Zockerverbot

17. Juni 2010 13:34; Akt: 17.06.2010 13:42 Print

Jetzt wird wieder im Hinterzimmer gepokert

von Joel Bedetti - Das Pokerverbot lässt die Szene erfinderisch werden. Man bietet Schulungen an und gründet Vereine. Oder setzt sich in die Illegalität ab.

Bildstrecke im Grossformat »

Vereinesturnier oder Schulturnier: Das Verbot des Bundesgerichts hat die Pokerszene regelrecht aufgemischt.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Als das Bundesgericht vor zwei Wochen Poker mit Geldeinsätzen ausserhalb von Casinos verbot, mussten sich die professionellen Turnierveranstalter sprichwörtlich von einem Tag auf den anderen neu orientieren.

Provisorisch errichtete Clubs können schnell schliessen. Die etablierten Pokerclubs mit vollausgestatteten Lokalen und langfristigen Miet- und Lieferverträgen jedoch haben gemäss Szenekennern zwei Optionen, wie sie künftig ihr Geld machen können:

«Entweder bietet man Poker-Events und Schulungen an – oder man überlässt das Lokal privaten Pokergruppen», sagt Rino Mathis, Mitbetreiber des Szeneportals pokeraction.ch.

Pokern mit der Firma

Die erste Idee hat Marc Horisberger, Betreiber des «Pokerpalace» in Dietlikon ZH, umgesetzt: Ab sofort bietet er statt Turniere Schulungen an, die neue Spieler für das Zocken in Casinos fit machen sollen.

Als zweites Standbein bietet der Club Poker-Firmenevents an und will Reisen zu internationalen Turnieren organisieren. «Es wird schwierig, damit zu überleben, aber wir versuchen es», sagt Marc Horisberger zu 20 Minuten Online.

Hotdog statt Chips und Karten

Die meisten Clubs aber setzen neu auf Vereine. Deniz Esen, Betreiber des «Other Poker» Basel, sagt: «Wir haben mit unseren Stammgästen einen Verein gegründet und fordern unsere übrigen Kunden auf, dasselbe zu tun. Dann stellen wir ihnen unsere Infrastruktur kostendeckend zur Verfügung.

Ob die neuen Geschäftsmodelle das wirtschaftliche Überleben sichern, ist mehr als ungewiss. Kleinere Clubs bereiten sich schon auf den Abgang aus dem Geschäft vor. Felix Bollinger beispielsweise, Betreiber des «RaisePlace» in Regensdorf ZH, überlegt sich laut «Tages-Anzeiger», den Club abzustossen und stattdessen Hotdogs zu verkaufen.

Spieler wetten unter sich

Nicht alle kapitulieren vor dem Verbot, welches das Freizeitvergnügen von zigtausenden Zockerfreunden zunichte gemacht hat. Mehrere Quellen bestätigen, dass weiter um Geld gespielt wird - und zwar nicht nur unter «Freunden und Bekannten», wie es das Bundesgericht erlaubt.

Ein Kenner sagt: «Man kann Turniere organisieren, an denen die Spieler unter sich Wetten abschliessen. Das liegt dann nicht mehr in der Verantwortung der Veranstalter.»

Leicht verschuldet

Ein Teil der Szene wird sich in die Hinterzimmer verlagern, ist von Insidern zu hören. Ein grösserer Veranstalter sagt: «Meine Kunden können bei mir nicht mehr um Geld spielen, also werden sie es anderswo tun. Aber nicht im Casino.» Rino Mathis gibt sich überzeugt, dass es innert kürzester Zeit alleine in Zürich wieder 20 illegale Pokerclubs gibt.» Das sei schade, denn damit sei das Spiel dem hohen Ehrenkodex entzogen, den die öffentlichen Pokerclubs eingehalten hätten.

Eine Quelle aus polizeinahen Kreisen bestätigt diesen Befund. «Einige Veranstalter werden in die Illegalität wechseln, weil sie keine Alternative sehen.» Das Problem sei, dass beim Hinterzimmer-Poker im Gegensatz zu öffentlichen Turnieren oft Cash Games gespielt würden, bei denen man sich jederzeit wieder ins Spiel einkaufen kann. «Da kann man von dubiosen Personen Kredite aufnehmen und sich an einem Abend leicht um tausende Franken verschulden.»

