Cannabidiol

05. September 2017 19:01; Akt: 05.09.2017 19:01 Print

CBD-Gegnerin will Boykott von Coop und Denner

von Silvana Schreier - Eine Vereinigung ruft dazu auf, Läden, die CBD-Produkte im Sortiment führen, zu meiden. Das sorgt bei Detailhändlern für Befremden.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Wollen wir, dass unsere Kinder und Jugendlichen wegen den Auswirkungen des Cannabidiol-Konsums in einem Dämmerzustand ihre Freizeit verbringen?» Diese Frage stellt Sabina Geissbühler-Strupler in ihrem Leitartikel im Infoblatt der Schweizerischen Vereinigung «Eltern gegen Drogen». Als Präsidentin der Vereinigung ruft sie zum Boykott von Verkaufsstellen «wie zum Beispiel Coop oder Denner» auf, die sogenannte Cannabidiol-Produkte verkaufen. Bei Cannabidiol (CBD) handelt es sich um eine Substanz aus der weiblichen Hanfpflanze, die entkrampfend, angstlösend und beruhigend wirkt.

Umfrage
Finden Sie, man soll nun wegen den CBD-Zigaretten die Detailhändler Coop und Denner boykottieren?
9 %
2 %
6 %
17 %
66 %
Insgesamt 6450 Teilnehmer

«Es ist eine Katastrophe, dass dieses Beruhigungsmittel für Jugendliche frei erhältlich ist», sagt Geissbühler-Strupler auf Anfrage. Da CBD-Produkte nun überall und jederzeit verfügbar seien, werde dadurch der Drogenkonsum gefördert. Rauche man CBD-Zigaretten, sei es fraglich, ob man in Beruf oder Schule noch leistungsfähig sei.

«CBD soll höchstens in Apotheken verkauft werden»

CBD allein hat laut Franjo Grotenhermen, Arzt und Geschäftsführer der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Cannabinoid-Medikamente, weder psychische noch physische Folgen. «Es ist so harmlos wie Bachblütentropfen», sagte Grotenhermen zu 20 Minuten. Von den CBD-Joints, die geringe Mengen THC enthalten, rät der Experte Jugendlichen jedoch ab: «Regelmässiger und früher Konsum könnte sich ungünstig auf die geistige Entwicklung auswirken», sagt Grotenhermen.

Andrea Geissbühler, SVP-Nationalrätin und Präsidentin des Schweizer Dachverbands Drogenabstinenz, hält es für äusserst fragwürdig, dass CBD-Produkte auf dem freien Markt verkauft werden: «Es gibt keine Langzeitstudien darüber, wie die Substanz wirklich wirkt. Bis eine solche Studie gemacht wurde, sollten CBD-Produkte höchstens in Apotheken verkauft werden, wo die Kunden über die Risiken aufgeklärt werden.» Die Präsidentin von «Eltern gegen Drogen» schreibt dazu in ihrem Leitartikel: «Verschonen wir unsere Jugend vor solchen Menschenversuchen!»

Boykott verunsichert die Detailhändler nicht

Dass die CBD-Gegner nun zum Boykott der Verkaufsstellen aufrufen, verunsichert weder Coop noch Denner. Coop schreibt auf Anfrage: «Wir nehmen den Boykott-Aufruf mit Befremden zur Kenntnis», so Coop-Sprecher Urs Meier.

Grazia Grassi, Sprecherin von Denner, betont auf Anfrage: «Die CBD-Produkte entsprechen den gesetzlichen Vorschriften und sind von den Behörden für den Verkauf zugelassen.» Weiter betonen sowohl Coop als auch Denner, dass sie den Jugendschutz für sehr wichtig halten und CBD-Zigaretten erst ab 18 Jahren erhältlich seien. Mit Ausweiskontrollen, Testeinkäufen, Personalschulungen sowie unangekündigten Kontrollen der Verkaufsstellen werde verhindert, dass Minderjährige an die Produkte gelangen würden.

