Tickets kosten 2,3% mehr

07. August 2014 09:03; Akt: 07.08.2014 11:45 Print

Abend-GA soll Züge besser auslasten

Ab dem 14. Dezember wird Bahn- und Busfahren teurer: Um durchschnittlich 2,3 Prozent schlagen die Billettpreise auf. Das Halbtax-Abo bleibt gleich, neu gibts ein Abend-GA.

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In der Bahnhofshalle im Zürcher HB kauft ein Reisender ein Ticket. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Die Preise für den öffentlichen Verkehr werden per 14. Dezember nicht so stark erhöht, wie vor drei Monaten angekündigt: Der Preisüberwacher hat den Verband öffentlicher Verkehr (VöV) gebremst. Statt um 2,9 Prozent schlagen die Tarife durchschnittlich nur um 2,3 Prozent auf. Nicht teurer werden die 9-Uhr-Karte und das Halbtax.

Der Preisüberwacher kam gemäss einer Mitteilung vom Donnerstag zum Schluss, dass die geplanten Erhöhungen nur zum Teil gerechtfertigt sind. Mit den ursprünglich geplanten linearen Aufschlägen hätten auch die Fernverkehrs-Passagiere mehr bezahlen müssen, obwohl nur im Regionalverkehr ein Loch von 90 Millionen Franken droht.

Halbtax wird nicht teurer

Der Preisüberwacher setzte deshalb durch, dass die 9-Uhr-Karte und das Halbtax nicht aufschlagen. Zudem muss die SBB auf den 50 wichtigsten Fernverkehrsstrecken ein Rabattangebot lancieren: Täglich sollen mindestens 5000 Billette mit einer Vergünstigung zwischen 30 und 50 Prozent angeboten werden. Dieses Rabattangebot hat einen Wert von 29,2 Millionen Franken.

Sollten diese Rabatt-Billette nicht in diesem Ausmass gekauft werden, hat der Preisüberwacher die ÖV-Branche verpflichtet, dafür die 9-Uhr-Karten zum halben Preis abzugeben, also für 29 Franken.

ÖV nimmt 48 Millionen mehr ein pro Jahr

Die anderen, geplanten Aufschläge wurden aber genehmigt, wie der Preisüberwacher weiter schreibt. Insgesamt nimmt die ÖV-Branche damit rund 48 Millionen Franken mehr ein pro Jahr. Einzelbillette kosten ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2,9 Prozent mehr.

Teurer werden auch die Generalabonnemente (GA): Für Erwachsene in der 1. Klasse beträgt der Aufschlag 2,9 Prozent oder 170 Franken, in der 2. Klasse sind es 3,0 Prozent oder 105 Franken.

Tageskarte für 2. Klasse wird 2 Franken teurer

GA für Junioren und Studierende schlagen um je 2,8 Prozent auf, jene für Senioren um 3,0 Prozent. Für Behinderte wird das 1.-Klass-GA um 2,9 Prozent teurer, dasselbe Abonnement für die 2. Klasse schlägt um 3,0 Prozent auf.

Einen Aufschlag gibt es auch bei den Tageskarten, die mit dem Halbtax-Abonnement einen Tag lang als GA benutzt werden können: Die Karte für die 1. Klasse kostet ab Dezember 2014 124 Franken, was einen Aufschlag um 3 Franken bedeutet. Für die 2. Klasse kostet die Tageskarte 2 Franken mehr, nämlich 73 Franken.

Abend-GA wird getestet

Gemeinsames Ziel von Preisüberwacher und VöV ist eine weiter verbesserte Auslastung der Züge und Busse in der Nebenverkehrszeit sowie die Gewinnung von neuen Kundinnen und Kunden im Freizeitverkehr. Aus diesem Grund haben die beiden Seiten in der Anfang Woche unterzeichneten
einvernehmlichen Regelung festgehalten, 2015 im Rahmen eines Pilotprojekts ein Generalabonnement für den Abend zu testen.

Der genaue Preis und der Zeitpunkt des Pilotversuchs werden von der ÖV-Branche festgelegt. Das Abend-GA soll von Montag bis Sonntag ab 19.00 Uhr bis Betriebsschluss wie ein normales GA gültig sein. Das Abend-GA ist eigentlich identisch mit dem Gleis-7-Abo, das allerdings nur Passagieren bis 25 Jahren verkauft wird.

