News, Sport und Unterhaltung

31. Oktober 2017 05:43; Akt: 31.10.2017 14:15 Print

Droht der «Tagesschau» mit «No Billag» das Aus?

von D. Pomper - Bedeutet ein Ja zur No-Billag-Initiative das Ende von SRF – oder würden gewisse Sendungen wie die «Tagesschau» weiter ausgestrahlt?

Bildstrecke im Grossformat »
Für die SRG-Verantwortlichen ist klar: Ein Ja zur Initiative käme einem «Lichterlöschen» gleich. «Sollte ‹No Billag› angenommen werden, », sagte Viktor Baumeler, Präsident des SRG-Verwaltungsrats, in der «Medienwoche». Die Initianten der No-Billag-Initiative kontern: Können wir noch die «Tagesschau» schauen, wenn die No-Billag-Initiative angenommen wird? Co-Präsident des No-Billag-Komitees Silvan Amberg ist überzeugt: Konsumenten würden für Sendungen, die sie bei privaten Anbietern nicht zu sehen oder hören bekommt, gern in die Tasche greifen wird. CVP-Nationalrat Martin Candinas bezeichnet dies als Illusion. «Der SRG fallen mit den Gebühren 75 Prozent der Einnahmen weg. Die restlichen 25 Prozent an Werbeeinnahmen könnten nicht auf dem heutigen Niveau gehalten werden, da die Breitenwirkung fehlt.» Im besten Fall gäbe es dann noch eine . Wahrscheinlicher sei es aber, dass es dann gar keine Sendungen mehr gäbe, da die Initiative «de facto den Tod für die SRG bedeutet». Mit einem Ja zur No-Billag-Initiative dürfte es für Sportsendungen eng werden. , sagt der CVP-Mann Candinas. Das Sportrechte-Budget der SRG beträgt 51,2 Millionen Franken. Auch Initiant Silvan Amberg hält dieses Szenario für realistisch, fände es aber nicht weiter schlimm: Mit der Annahme der No-Billag-Initiative und der Streichung der Gebühren aufmerksam – etwa bei Sendungen wie «SRF bi de Lüt» oder «Landfrauenküche». Ob für Unterhaltungssendungen wie «Donnschtig-Jass» oder «Landfrauenküche» die Nachfrage gross genug sei, dass sich eine Ausstrahlung finanziell lohne, muss sich laut Billag-Gegner Amberg dann zeigen. Befürworter und Gegner sind sich einig: Dass kommerziell orientierte Anbieter in die Bresche springen würden, ist unwahrscheinlich, da «der Markt dort nicht gerade attraktiv ist», wie selbst Billag-Gegner Amberg einräumt. Sein Vorschlag: Die Kantone müssten finanzielle Unterstützung prüfen. Ansonsten könnten die Bürger ausländische Medien in ihrer Sprache konsumieren. Ein Affront für den Bündner Poliker Martin Candinas: «Wir dürfen nicht vom Ausland abhängig werden.» Die SRG habe TV-Studios in allen Regionen der Schweiz, eben auch in solchen, in der sich die Investition Privater niemals lohnen würde. «Ohne die SRG riskieren wir, dass die Bürger der meisten Regionen weniger gut informiert sind und auch niemand über diese Regionen berichtet. Das aber ist für unsere Demokratie elementar.»

Zum Thema
Fehler gesehen?

Im Frühling entscheidet das Stimmvolk über die No-Billag-Initiative, die eine Aufhebung der Empfangsgebühren fordert. Die SRG befürchtet einen Einnahmeausfall in der Höhe von 1,2 Milliarden Franken. Was bedeutete ein Ja zur Initiative ganz konkret für den Konsumenten?

Umfrage
Fänden Sie es schlimm, wenn es keine «Tagesschau» mehr gäbe?

Für die SRG-Verantwortlichen ist klar: Ein Ja zur Initiative käme einem «Lichterlöschen» gleich. «Sollte ‹No Billag› angenommen werden, gäbe es die SRG schlicht und einfach nicht mehr», sagte Viktor Baumeler, ehemaliger Präsident des SRG-Verwaltungsrats, in der «Medienwoche».

«Es geht mit der Initiative nicht um Reduktionen, Programmanpassungen oder einzelne Sendungen wie ‹Tagesschau›, ‹Echo der Zeit› und ‹Rundschau›, es ist eine existenzielle Frage», sagt SRG-Sprecher Edi Estermann. Bei einer Annahme der Initiative wären keine Gebühreneinnahmen mehr möglich. Damit entfiele die Haupteinnahmequelle der SRG. Die SRG müsste aufgelöst werden und würde ihren Sendebetrieb sukzessive einstellen. Den Betrieb einstellen müssten auch die meisten der 34 lokalen TV- und Radiostationen, die einen grösseren Anteil ihrer Einnahmen über Gebührengelder finanzierten, betont Estermann.

