SRG-Ombudsmann

27. Oktober 2017 06:07; Akt: 27.10.2017 09:07 Print

SRF erwähnt Sänger innert sechs Tagen 60-mal

Der Basler Sänger James Gruntz wurde während sechs Tagen auf SRF 3 rund 60-mal erwähnt. Nun nimmt der SRG-Ombudsmann Stellung.

Das im September erschienene Album «Waves» hat James Gruntz bei sich zuhause aufgenommen. Eine Führung durch sein Homestudio gibts im Video. (Video: James Gruntz/Tamedia)
Zum Thema
Fehler gesehen?

- Am 15. September war der Basler Sänger James Gruntz Gast im Vormittagsprogramm von Radio SRF 3 und stellte sein neues Album vor.
- Am 16. September war James Gruntz Gast in der SRF-3-Spielsendung «Wochenrundschau».
- Am 17. September wurden auf SRF 3 verschiedene Titel von James Gruntz gespielt.
- Am 18. September wurde viermal eine Single von James Gruntz als Song des Tages präsentiert und redaktionell eingeordnet.

Umfrage
Kennen Sie James Gruntz?

«Obskurer, mittelmässiger Sänger»

Für einen SRF-3-Hörer war das ein bisschen zu viel James Gruntz. Er beanstandete die wiederholte Behandlung des Künstlers auf Radio SRF 3. In einer E-Mail schrieb er: «In der Zeit vom 15. bis 18. September hat der Sender SRF 3 im redaktionellen Teil in diversen Sendegefässen auf massivste Art Werbung für einen obskuren, mittelmässigen Sänger namens James Gruntz und dessen Album ausgestrahlt.»

Tagelang sei sein Name hunderte Male genannt, seine Songs und der Hinweis auf sein neues Album auf penetranteste Weise beworben worden. Der Beschwerdeführer kritisiert die «masslose PR-Dauerberieselung», die den Eindruck erwecke, dass «hier bezahltes Marketing» im Spiel sei.

«Eine anerkannte Grösse in der Schweizer Kulturszene»

Im Schlussbericht der Ombudsstelle SRG, die 20 Minuten vorliegt, nimmt der zuständige Redaktionsleiter Stellung. Er verneint, bezahlte PR/Werbung zu machen. Schliesslich sei dies allen Radiosendern der SRG strikt verboten. Auch sei Gruntz mit sechs Musikalben ein etablierter und anerkannter Schweizer Musiker und eine anerkannte Grösse in der hiesigen Kulturszene. So hat Gruntz etwa zwei Swiss Music Awards sowie den Basler Pop-Preis gewonnen. Ausserdem sei Gruntz zum Zeitpunkt der Beanstandung mit seiner aktuellen Vorabsingle in den Top 50 der Schweizer-Single-Hitparade gestanden.

Zwischen dem 13. und 18. Oktober sei der Sänger höchstens 60-mal genannt worden, was nicht einer überdurchschnittlich Anzahl von Nennungen entspreche. Audio-Wirkungsforschungen hätten belegt, dass es im Schnitt bis zu 60 Einsätze eines einzelnen Songs/Künstlers brauche, bis dieser vom Publikum wahrgenommen werde, so der Redaktionsleiter. Er zeigt sich aber auch selbstkritisch: Es sei sicher nicht das Ziel, den Anschein von PR zu erwecken. Deshalb werde man die Ballung so nicht mehr handhaben.

«Richtige ‹Gruntz-Festspiele› auf SRF 3»

SRG-Ombudsmann Roger Blum unterstützt die Beanstandung des Hörers teilweise. «Das waren richtige ‹Gruntz-Festspiele› auf SRF 3, und die Redaktion hat ja auch gemerkt, dass es des Guten zu viel war und dass man künftig etwas zurückhaltender sein wird», schreibt er. Aber: Der Musiker sei ein mehrfach preisgekröntes Talent. «Es gab also durchaus Grund, sein neues Album zu würdigen.»

(dp)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mani Motz am 27.10.2017 06:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Natürlich war das Werbung

    Ein weiterer Grund, die No Billag Initiative anzunehmen.

    einklappen einklappen
  • Gaggogustafson am 27.10.2017 06:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    super Werbung

    Spätestens nach diesem Bericht kennt jeder den Gruntz.

    einklappen einklappen
  • Fredu am 27.10.2017 06:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gegrunzt

    Grunz geht mir auf die Nerven,weil zuviel gehört.Shalte jedes mal um

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Zki am 27.10.2017 19:35 Report Diesen Beitrag melden

    In Russland

    Als ich dieses jahr in Moskau war, lief ein Lied von ihm in einer Bar. Fands ziemlich witzig James Gruntz in Russland zu hören. Ich finde seine Musik für CH verhältnisse eigentlich recht gut.

  • Sonicgruntz am 27.10.2017 15:39 Report Diesen Beitrag melden

    CH Pop

    SFR3 wollte der CH-Szene einen höheren Anteil geben. Wenn es weniger als 10 Sänger in der Schweiz gibt (und die sterben auch aus RIP Polo) kommt mal schnell auf 60 mal das gleiche...

  • Zimmi am 27.10.2017 15:28 Report Diesen Beitrag melden

    Schaut fuer euch selber

    Die da oben wetden es nie begreifen radio heisst info und musik aber eben lang lebe das geld und nach no-billag kommt was neues besser man versteht die zukunft und kann sich selber helfen wer braucht so einen staat

  • Musik geniesser am 27.10.2017 15:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Völlig unklar

    Warum kriegen die CH-Künstler die internationale Kurve kaum. Wohl zu schlecht. Am kleinen Heimmarkt kanns nicht liegen. Warum schaffts eine Shakira, Rihanna und immer wieder Iren, Schweden, Norweger ... alles Leute aus genau so Kleinstaaten wie wir. Yellow ist die löbliche Ausnahme.

  • Michél am 27.10.2017 15:05 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Meinung

    Nun er wäre wohl kaum bekannt, hätte man ihn nicht schon vorher gefördert. Da er aber nicht schweizerdeutsch singt, sollten neue Talente gefördert werden.