Arbeitsklima

03. Oktober 2017 05:40; Akt: 03.10.2017 05:40 Print

SBB-Personal kann Kollegen per App melden

von Stefan Ehrbar - Mit einer internen App können SBB-Mitarbeiter Kollegen kritisieren. Die Gewerkschaft hält nichts davon, die SBB wiegelt ab.

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Das Personal an den SBB-Schaltern steht unter stetiger Beobachtung. Die Kritik kommt nicht nur von Kunden, sondern auch von anderen Mitarbeitern der SBB. Diese können ihre Kollegen per Handy kritisieren. In der SBB-internen App Defekt können sie Kommentare zum Service-Personal abgeben. Dafür steht die Unterkategorie «Dienstleistungsmangel Personal» zur Verfügung.

Bei der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) kommt die Funktion nicht gut an. «Ich finde es störend, dass es diese Kategorie gibt», sagt Gewerkschaftssekretär Jürg Hurni. Das Schulen und Kritisieren der Mitarbeiter sei Führungsaufgabe, nicht jene von SBB-Kollegen. Problematisch wäre es auch, wenn solche Rückmeldungen von Vorgesetzten zum Anlass genommen würden, um Ziele festzuschreiben, sagt Hurni.

«Geht in Richtung Denunziantentum»

«Wenn es mit der App darum geht, Personal zu melden, sind wir dagegen. Sonst geht es bald in Richtung Denunziantentum.» Zudem habe die SBB einen gut funktionierenden professionellen Kundendialog, an den sich die Kunden wenden könnten. Dafür brauche es keine App.

An einer Branchentagung der Gewerkschafter wurde Mitte September die Frage aufgeworfen, ob die Kategorie überhaupt Sinn mache, weil ein Dienstleistungsmangel keinen eigentlichen Defekt darstelle. «Sicher ist: Daraus soll unter keinen Umständen eine Lob-App mit Sternen entstehen», heisst es in einem Fazit.

Meldungen müssen gelöscht werden

Rechtlich muss die SBB einiges beachten. «Wichtig ist, dass die betroffene Person kontaktiert wird, wenn eine Meldung eingegangen ist», sagt Thomas Geiser, Professor für Arbeitsrecht an der Universität St. Gallen. Zudem müssten Meldungen danach gelöscht werden. Auch müsse dem betroffenen Mitarbeiter gesagt werden, von wem die Reklamation komme und wann sie erfolgt sei, damit sich Betroffene wehren könnten.

Das Personal am Schalter sei sowieso in Kontakt mit der Öffentlichkeit und müsse deshalb mit Kritik rechnen. «Aus rechtlicher Sicht muss auch jener, der eine Meldung macht, informiert werden, dass sein Name weitergegeben werden kann», sagt Geiser.

Die SBB bestätigt die Existenz der Funktion. Die Personal-Kategorie sei nur eine von vielen, sagt Sprecher Oli Dischoe. Die Rückmeldungen würden statistisch nicht ausgewertet, aber «intern weiterbearbeitet». Die Vergabe von Sternen sei nicht möglich und auch nicht geplant, ein Anbieten der Funktion in der App für die Kunden nicht vorgesehen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Glaibasel am 03.10.2017 05:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    arbeitsklima vergiftung

    eine denunzianten App,wie wiederlich und sicherlich toll fürs arbeitsklima

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  • Eibeler8 am 03.10.2017 05:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Denuntianten pfui

    Na bravo. Denutianten - da gibts dann richtige Kollegenschweine. Ich vertraue darauf dass kein Kollege diese App installiert. Der VR kann ja das untereinander machen.

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  • TheRealSchnauz am 03.10.2017 05:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts neues

    Bei uns auch so. Einfach ohne App. Wenn jemand das Gefühl hat, sein Kollege mache nichts, wird reklamiert. Obwohl er gar nicht weiss was seine Aufgaben sind. Hat jeder das Gefühl er sei was besseres und arbeite mehr. Schon in mehreren Firmen erlebt. Leider bereits Standard.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Adrian am 03.10.2017 23:39 Report Diesen Beitrag melden

    Spielt ja keine Rolle

    wir werden eh bald alle wegrationalisiert,...

    • bintang am 04.10.2017 07:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Adrian

      Genau, nur noch Kaderleute, welche einen reibungslosen und qualitativ hochwertigen Bahnverkehr garantieren. Für Reparaturen kann man die augelagerte Firma in Indien buchen. Keine Mitarbeiter keine Probleme.

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  • Fabi am 03.10.2017 20:18 Report Diesen Beitrag melden

    SBB ist für die Katz!

    Super die SBB spinnt entgültig. Ich habe vor fünf Jahren zu einem Irrenhaus gewechselt! Diese Firma hat jetzt absolut nichts im Griff, ausser sie weiss wie man Mitarbeiter fertig machen kann, aber darin sind sie dann wirklich gut! Unsere Politiker schauen brav zu, schliesslich kann man die auch für nichts brauchen. Ich sage es einfach einmal so, in diesem Unternehmen sich Mühe zu geben ist eh für die Katze!

  • Yousay am 03.10.2017 19:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Liebe SBB das Ihr meine Bewerbung abgeöehnt habt, allenfalls hätte ich gerade wieder gekündigt.

    • Fabi am 03.10.2017 20:19 Report Diesen Beitrag melden

      Katastrophen-Bahn

      Ist auch besser. Diese Firma ist eine Katastrophe!

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  • g. bernasconi am 03.10.2017 18:09 Report Diesen Beitrag melden

    App fuer Reklamationen

    Wo ist der APP fuer die Kunden um sich bei Hr. Meyer und Co. schnellsten beschweren? Fuer jede Beschwerde soll der Salaer um CHF 100 gekuerzt werden. Die SBB ist doch perfekt gefuehrt.....

    • Fabi am 04.10.2017 17:00 Report Diesen Beitrag melden

      Genau so!

      Der Herr Meyer müsste wohl dann bald der SBB Geld bezahlen, dass er für Sie noch arbeiten dürfte :-) Die Idee ist gut!!! Wobei 1000.- pro Beschwerde bessert währe!

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  • Gabriele Simon am 03.10.2017 17:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    App für nix

    Bei DEM SBB Managment wundert mich nichts mehr aber grad garnichts mehr. Egal was da noch kommt, eins ist mal sicher: weder für den Kunden noch fürs Personal wird sich irgendwas verbessern - sondern nur noch verschlechtern....