Feld wird den schwarzen Schafen überlassen

Die Quelle, die im Gegensatz zu den Bundesrichtern an der Front ermittelt und selbst Poker spielt, ist mit dem Verbot nicht glücklich. «Die öffentlichen Turnierveranstalter arbeiteten sehr eng mit der Spielbankenkommission zusammen. Sie erfüllten hohe Standards. Nun wird das Feld denen überlassen, die sich nie um Seriosität bemüht haben.»

Der Informant betont auch, dass man von den seriösen Pokerveranstaltern Hinweise auf illegale Kreise bekommen habe. «Es war in deren Interesse, die schwarzen Schafe zu bekämpfen.» Nun seien diese guten Verbindungen zur Unterwelt gekappt worden.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dani Müller am 17.06.2010 14:08 Report Diesen Beitrag melden

    Ja, aber....

    stelle man sich vor, die armen Casinos haben nicht mitverdient, ganz zu schweigen vom Staat. Das geht natürlich ganz und gar nicht. Da drückt man lieber Bürger wegen eines Spiels in die Illegalität. Elende Gierschlunde! Und nein, ich spiele kein Poker.

    einklappen einklappen
  • Atomb Ombe am 17.06.2010 14:20 Report Diesen Beitrag melden

    No-More-Casino-Codex

    Also, wir zocken nun bei mir Zuhause. Von 50 + 15 bis 200 + 15 (15, für Bier, Chips & Co). Jetzt machen wir Zuhause einen ziemlich guten Umsatz damit, selbstverständlich alles schwarz. Haben die Politiker echt gut hingekriegt! :) Existenzen, Investitionen und neue soziale Kontakt zerstört und das illegale Geschäft gefördert. Casinos sind für mich gestorben. Im Freundeskreis haben wir einen No-More-Casino-Codex geschlossen. Anstatt Chancen zu nutzen,sind die Casion- und Parlamentaridioten zu nichts besserem imstande als mit einem Pokerverbot zu provizieren!

    einklappen einklappen
  • Hansruedi am 18.06.2010 20:18 Report Diesen Beitrag melden

    Über die Grenze..

    Wird nicht lange dauern, und nahe der Grenze werden solche Clubs wieder aus dem Boden schiessen. Für Wochenende und Wochenendaufenthalte sicherlich eine gute Lösung! Upsala, ev. nicht daran gedacht??? Wäre ja auch ein wenig viel verlangt von unseren Volksvertretern... Nichts wichtigeres zur Zeit um sich damit zu beschäftigen als Politiker? lächerlich wiedereinmal, aber langsam üblich...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rnz am 18.06.2010 21:01 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Problem....

    .....einfach weiter Spielen im Hinterzimmer, wie zu alten Mafiazeiten!?

  • Hansruedi am 18.06.2010 20:18 Report Diesen Beitrag melden

    Über die Grenze..

    Wird nicht lange dauern, und nahe der Grenze werden solche Clubs wieder aus dem Boden schiessen. Für Wochenende und Wochenendaufenthalte sicherlich eine gute Lösung! Upsala, ev. nicht daran gedacht??? Wäre ja auch ein wenig viel verlangt von unseren Volksvertretern... Nichts wichtigeres zur Zeit um sich damit zu beschäftigen als Politiker? lächerlich wiedereinmal, aber langsam üblich...

  • toni am 18.06.2010 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    Das letzte, das beste

    Da ist ja die Antwort auf warum: "Nun seien diese guten Verbindungen zur Unterwelt gekappt worden." welche Organisation hat am ehesten Interesse daran? und welche hat die besten verbindungen von der Unterwelt zur Politik? Die Untergrund-Organisation hat mehr davon wenns ilegal ist, sprich keine proffesionelle Konkurenz.

  • Sarah am 18.06.2010 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    secher ned is Casino....

    Ich denke dass sich Casinos nicht über mehr Kundschaft freuen können, da die meisten die im "privaten" Rahmen um Geld gespielt haben, nicht ins Casino gehen werden. So habe auch ich gerne gepockert, um Geld und mit Freunden zusammen. Aber ich und viele andere werden sicher nicht "gschniglet" und mit Sacko ins Casino gehen wo meistens nur Profis spielen und ich/wir eh keine Chance habe/n zu gewinnen! ...es lebe das Hinterzimmer...

  • spieler am 18.06.2010 12:58 Report Diesen Beitrag melden

    auf nach baden

    man sollte vor den casinos demonstrieren gehen jeden tag bis keine leute mehr dort hin gehen.