Rentenreform

18. August 2017 18:31; Akt: 18.08.2017 18:31 Print

«Sie wollen, dass wir alle bis 67 arbeiten»

von D. Pomper - SP-Politiker warnen: Sollte die AHV-Reform abgelehnt werden, planen die Gegner eine Erhöhung des Rentenalters auf 67. Das sei Unsinn, kontern diese.

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Was passiert, wenn die Rentenreform abgelehnt wird? Für die Befürworter ist klar: Es droht eine Erhöhung des Rentenalters auf 67. «FDP und SVP haben seit 20 Jahren den versteckten Plan, dass wir alle bis 67 arbeiten sollen», sagt SP-Präsident Christian Levrat. FDP-Bundesrat Couchepin sei immerhin noch offen dazu gestanden, heute versuchten FDP und SVP ihre Abbaupläne mit Floskeln wie «Interventionsmechanismen» oder «technische Massnahmen» am Volk vorbeizuschmuggeln. Als Beispiel nennt er die Pläne einer automatischen Anhebung des Rentenalters, wenn die AHV in Schieflage gerät.

Umfrage
Würden Sie bis 67 arbeiten?
18 %
5 %
1 %
3 %
69 %
4 %
Insgesamt 10484 Teilnehmer

Auch eine Auswertung der Smartvote-Umfrage von 2015 zeigt laut Levrat das wahre Gesicht der Bürgerlichen: 81 Prozent der teilnehmenden FDP- und SVP-Nationalräte hatten sich für das Rentenalter 67 ausgesprochen und 91 Prozent für eine Senkung des Umwandlungssatzes von 6,8 auf 6 Prozent. Darunter auch FDP-Präsidentin Petra Gössi, FDP-Bundesratskandidat Ignazio Cassis und SVP-Präsident Albert Rösti. Auch der ehemalige Botschafter Tim Guldimann sprach sich damals als einziger SP-Politiker für eine Erhöhung des Rentenalters aus. Bei der CVP waren es über ein Viertel der Teilnehmer.

«Das Rentenalter 67 ist im Moment kein Thema»

«Das Rentenalter 67 würde die Schere zwischen arm und reich weiter öffnen», warnt SP-Nationalrätin Barbara Gysi. Nur Gutverdienende könnten es sich dann leisten, sich früher pensionieren zu lassen. Ausserdem biete der Arbeitsmarkt schlicht und einfach nicht genügend Stellen für 60- bis 67-Jährige. «Die Leute würden in die Arbeitslosigkeit und in die IV abgeschoben», sagt Gysi.

FDP-Präsidentin Petra Gössi kontert: «Es ist nicht unser versteckter Plan, das Rentenalter auf 67 anzuheben. Das ist eine Unterstellung.» So ist denn auch im offiziellen «Plan B nach der Ablehnung der Rentenreform» der FDP nicht die Rede von «Interventionsmechanismen», die das Rentenalter 67 einleiten würden. Schliesslich habe die Schuldenbremse im Parlament keine Mehrheit gefunden, so Gössi. Das Rentenalter 67 sei im Moment nicht mehrheitsfähig und deshalb auch kein Thema. Mittelfristig aber müsse man der Realität ins Auge sehen und sich der Diskussion stellen: «Seit die AHV eingeführt wurde, hat die Lebenserwartung um 12 Jahre zugenommen. Das Rentenalter aber wurde noch nie erhöht.»

«Levrat will nur ablenken»

Werde die AHV-Reform am 24. September abgelehnt, wolle die FDP eine mehrheitsfähige Vorlage ausarbeiten, bei der die 1. und die 2. Säule nicht miteinander vermischt, sondern separat saniert würden. «Wir befürworten eine Angleichung des Rentenalters für Männer und Frauen auf 65, eine Erhöhung der Mehrwertsteuer und eine Flexibilisierung des Rentenalters», sagt Gössi. In der zweiten Säule müsse der Umwandlungssatz von 6,8 auf 6 Prozent gesenkt werden, damit die «systemwidrige Belastung der Jungen» verhindert werden könne. Um gleichzeitig das heutige Rentenniveau zu halten, solle der Koordinationsabzug reduziert werden, was insbesondere Teilzeit arbeitenden Frauen höhere Altersrenten bringe. Gössi warnt vor einem Ja zur Altersreform: «Das wäre ein Schritt Richtung Einheitsrente, welche die SP schon seit Jahren fordert.»