Bei Pro-Bahn, der Interessenvertretung der Passagiere, hält sich die Begeisterung über die nur teilweise genehmigten Aufschläge in Grenzen. Es sei natürlich positiv, dass die Tariferhöhung habe gebremst werden können, sagte Präsident Kurt Schreiber. Dennoch entstünden vielen Bahnreisenden Mehrkosten.

Konsumentenschutz kritisiert «Basar-Stimmung»

Wenig Begeisterung auch bei der Stiftung für Konsumentenschutz: Einerseits begrüsse man natürlich die Abfederung der Preiserhöhungen, sagte Geschäftsleiterin Sara Stalder.

Sie kritisierte aber die «Basar-Stimmung», die mit dem neuen Rabattsystem aufkomme. «Eine Leistung - ein Preis» - darauf könne sich der Passagier nicht mehr verlassen. Der Kauf eines solchen Rabatt-Billetts gleiche einer Lotterie, weil man nicht wisse, wann auf welchen Strecken und in welcher Höhe Rabatte gewährt würden.

(zum/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Luca Künzi am 07.08.2014 09:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abzockerei!

    Riesen Frechheit! Die grösste Abzocke! Mehr zahlen obwohl man nie platz zum sitzen hat und es immer Verspätungen gibt!

  • helmi am 07.08.2014 09:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    dafür haben jetzt alle SBB Mitarbeiter neue Geräte bekommen.. Die Preise werden höher und der Service geht zurück. Ständig verspähtungen und total überfüllte Züge...

  • Pendler am 07.08.2014 09:27 Report Diesen Beitrag melden

    Alle Jahre wieder

    War zu erwarten, erhoffe mir nun trotzdem mal pünktlichere Verbindung. Keine Woche vergeht, ohne dass ich nicht einen bis 3 Tag(e) ohne verspätung oder verpasste Verbindung reise.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Der Mondschein am 07.08.2014 16:17 Report Diesen Beitrag melden

    @Michi

    in anderen Ländern zahlt man aber auch nicht 3500 stutz fürs Bahnfahren.

  • Michi am 07.08.2014 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    Verwöhnt

    Wir Schweizer sind schlichtweg verwöhnt. In jedem anderen Land muss man in den Stosszeiten stehen (wenn man's ins Fahrzeug geschafft hat)! Nicht immer rummeckern!

  • Lehrling am 07.08.2014 13:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sparen ist angesagt liebe SBB

    ...auch die SBB sollte besser anfangen die Kosten in Grenzen zu halten, so z.B. auf ein Smartphone für jeden Mitarbeiter zu verzichten. Wir als Arbeitende können auch nicht jedes Jahr zum Cheff gehen und ihn dazu zwingen uns 2.3 % mehr Lohn auszuzahlen, nur weil wir auf nichts verzichten wollen. Sie könnten die Ticketpreise auch verdoppeln und ich wäre gezwungen bis zur bestandenen Fahrprüfung zu zahlen. Zudem sind viele Angebote einfach überflüssig (Abend-GA) und das Ticket lösen am Automat wird komplitzierter. Wie wäre es, wenn sie das GA günstiger machen, so das sich alle eins kaufen!?

  • Stefan am 07.08.2014 13:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt reichts.

    Dann noch die Preiserhöhung !!Stress kein Platz , Klima funktioniert nicht , Verspätung, usw. 3 mal wöchendlich zu spät bei der Arbeit wegen irgendwelchen Störungen.nein hab die schnauze gestrichen voll! Fahre ich in Zukunft lieber wieder mit dem Auto. Billiger bequemer weniger Stress , Sitzplatz . Gibt keinen Grund mehr die öv zu benutzen. Und der Stau kann ich einberechnen und ist im gesammten gesehen weniger Stress.

  • Valnes am 07.08.2014 13:43 Report Diesen Beitrag melden

    Falsch verstanden

    Es geht ja auch nicht darum, dass der Feierabendverkehr finanziell entlastet werden soll. Vielmehr soll das Reisen ausserhalb der Spitzenzeiten attraktiver werden, um die Spitzenzeiten zu entlasten.