Streitgespräch Homo-Ehe

12. März 2015 11:50; Akt: 12.03.2015 13:28 Print

«Welches Männer-Vorbild hat ein Kind von Lesben?»

von S. Marty - Sollen Schwule und Lesben heiraten dürfen? Der homosexuelle SP-Nationalrat Martin Naef und die SVP-Nationalrätin Verena Herzog streiten über die Homo-Ehe.

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Herr Naef, würden Sie gerne heiraten?
Naef: Ich würde gerne heiraten können, das heisst aber nicht, dass ich heiraten möchte. Jeder Mensch, egal ob homo-, hetero- oder bisexuell, sollte die gleichen Rechte haben – auch, wenn es ums Thema Ehe geht.

Umfrage
Sollen Schwule und Lesben heiraten dürfen?
62 %
37 %
1 %
Insgesamt 5817 Teilnehmer

Frau Herzog, warum wollen Sie Herrn Naef diese Möglichkeit verwehren?
Herzog: Das Problem ist, dass es nicht bei dieser Forderung bleibt. Die Schweiz hat vor zehn Jahren der eingetragenen Partnerschaft zugestimmt und heute liegen Vorstösse auf dem Tisch, die den Homosexuellen die Adoption erlauben wollen. Das geht mir einfach zu weit. Homosexuelle können heute ihre Partnerschaft eintragen lassen und das ist gut so.

Herr Naef, warum reicht Ihnen denn eine eingetragene Partnerschaft nicht?
Naef: Die Ehe ist nicht nur eine gesetzlich geregelte Verbindung, sie hat auch einen wichtigen symbolischen Wert. So ist sie ein gegenseitiges Versprechen zweier Menschen, füreinander zu sorgen. Zudem ist es doch einfach etwas anderes, wenn ich beim Heiratsantrag frage «Willst du mich heiraten?» oder «Willst du mein eingetragener Partner werden?».
Herzog: Zwei Männer oder Frauen können sich dieses Versprechen auch so geben, etwa im Rahmen einer Feier mit Freunden und Familie. Dafür braucht es keine Öffnung der Institution Ehe an sich.
Naef: Das sehe ich entschieden anders. Vor allem auch, weil die Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Ehe eine wichtige Aussenwirkung für unsere Gesellschaft hätte.
Herzog: Homosexuelle sind in der Schweiz bereits sehr gut akzeptiert. Auch ich habe übrigens nichts gegen euch.
Naef: Ich habe übrigens auch nichts gegen euch Heterosexuelle (lacht). Dennoch gibt es kein vernünftiges Argument, die gleichgeschlechtliche Ehe zu verbieten. Es würde die Institution Ehe auf- und nicht etwa abwerten.

Zumindest die Kirche würde Ihnen hier vehement widersprechen. Erst kürzlich hat in Bürglen UR ein Pfarrer ein lesbisches Paar gesegnet und er wurde dafür heftig kritisiert.
Naef: Ich bin reformiert und möchte dazu eigentlich nicht viel sagen. Trotzdem habe ich mich gefreut, dass diese konservative Gemeinde im Kanton Uri diesem Pfarrer den Rücken gestärkt hat.
Herzog: Ich bin auch nicht katholisch, dennoch hat die Kirche den Auftrag, den christlichen Werten Sorge zu tragen. Es gibt übrigens keine Religion, in der von einer Ehe zwischen Mann und Mann oder Frau und Frau die Rede ist.

In zahlreichen Ländern dürfen Schwule und Lesben bereits heiraten. Und auch in der Schweiz zeigen Umfragen, dass die Mehrheit der Bevölkerung für die Homo-Ehe ist. Sind diese Werte denn heute noch zeitgemäss, Frau Herzog?
Herzog: Ich möchte nochmals auf den Punkt der Adoption zurückkommen. Wenn jemand heiratet, dann macht er dies vor allem, weil er eine Familie gründen möchte.
Naef: Dass können Sie doch nicht so pauschal sagen!
Herzog: Zumindest der Ursprung der Ehe liegt in der Familiengründung. Homosexuelle sollen nicht durch die Ehe dazu ermutigt werden, Kinder zu adoptieren. Jedes Kind soll die Chance haben, mit einer Mutter und einem Vater aufzuwachsen.

In der parlamentarischen Initiative «Ehe für alle» der GLP ist die Adoption für gleichgeschlechtliche Paare ausdrücklich ausgenommen – dennoch sind sie dagegen.
Herzog: Die von der GLP sagen selbst, dass sie die Homo-Adoption vielleicht nicht in diesem Vorstoss, doch generell befürworten und sogar fordern.
Naef: Es gibt so oder so kein Recht auf ein Kind. Es gibt nur das Recht eines Kindes auf Eltern respektive auf Bezugspersonen und damit einhergehend auf Betreuung, Fürsorge und Liebe. All dies können Schwule und Lesben einem Kind genauso gut bieten wie Heterosexuelle.