SVP-Präsident Albert Rösti pflichtet ihr bei: «Die Smartvote-Umfrage hat nichts mit dieser Abstimmung zu tun.» Das Ziel Levrats sei einzig, davon abzulenken, dass die heutigen Rentner keine zusätzlichen 70 AHV-Franken bekommen und eine Zweiklassengesellschaft entstehe. «Wir sind sogar der Meinung: Es macht keinen Sinn, dass Frauen länger arbeiten, sofern man das gewonnene Geld für Neurentner ausgibt und deshalb bereits in zehn Jahren wieder ein Milliardendefizit einfährt.» Herr Levrat wolle das Rentenalter erhöhen, ohne dass es etwas bringe.

«Das ist eine Schicksalsabstimmung»

Christian Levrat glaubt Rösti und Gössi nicht: «FDP und SVP versuchen seit 20 Jahren, das Rentenalter zu erhöhen und die Renten zu kürzen. Sie werden das auch die nächsten 20 Jahre versuchen. Darum ist es eine Schicksalsabstimmung: Der Kompromiss des Bundesrats gegen die Abbaupläne der Rechten. Die müssen wir gewinnen!»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schweizer am 18.08.2017 18:43 Report Diesen Beitrag melden

    Altersarmut

    Bei der Wirtschaft sind ältere Arbeitnehmer nicht mehr erwünscht, Leute über 50+ werden entlassen, weil sie zu teuer sind. Und nun wollen die allen ernstes das Rentenalter erhöhen? Wenn es dazu kommt, wird die Altersarmut noch mehr zunehmen!

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  • Desmodus am 18.08.2017 18:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erpressung pur

    Die Rentenreform ist eine Mogelpackung. Schon morgen können beispielsweise die Zinssätze nach oben gehen. Die Reform verdient den Namen nicht und trägt der heutigen Gesellschaftsform zu wenig Rechnung. Fehler in der 2. Säule dürfen nicht mit der 1. Säule korrigiert werden. Wenn es um die AHV dermassen schlecht steht, wurde das Volk in den Vorjahren massiv belogen.

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  • Werner T. am 18.08.2017 18:38 Report Diesen Beitrag melden

    Oha, Herr Levrat.....

    ist ja gut wenn er "Stimmung" macht, aber das was er da rauslässt zeigt was Herr Levrat ein sehr grosser "Plauderi" ist. Er versucht das Volk negativ zu beeinflussen! Ich werde diese Reform mit einem NEIN versuchen zu beeinflussen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dana am 21.08.2017 20:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Roboter Zeit!

    Wo sind die Arbeitsplätze? Firmen gehen ja weg, wo werden die Alten noch arbeiten gehen? Ab 45 ist man fast schon draußen .

  • Schweizerin am 19.08.2017 23:26 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Desaster

    Warum geben unsere Politiker für die Fremden soviel Geld aus und für uns reicht es nicht einmal mehr für unsere AHV.Auch unsere Regierung politisierte noch nie so schlecht wie heute.Viele Leute wollen Politiker werden um an das grosse Geld heran zu kommen,darum gibt es so viele unfähige Politiker.Sie sollten nicht mehr soviel verdienen,dann würden nur diejenigen Politik machen denen das Land und die eigenen Leute wichtig wären. Das schadet der ganzen Schweiz.

  • Rene am 19.08.2017 23:19 Report Diesen Beitrag melden

    Alte Leute

    Ja super Arbeiten bis 67 und mit 60 Jahren ist man in der Firma nicht mehr gut genug allso raus mit den Alten und dann was nun ?Arbeit bekommt man keine mehr allso Stempeln und die Arbeitslosen zahl steigt und steigt schöne ausichten die Politiker haben ja das Problem nicht die haben ja genug schöne ausichten für die Alten Leute wie ich

  • Karl Bleiker am 19.08.2017 23:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit

    Leider hat Herrn Leverat kein Respekt vor dem Alter,und er hat oder hatte doch einmal Elter,die auch hart arbeiten mussten damit einmal aus ihren Bubi etwas wurde,ich finde es höchst bedenklich über das Pensionsalter fast bis 90 J zu arbeiten,diese Meinung gehört in die unterste Schublade,

  • Tonarktis am 19.08.2017 23:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lumpige CHF 70.-

    Niemand der angestellte hat, sei es ein SVP ein FDP oder ein Grüner Politiker, will die höheren Lohnkosten (Anteil AHV) zusätzlich zahlen! Darum sind vor allem Geschäftsleute und Gewerbetreibende gegen eine Erhöhung von lumpigen CHF 70.-