«‹Tagesschau› bleibt, für ‹Landfrauenküche› und Skirennen wirds eng»

Silvan Amberg, Co-Präsident des No-Billag-Komitees, hält dagegen: «Natürlich wird es die SRG auch bei einem Ja zur Initiative weiterhin geben.» Beliebte Qualitätssendungen wie die «Tagesschau», «Reporter», «Dok» oder«Echo der Zeit» würden weiter über den Bildschirm flimmern oder über das Radio gesendet. Doch mit welchem Geld? Amberg verweist auf eine Demoskope-Umfrage, laut der 47 Prozent der Befragten bereit wären, 200 bis 300 Franken Gebühren pro Jahr zu bezahlen. Die Sendegebühren betragen neu 365 Franken pro Jahr. «Der Konsument wird für Sendungen, die er bei privaten Anbietern nicht zu sehen oder hören bekommt, weiterhin gern in die Tasche greifen», ist Amberg überzeugt. Und: «Prüfen müsste die SRG auch Zusatzeinnahmen über Werbung.»

Für Serien oder Sportsendungen aber, die der Konsument bei ausländischen Anbietern oder Privaten beziehen könne, oder für Unterhaltungssendungen, die eine zu kleine Zielgruppe erreichen würden, dürfte es eng werden, glaubt Amberg. «Warum soll man für ein Skirennen zahlen, das man auf dem Österreicher sieht, oder für ‹Chicago Med›, das auf Netflix läuft?» Ob für Unterhaltungssendungen wie «Donnschtig-Jass» oder «Landfrauenküche» die Nachfrage gross genug sei, dass sich eine Ausstrahlung finanziell lohne, würde sich dann zeigen. Sicher sei: «Bei einem Ja geht die SRG nicht unter, sie muss sich aber neu orientieren und ein günstigeres, gutes Angebot präsentieren, das sich von der Konkurrenz unterscheidet.»

«Eine Low-level-‹Tagesschau›»

CVP-Nationalrat Martin Candinas bezeichnet es als Illusion, davon auszugehen, dass die Bürger freiwillig Gebührengelder zahlen würden. «Fällt die Radio- und Fernsehabgabe, schaut jeder aufs eigene Portemonnaie – egal, was an einer Umfrage gesagt wurde.» Die Folgen der Initiative: «Der SRG fallen mit den Gebühren 75 Prozent der Einnahmen weg. Die restlichen 25 Prozent an Werbeeinnahmen könnten nicht auf dem heutigen Niveau gehalten werden, da die Breitenwirkung fehlt.»

Stünden der SRG noch 10 Prozent der Einnahmen zur Verfügung, gäbe es im besten Fall zwar noch eine ‹Tagesschau›, «aber eine absolute Low-Level-‹Tagesschau›», so Candinas. Auslandskorrespondenten etwa könnte man sich nicht mehr leisten. Internationale Berichterstattung würden die meisten über ausländische Sender wie ARD oder ZDF konsumieren. Unterhaltungssendungen wie «SRF bi de Lüt» oder Sportübertragungen hätten aufgrund der hohen Infrastrukturkosten oder für die immensen Kosten für die Rechte der Sportübertragungen wohl sowieso keine Chance mehr. Candinas: «Wahrscheinlicher aber ist es, dass es dann gar keine Sendungen mehr gibt, da die Initiative de facto den Tod für die SRG bedeutet.» Die Initianten sollten doch einfach ehrlich sein und zugeben, dass sie sich einen freien Medienmarkt ohne die SRG wünschen.

Schlechte Aussichten für rätoromanische Sendungen

Befürworter und Gegner sind sich einig: SRG-Sendungen der italienisch-, französisch- und rätoromanischsprachigen Schweiz müssten mit Annahme der Initiative wohl gekippt werden. Heute fallen rund 70 Prozent der Gebühreneinnahmen in der Deutschschweiz an. 43 Prozent werden hier eingesetzt. Mit dem restlichen Geld werden TV- und Radiostationen in der restlichen Schweiz ermöglicht.