Herr Naef, haben Sie denn gar keine Bedenken, dass ein Kind wegen seiner homosexuellen Eltern in der Schule gehänselt oder ausgegrenzt werden könnte?
Naef: Kinder selber sind nicht ausgrenzend. Ja, sie sind direkt, aber sie fragen nicht «Welche Nationalität hast du?» oder sagen auch nicht «Was, du bist bei der SVP, ich will nichts mit dir zu tun haben» (beide lachen). Das Problem ist nicht die «Homo-Ehe», sondern die Gesellschaft respektive die Eltern, die ihren Kindern dieses engstirnige Denken vorleben.
Herzog: Es geht hier aber nicht um die Eltern, sondern um das Kindeswohl. Eine neue Langzeitstudie aus den USA belegt, dass Kinder von Homo-Paaren als Erwachsene viermal häufiger psychologisch oder psychiatrisch betreut werden müssen als Kinder von Hetero-Paaren. Das gibt mir zu denken. Auch meine Töchter suchten beispielsweise in der Pubertät vor allem die Nähe zu mir, mein Sohn hingegen war viel stärker auf meinen Mann fokussiert. Herr Naef, sagen Sie mir, welches männliche Vorbild hat ein Junge, der bei zwei Lesben aufwächst?
Naef: Also wirklich, der Junge wird ja wohl mit den beiden Frauen nicht auf irgendeiner Alp leben. Ein Kind wächst nicht in einem Vakuum auf, sondern es hat viele Bezugspersonen um sich. So wie sie argumentieren, hätte dann ja auch eine alleinerziehende Mutter keine Existenzberechtigung. Ich sage nicht, Schwule oder Lesben seien die besseren Eltern, doch von Beginn an zu sagen, sie seien schlechter, das ist pures Schubladendenken.
Herzog: Es geht nicht um bessere oder schlechtere Eltern. Tatsache ist: Vater oder Mutter als enge Bezugsperson fehlt bei gleichgeschlechtlichen Paaren. Die alleinerziehende Mutter in die gleiche Schublade zu werfen finde ich ungerecht. In den wenigsten Fällen wählt sie diese Situation freiwillig.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Regenbogenjunge am 12.03.2015 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn Hoch 300

    Ich hab 2 Mamis und 4 männliche Göttis. Habe also 3X mehr männliche Vorbilder als andere ;) Ich spiele Fussball, mache Sportklettern, gehe gerne Gocart Fahren WICHTIG werde nicht gehänselt (Alle wissen, dass ich 2 Mamis habe in meiner Schule), habe Selbstvertrauen weil ich mit Liebe und Offenheit erzogen wurde. UND kann mit nun 14 Jahren definitiv sagen ich bin Hetero ;) und habe keine psychischen Probleme (auch keiner der mir bekannten Regenbogenkinder und ich kenne etwa 5...)

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  • René Obi am 12.03.2015 12:04 Report Diesen Beitrag melden

    Gegenfrage

    Welches Männer-Vorbild hat ein Kind aus einer Familie mit einem trinkenden Schläger als Vater?

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  • CP85 am 12.03.2015 11:59 Report Diesen Beitrag melden

    Gegenfrage

    Kinder, die adoptiert werden sollen, sind aus heterosexuellen Ehen/Partnerschaften entstanden, die nicht funktionieren und wo die Kinder somit keine Liebe erfahren haben. Wieso ist es also das Privileg der Heterosexuellen, ein Kind haben zu dürfen, wenn die Homosexuellen den Kindern ein schönes Leben ermöglichen wollen und im Gegensatz zu den echten gescheiterten Eltern dies auch können? Und das frage ich als Hetero! Das was man oben liest, ist eine mehr als traurige Engstirnigkeit!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hans Tanner am 13.03.2015 18:00 Report Diesen Beitrag melden

    Zur Umfrage

    Ich mag allen ihre Rechte von Herzen gönnen, sofern man dabei die Pflichten nicht ausblendet.

  • Hans Wurst am 13.03.2015 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    Aufwachsen

    Frau Herzog kann man es wohl nicht recht machen. Sobald Frauen und Männer gleichgestellt sind dürfen doch diese auch Heiraten wenn sie wollen ob Mann oder Frau. Oder möchten wir auch wieder Frauen nur am Herd haben und Männer nur im Büro. Ebenfalls bin ich auch der Meinung, dass Kinder die Adoptiert werden bestimmt eine bessere Zukunft haben als wenn diese in einem Weissenhaus aufwachsen. Egal ob von hetero- oder homosexuellen Eltern.

  • rado am 13.03.2015 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    Äpfel mit Birnen

    Wenn ich all diese Kommentare lese, habe ich das Gefühl, dass ich als hetero out bin. Ich denke, die Natur hat einen Familienverband vorgegeben, der mir immer noch als die beste Lösung scheint. Es ist nicht fair, schlechte Zustände einer "normalen" Familie mit einer ach so harmonischen und offensichtlich immer perfekten Familie zu vergleichen. Auch das Zusammenleben von Mann und Frau ist ein wichtiges Erlebnis, dass zu guten oder schlechten Erfahrungen führen kann ....

    • Luisa am 13.03.2015 19:00 Report Diesen Beitrag melden

      Die Natur gibt etwas anderes vor...

      Was hat denn die Natur als Familienverband vorgegeben? In der Natur gibt es bei vielen Tieren homosexuelles Verhalten und auch homosexuelle Paare, die Junge heranziehen (z. B. schwarze Schwäne). Die traditionelle Kleinfamilie ist eher ein Konstrukt der Gesellschaft.

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  • Analytiker am 13.03.2015 09:44 Report Diesen Beitrag melden

    Rechtsbürgerliche Moralisten

    "Das geht MIR einfach zu weit." Diese Aussage sagt eigentlich schon alles. Politikerinnen wie Frau Herzog, die nicht bereit sind über Ihren eigenen Erfahrungshorizont zu schauen sind nichts wert. Abwählen und tschüs.

  • eazy am 13.03.2015 08:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    natürlich - normal - religion

    die Argumente zählen nicht mehr. die menschen haben sich geändert. nur die religionen sind zurück geblieben. wenn wir auf das pochen dann gehören frauen in den haushalt und betreuen die kinder. nix von Arbeit und Politik. und hinzu kommt noch das wir kirche und staat trennen sollten was aber leider nicht so ist. schliesslich ist die traditionelle familie, frau zu hause mit kinder, ein sehr sehr geringer anteil an allen ehen. darum gelten für mich solche argumente schlicht weg nicht.