Parteiaustritt

08. Januar 2016 14:26; Akt: 08.01.2016 14:27 Print

Spiess-Hegglin will jetzt Piratin werden

Der Austritt bei den Grünen hat sich für Jolanda Spiess-Hegglin seit längerem abgezeichnet. Bald könnte sie für die Piratenpartei politisieren. Es haben bereits Gespräche stattgefunden.

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Sitzt Jolanda Spiess-Hegglin bald für die Piratenpartei im Kantonsrat? Florian Mauchle, Präsident der Piratenpartei Zentralschweiz, bestätigt, dass Gespräche stattgefunden haben. «Wir stehen im Kontakt.» Es gebe eine grosse Übereinstimmung zwischen den politischen Ansichten von Frau Spiess-Hegglin und den Zielen der Piratenpartei. «Sie würde gut zu uns passen», sagt Mauchle. Nach Informationen von 20 Minuten denkt Spiess-Hegglin über den Aufbau einer Frauensektion nach. Darüber sei noch nichts Konkretes besprochen worden, sagt Mauchle. Die Parteimitglieder müssten über eine solche Untersektion abstimmen.

Jolanda Spiess-Hegglin bestätigte auf Anfrage ebenfalls, dass es Gespräche zwischen ihr und der Piratenpartei gegeben habe: «Für mich war es bereits seit längerem ein Thema, dass ich mich den Piraten anschliessen könnte.» Bereits im November hätten erste Gespräche stattgefunden. Ein Beitrittsgesuch habe sie mangels Zeit aber noch nicht eingereicht. Der Austritt bei den Grünen habe sich hingegen schon seit längerem abgezeichnet. «Der Kommentar im Parteiblatt war dann aber das Tüpfelchen auf dem i.»

Mauchle war an Spiess-Hegglins Geburtstagsparty

Der Aufbau einer Frauensektion wäre für sie durchaus denkbar. Die Piraten seien in ihrer Auffassung zum Schutz der Frauen deutlich fortschrittlicher als einige Mitglieder der Grünen Partei. Zwar habe die Partei noch wenige weibliche Mitglieder, sie könnte aber den Frauen eine gewichtige Stimme verleihen. «Vielleicht kann ich so die eine oder andere Frau zusätzlich dazu ermutigen, Politik zu machen», sagt Spiess-Hegglin.

Spiess-Hegglin und Mauchle kennen sich bereits seit längerem. So war der 34-Jährige bei Spiess-Hegglins letztem Geburtstag, bei dem die Politikerin Unterwäsche sammelte, um ein Zeichen gegen «Rape Culture» und «Victim Blaming» zu setzen. Weiter outete sich Spiess-Hegglin auf Twitter als Unterstützerin der Piraten. So veröffentlichte sie am 3. Januar ein Bild eines Wahlzettels für die Ergänzungswahl im Zuger Regierungsrat. Sie wählte Stefan Thöni, Wahlkampfleiter der Piratenpartei.


Weiterer Seitenhieb der Grünen

Am Donnerstag wurde bekannt, dass Spiess-Hegglin per Ende Jahr bei den Grünen hinschmiss. Grund dafür war ein Satz in einer Kolumne im Parteiblatt der Grünen: «Da sind K.-o.-Tropfen unnötig – eine Überdosis Magdalena reicht.» Der Autor beschrieb in seinem Beitrag eine Szene, in der SVP-Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher den SP-Nationalrat Tim Guldimann dauernd unterbrach. Mit dem erwähnten Satz wollte der Verfasser wohl seinen Unmut über die Blocher-Tochter kundtun. Spiess-Hegglin verstand den Auszug allerdings anders.
Man habe sich auf ihre Kosten lustig gemacht, sagte sie. Die 35-Jährige zog daraufhin die Konsequenzen.

Bei den Grünen bedauert man die Ereignisse, die zum Rücktritt geführt haben, wie es in einer Mitteilung heisst. Das vergangene Jahr sei sowohl für Spiess-Hegglin als auch für die Partei ein schwieriges gewesen. Man danke ihr für die engagierte Arbeit, die sie bis Ende 2014 geleistet habe. Auf Rückfrage von 20 Minuten heisst es bei den Grünen, dass es sich beim Jahr nicht um einen Schreibfehler handle. Es sei bewusst so geschrieben worden. «2015 hat sie nicht gearbeitet», sagt Barbara Beck-Iselin, Co-Präsidentin der Grünen Zug.

(dia/dag)