«Aufgrund der tiefen Bevölkerungszahl wäre die Gebührenfinanzierung durch die Bürger wohl schwierig», räumt Billag-Gegner Amberg ein. Auch für kommerziell orientierte Anbieter ist der Markt nicht gerade attraktiv.» Die Kantone müssten finanzielle Unterstützung prüfen. Ansonsten könnten die Bürger ja immer noch andere ausländische gleichsprachige Medien konsumieren.

Für den Bündner Candinas ist das ein Affront: «Wir dürfen nicht vom Ausland abhängig werden. Ich bin stolz darauf, Schweizer zu sein. Der hohe Anteil an Schweizer Kultur und Schweizer Musik bei den Radio- und Fernsehsender der SRG muss erhalten bleiben.» Auch sei es für unsere direkte Demokratie elementar, dass die Bürger ausgewogenen informiert werden. Weiter habe die SRG TV-Studios in allen Regionen der Schweiz, eben auch in solchen, in der sich die Investition Privater niemals lohnen würde. «Ohne die SRG riskieren wir, dass die Bürger der meisten Regionen weniger gut informiert sind und auch niemand über diese Regionen berichtet.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • TheRealSchnauz am 31.10.2017 06:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    OMG

    Was alles unternommen wird, dass NoBillag scheitert. Hört auf damit, denn as Volk hat genug von Zwangssteuern.

    einklappen einklappen
  • MARDER am 31.10.2017 06:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    NO Billag

    Typisch, jetzt will man es so probieren, die Leute ein nein zu stimmen,andere Sender können auch überleben ohne abzuzocken, die Billag braucht es nicht, wir bezahlen überall doppelt

    einklappen einklappen
  • Andi Scheiwiller am 31.10.2017 05:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Denke es nicht

    Man müsste sich eben nicht nur auf eine finanzielle Quelle stützen, sondern ein zweites Standbein vor Augen haben. In meinen Augen ist die Billag eh zu teuer.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dampfer am 31.10.2017 17:24 Report Diesen Beitrag melden

    Light besser wie jetzt

    Sind wir mal ehrlich wir haben schon ne Tagesschau Ultra Light, für Schweizer Nachrichten schaut man sowieso besser einen regional Sender wie Tele Züri, etc+ für internationale ARD, ZDF, Euronews oder CNN etc. Am Mittag sind SRF Nachrichten vom Tag zuvor, wenn man Glück hat sind in der Hauptnachrichten 10-15 min tatsächlich Nachrichten, die andern 10-15 sind Müll. Die einzige politische Sendung ist die Arena, nur wenn man nicht aus dem Links/Grünen Spektrum ist, ist das auch Müll, vor 10 Jahren war diese Sendung noch ok, aber heute ist sie nur noch gschpürschmi/fülschmi Mist.

  • N.Mohr am 31.10.2017 15:57 Report Diesen Beitrag melden

    Systemwechsel bei der Finanzierung

    Systemwechsel! Nationales unabhängiges werbefreies Fernsehen, Politsendungen, Dokus, Kultur und Brauchtumspflege, Selbstdarstellung der Schweiz und ihrer Institutionen wird über Steuerprozente bezahlt. Sozusagen eine nichtkommerzielle Grundversorgung als "Verfassungsauftrag". Max. 15 Prozent des Budgets für Unterhaltung, Quiz und Serien! Wie bei den Krankenkassen sind gleiche Gebühren für alle ganz sicher unsolidarisch und unsozial. Da muss ein Systemwechsel passieren... Das wäre eine richtige Entwicklung!

  • hmm am 31.10.2017 15:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mh

    Ausser ältere leute kenne ich niemanden, wirklich niemanden der das normale fernsehen nutzt. Ich streame seit jahren alles oder schaue über cablecom anstendige, sinnvolle und gute sachen. Anstatt dieser müll der im standart tv kommt. Ich frage mich echt wer schaut dies jeutzutage

  • Karin Müller am 31.10.2017 15:32 Report Diesen Beitrag melden

    Andere Sender haben auch Nachrichten

    Komisch, andere Sender können auch Nachrichten ausstrahlen und das ohne Zwangsgebühren.... die Gebühren waren vielleicht noch gerechtfertigt, als SRF auch noch keine Werbung hatte, aber jetzt zahl ich und habe Werbeunterbrechung, da geb ich das Geld lieber für Pay-TV aus, dort bekomme ich nämlich genau das was ich haben will und nicht solchen Müll wie ihn das SRF produziert.

  • Jens M. am 31.10.2017 14:23 Report Diesen Beitrag melden

    Als ob..

    als ob die Globalisten hinter den Kulissen auf die tägliche Tagesschau-Gehirnwäsche verzichten würden - ich glaube nicht.