiler Einwohner am 27.04.2012 10:58 Report Diesen Beitrag melden

      Wil eben

      In der Kriminalitätsstatistik des Kantons hat Wil die Stadt St. Gallen bereits überholt. Wundert mich aber nicht, wenn ich sehe, was da so für Leute herumhängen. Da sind mir die biertrinkenden Penner am Bahnhof noch egal, die sind wenigstens friedlich.

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  • Claudia am 25.04.2012 20:29 Report Diesen Beitrag melden

    Diebstahl auf der Heimreise

    Wir waren am Samstag im Zug vom Genferflughafen nach Bern unterwegs. Es waren nicht viele Leute im Zug. Obschon wir direkt hinter der Gepäckablage sassen, gelang es wahrscheinlich 2 Männern, die kurz vor Fribourg ins Abteil kamen und ebenso schnell wieder verschwanden, einen unserer Koffer unter der Gepäckablage hervor zu holen und damit in Fribourg auszusteigen. Wir haben es erst beim Aussteigen in Bern bemerkt. Ein Suchauftrag bei der SBB hat bisher nichts gebracht.

  • Bea Habegger am 25.04.2012 19:31 Report Diesen Beitrag melden

    Statistiken sind eben wichtiger....

    Statt Statistikfanatiker die danach fragen von wo nach wo fahren sie (für irgendwelche Statitisker zu beschäftigen), könnte man da eventuell Personal einsetzen das nützliches tut..... Statistiken sindzur Zeit gross im Trend, da leidet halt nützliches.