Bedrohte Tierart

17. September 2017 10:38; Akt: 17.09.2017 22:41 Print

«Auch meine Kinder sollen Feldhasen hoppeln sehen»

von Nikolai Thelitz - Tierschützer schlagen Alarm: In den letzten Jahren sank die Zahl der Feldhasen stark. Eine Trendwende könnte die Ernährungs-Vorlage bringen.

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Der Feldhase ist eigentlich ein sehr fortpflanzungsfreudiges Tier – so sehr, dass er deswegen zum Symbol der Fruchtbarkeit an Ostern erkoren wurde. Trotzdem hoppeln in der Schweiz heute massiv weniger Hasen über Wiesen und Felder als noch vor einigen Jahren. Im Kanton Aargau etwa sank der Bestand in den letzten 15 Jahren von 3000 auf rund 1000 Tiere.

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Schuld daran sind laut der Schweizerischen Vogelwarte die immer stärker überbaute Landschaft, die Zersiedelung und die fehlenden Biodiversitätsflächen. «Der Bestand der Feldhasen ist in der ganzen Schweiz massiv zurückgegangen, und stagniert auf tiefem Niveau. Der Feldhase steht seither auf der roten Liste der bedrohten Tierarten», sagt Sophie Jaquier von der Vogelwarte.

«Die Agrarpolitik ist gefordert»

«Der anhaltend negative Trend beim Feldhasen zeigt, dass die bisherigen Massnahmen nicht ausreichen, um die Hasenbestände zu erhalten und zu fördern», führt das Feldhasenmonitoring 2016 der Vogelwarte weiter aus. Es fehle an ausreichender Quantität, an der nötigen Qualität und an einer geeigneten räumlichen Verteilung der Biodiversitätsförderflächen. «Die Agrarpolitik ist gefordert, die dazu notwendigen Instrumente und Massnahmen deutlich zu verbessern», so Studienautorin Jael Hoffmann.

Gleicher Meinung ist Pascal Vuichard, Co-Präsident der Jungen Grünliberalen. «Die Biodiversitätsstrategie des Bundes ist ein Rohrkrepierer, sie hat keines ihrer Ziele erreicht.» Fruchtbare Böden würden weiterhin unüberlegt unsinnigen Überbauungen geopfert. Neben den Feldhasen würden deshalb auch seltene Tierarten wie Braunkehlchen oder Feldlerchen aus unseren überdüngten Wiesen und Feldern verschwinden.

Rettet die Ernährungs-Vorlage die Hasen?

Den Feldhasen retten könnte der Gegenvorschlag zur Ernährungssicherheitsinitiative, über die am 24. September abgestimmt wird (siehe Box). In der Vorlage ist auch ein Passus zur Kulturlandförderung enthalten. «Ein Ja hätte klare Signalwirkung, dass das Parlament dringend eine neue, wirksame Biodiversitäts-Strategie ausarbeiten muss.»

Diese könne zur Erholung der Feldhasen-Bestände beitragen. «Wir schulden den künftigen Generationen eine intakte Natur. Ich habe als Kind die Hasen übers Feld hoppeln sehen, und möchte, dass dies meine Kinder auch einmal erleben können», sagt Vuichard.

Mehr Subventionen statt mehr Hasen

FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen ist hingegen skeptisch. «Wir haben ein Tierschutzgesetz und ein Raumplanungsgesetz, wo solche Fragen geregelt werden können, die Ernährungs-Vorlage in der Verfassung ist hier der falsche Weg.» Der Gegenvorschlag sei inhaltsleer und habe keinerlei gesetzgeberische Konsequenzen.

«Durch eine Annahme der Vorlage passiert nichts. Nur der Bauernverband kann sie für künftige Subventionsansprüche nutzen.» Wolle man konkret etwas für den Schutz der Feldhasen tun, so solle die junge GLP ihrer Mutterpartei einen entsprechenden Vorstoss im Parlament nahelegen, anstatt auf wirkungslose Initiative zu vertrauen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ghost am 17.09.2017 10:54 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Gedanken

    Sorry, sind es doch grad die Grünen, die den Linken helfen, dass die ungebremste Zuwanderung weitergehen kann. Und die Zuwanderung trägt eine Mitschuld an dem ungebremsten Bauboom und daher die Zersiedelung und Überbauung. Die Biodiversität kann aber ohne grünen Boden nicht leben. Und obwohl ich bei der Ernährungsinitiative ja stimme, wird auch diese nichts ändern. Denn genau die wird noch mehr Agrarland brauchen, auf kosten der einheimischen Fauna und Flora. Und obwohl ich rechts stimme, wünsche ich mir auch, dass meine Kinder und Enkel den Feldhasen hoppeln sehen.

