Telefon-Werbung

30. Oktober 2017 13:47; Akt: 30.10.2017 14:06 Print

Callcenter missbraucht Schweizer Privatnummer

Ein ausländisches Callcenter klaute die Nummer einer Bernerin. Weil von dieser fortan unerwünschte Werbeanrufe ausgingen, wurde die Frau von Opfern des Callcenters beschimpft.

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Beim sogenannten Spoofing wird den Angerufenen eine unverdächtige Schweizer Privatnummer angezeigt. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Angefangen hat alles recht harmlos: Brigitta Jäggi erhielt einen Anruf von einem englischsprachigen Callcenter. «Irgendwann wurde es mir zu blöd und ich legte auf», sagte sie dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso».

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Dann allerdings ging der Albtraum los. Denn fortan klingelte das Telefon der Bernerin ununterbrochen. «Da war eine Privatperson oder ein Geschäft dran und sagte, ich hätte versucht, sie zu erreichen. Was ich denn wolle», erzählt die Bernerin.

Bei Spoofing wird eine unverdächtige Schweizer Nummer angezeigt

Alle 30 Sekunden habe sich fortan jemand gemeldet. Mit der Zeit liess Jäggi das Telefon einfach läuten, schliesslich zog sie entnervt den Stecker. «Doch als ich das Telefon nach ein paar Stunden wieder anschloss, ging das Ganze von vorne los.»

Jäggi wurde Opfer des sogenannten Spoofing. Dabei handelt es sich um einen hinterhältigen Trick ausländischer Callcenter, bei dem den Angerufenen eine unverdächtige Schweizer Privatnummer angezeigt wird.

«Die Leute wurden wütend»

Während es zu Beginn Fantasie-Nummern waren, sind es heute zunehmend geklaute Nummern von Privatpersonen. Die Strategie dahinter ist klar: So nehmen auch Leute den Hörer ab, die Anrufe mit unterdrückten oder ausländischen Nummern abweisen. Zudem wollen die Callcenter mit dem Spoofing die Spam-Filter der Telefonanbieter austricksen.

Bei Brigitta Jäggi nahm der Telefonterror seinen vollen Lauf. «Die Leute wurden wütend, weil sie gleich mehrfach von meiner Nummer aus angerufen wurden», sagt sie. Mit der Zeit traute sich die Frau kaum noch, den Hörer abzunehmen. Auf ihrem Facebook-Account und auf dem Handy ihres Mannes beschwerten sich ebenfalls Leute.

Gesetzesänderung zur Unterbindung von Spoofing

Jäggi bat ihren Telefonanbieter um Hilfe. Dieser winkte ab: Gegen Spoofing sei kein Kraut gewachsen, man könne nur abwarten. Kein guter Rat, denn die Anrufe gingen weiter.

Jäggi sah sich gezwungen, ihre Nummer zu wechseln. Als Erstes liess sie gleich den Eintrag im Telefonverzeichnis entfernen. «Ich hatte Angst, dass plötzlich jemand vor meiner Haustür steht», so die Bernerin. Auf einen Eintrag im Internet verzichtet sie künftig.

Der Bundesrat will mit einer Gesetzesänderung verbieten, dass Callcenter gar keine oder eine falsche Nummer anzeigen lassen können. Der Vorschlag kommt nun ins Parlament. Der Nutzen bleibt indes fraglich: Gegen ausländische Callcenter sitzen Schweizer Behörden häufig am kürzeren Hebel.

Morgen gibts auf 20 Minuten einen Live-Chat rund um lästige Werbeanrufe, Callcenter und Telefonbetrüger.

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(sul)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • S.R. am 30.10.2017 14:01 Report Diesen Beitrag melden

    Sauerei !

    Hier braucht es dringend eine Gesetzesänderung und technische Systemanpassung ! Callcenter müssten als Spezialrufnummer angezeigt werden, an welcher sofort ersichtlich ist, dass es sich um ein Callcenter handelt und damit die Nummer sofort gesperrt werden kann. Die Schweiz sitzt am kürzeren Hebel gegenüber internationalen Callcentern... - Wo sind hier jetzt die glorreichen Staatsverträge welche ja stets angepriesen werden ?

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  • TigerDragon am 30.10.2017 14:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nervig die Callcenter

    Es wird Zeit das mal was passiert,geng diese lästigen Werbeanrufe.

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  • Sil Via am 30.10.2017 13:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verbieten?

    Man will das verbieten? Echt jetzt! Das hilft bestimmt. Das Problem ist allgegenwärtig und kann einzig bei den Providern angegangen werden: Anruf aus dem Ausland, Schweizer Nummer...raus!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Brigitte Jaeggi am 31.10.2017 17:19 Report Diesen Beitrag melden

    Keine schöne Erfahrung!

    Vielen Dank für den Artikel! Es war wirklich keine schöne Erfahrung! Es erinnert einen daran: vorsicht mit den neuen Medien! LG B.Jaeggi

  • Indianerin am 31.10.2017 13:57 Report Diesen Beitrag melden

    Feuerzeichen

    Wenn wie bei den Indianern für die Kommunikation zuerst ein Feuer angezündet werden müsste, so wären wir nur mit wichtigen Informationen beschäftigt und vom Ausland kämen die Feuerzeichen gar nicht erst an. Telefon = Menschenjäger

  • Telefonhörer am 30.10.2017 21:56 Report Diesen Beitrag melden

    Community muss es richten

    Schon komisch, dass die provider jede sekunde roaming erfassen können, um diese weiterzuverrechnen, aber ausländische callcenter zu identifizieren geht nicht? Die branche also die provider muss eine lösung finden, ansonsten wird die politik aktiv und in so 37 jahren würde ein gesetz dagegen wirksam. Dass dann niemand mehr auf diese uralttech setzt, ist egal. Provider und deren verwaltungsräte (=politiker und deren verwandte/bekannte) werden solange sie kassieren nichts ändern. Der konsument ist auf annonymus o.ä. angewiesen. Geld ist immer mächtiger als der volkswille. MEI und so...

  • Mausi vom Hof am 30.10.2017 21:55 Report Diesen Beitrag melden

    Unmündig

    Ich sage einfach das ich Sozialhilfebezügerin bin oder das ich zuerst meinen Vormund fragen muss.... klappt..und ich habe ruhe

  • Stiller Beobachter am 30.10.2017 21:27 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Einnahmequelle

    Der Bund könnte dies schon längst verbieten. Mit Bezug auf "könnte". Alle Beteiligten verdienen kräftig mit, ausser der Konsument. Womöglich mit der Begründung: Gutes muss erhalten bleiben.