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  • Geronimo am 17.09.2017 11:02 Report Diesen Beitrag melden

    Die Landwirtschaft ist das Problem!

    Jede Wiese wird heutzutags beinahe zehn mal im Jahr gemäht. Notabene im Schnellzugstempo. Früher konnten die Tiere noch fliehen, wenn der Bauer mit der Sense oder einem sehr langsam vor sich hintuckernden Traktor das Gras mähte. Dazu meinen die Gemeinde, sie müsste jeden Zentimeter Waldrand- und Wegesrand durch die Gemeindemitarbeiter monatlich mähen lassen, dies sogar in Naturschutzgebieten. Da kann auf Dauer nicht mehr viel überleben!

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  • Ch. Mensch am 17.09.2017 11:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es naht ein böses Ende

    Grün/Rot helfen mit ihrer Zuwanderungs- und Flüchtlings Politik heftig dazu bei, die Schweiz in Beton zu legen. Ausgerechnet die Grünen, welche immer von Natur reden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bauernsohn am 18.09.2017 19:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rechenaufgabe

    Ihr hackt hier so über uns Bauern. Aber es gibt auch noch die Gärtnereien die Land bewirtschaften . Wir brauchen Platz ja.. aber das Landwirtschaftsland wurde Flächen mässig nicht mehr. Bau und Industrie Land aber schon. Also wer nimmt dem Wildtier nur den Platz weg

  • Nadine am 18.09.2017 14:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Natur

    Ich hoffe auch meine Kinder! Schön dass und wenn wir hier helfen. Es braucht Grünflächen , für uns alle!

    • Heidi Reber am 18.09.2017 20:54 Report Diesen Beitrag melden

      Überbevölkerung

      Die Schweiz wird aber nicht grösser! Auch wenn wir uns mehr Grünflächen wünschen... Sie werden nicht mehr, solange wir uns vermehren, als gäbe es keinen Morgen mehr. Irgendwo müssen wir ja auch noch Unterschlupf finden...

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  • Thom am 18.09.2017 13:13 Report Diesen Beitrag melden

    Überbevölkerung Problem Nr.1

    Wieso sind eigentlich die Grünen gegen eine MEI? Überbevölkerung ist ökologisches Problem Nummer 1, die wirkliche Ursache und nicht nur ein Symptom. Daher ist diese Frage vor allen anderen endlich anzugehen. Zumal die viele anderen Fragen auch damit zusammenhängen. Erst wenn sich die Weltbevölkerung wieder auf einem normalen Niveau einpendelt wird es für alle Jobs haben, werden die Ressourcen ohne Raubbau reichen etc.

    • Heidi Reber am 18.09.2017 21:03 Report Diesen Beitrag melden

      Genau so ist das!

      Voilà! Danke Thom für diesen Kommentar! Bin genau der gleichen Meinung! Aber man kann mit praktisch niemandem darüber reden. In den meisten Köpfen existiert "Überbevölkerung" eben gar nicht. Die tragen wohl alle eine Rosa Brille und wollen den Tatsachen nicht in die Augen schauen. Bis es eben zu spät ist. Nun, seien wir mal ehrlich: eigentlich ist es ja bereits zu spät! Warum nur, warum haben diese Hoppelhasen das nicht sehen kommen und vermehren sich, als gäbe es keinen Morgen mehr? Dieses Verhalten macht mir Angst!!!

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  • L. B. am 18.09.2017 13:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Raubvögel

    Ein grosser Beitrag zur Rettung des Feldhases würde die Bejagung der unzähligen Raubvögel leisten!!

  • Veganer am 18.09.2017 12:45 Report Diesen Beitrag melden

    Umfrage

    In der Umfrage fehlt: ich mag Feldhasen, die schmecken lecker!