Der Boykott-Aufruf habe mit dem Infoblatt von «Eltern gegen Drogen» rund 10'000 Menschen erreicht: «Es kann etwas bewirken», ist sich Sabina Geissbühler-Strupler sicher. Sie selbst sei früher oft zum Einkaufen zu Coop gegangen. «Jetzt kaufe ich dort nicht mehr ein.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tina am 05.09.2017 19:07 Report Diesen Beitrag melden

    Anderer Meinung

    Liebe Frau Strupler, ob es diese Produkte in den Grossverteilern gibt oder nicht, werden Kinder (wie schon seit Anfang der Zeit) schlussendlich selber entscheiden, was sie konsumieren wollen oder nicht. Ich vertrete wie sicher viele andere Eltern auch die Meinung, dass ein Kind von den Eltern und der Gesellschaft geleitet und in gewisser Weise geformt werden kann, aber nicht in Watte gepackt werden sollte. Denn was macht jeder Teenager und junger Erwachsener? Reisst sich die Watte vom Körper und macht erst recht das, wo die Älteren militant dagegen sind. Erklären ist besser als verbieten.

    einklappen einklappen
  • Th4cking am 05.09.2017 19:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    dann müsste man auch jeden laden Boykottieren der alkohol verkauft.... sorry ich habe gar kein verständniss für diesen "verein". es ist immer einfach auf etwas herum zu hacken wenn mann keine ahnung hat.... vor allen das mit dem Jugendschutz.... ist einfach nur an den haaren herbeigezogen...

    einklappen einklappen
  • René Brechbühl am 05.09.2017 19:11 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich naiv.

    Sancta Simplicitas, was für eine Ignoranz noch im 21. Jahrhundert !

Die neusten Leser-Kommentare

  • C'est la ouate am 06.09.2017 22:34 Report Diesen Beitrag melden

    eigene Verantwortlichkeit

    Arm ist der Mensch, dessen Freuden, die Erlaubnis den anderen abhängen.

  • Herr Bockbuehler am 06.09.2017 17:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Realitätsverweigerung hoch 3

    SoSo Frau Geissbuehler kauft nicht mehr beim Coop ein wegen des CBD Verkaufs. Das 6 Meter lange und 1,60 hohe Wein und Spirituosen Regal hat sie aber nie gestoert ganz zu schweigen von den wöchentlichen Aktionen von Alkoholika und deren Anpreisung . Die Haltung von Frau Geissbuehler zeigt das sie sich mit der CBD Thematik nicht auseinander gesetzt hat. Und ja manche Frauen gehören wirklich hinter den Herd und nicht in die Politik.

    • Dani B. am 06.09.2017 17:59 Report Diesen Beitrag melden

      wollte einen Daumen noch Oben machen

      Aber der letzte Satz ist mir dann aufgestossen. Glauben Sie wirklich, dass Geissbühler-Strupler kochen kann?

    • Marcel R. am 06.09.2017 18:25 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht schon wieder...

      Bitte nicht schon wieder so ein aus der Luft gegriffener Sexismus-Vorwurf. Noch nie was von Sarkasmus gehört?

    einklappen einklappen
  • Dani B. am 06.09.2017 17:00 Report Diesen Beitrag melden

    Harmlos wie Bachblütentropfen?

    Cannabidiol ist ein hoch wirksames Neuroleptikum. Wenn es keine Nebenwirkung hat, warum ist es nicht das Medikament der ersten Wahl?

    • Hagbard~Celine am 06.09.2017 17:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dani B.

      Weil die Pharma-Industrie nichts daran verdient?

    • ck am 06.09.2017 17:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dani B.

      Weil cannabis verboten ist und cbd cannabis erst vor kurzem legalisiert wurde und es daher noch in der testphase ist. Und es gibt übrigens Viele Ärzte die bereits cbd verschreiben.

    • Dani B. am 06.09.2017 17:22 Report Diesen Beitrag melden

      Hallo ck!

      Geht das dann unter Phytotherapie? Ich meine, brauche ich eine Zusatzversicherung, dass es von der Kasse bezahlt wird? Oder hat die Pharmaindustrie schon Pillen konstruiert?

    • Maik am 06.09.2017 18:38 Report Diesen Beitrag melden

      Angst der Pharmabranche

      Weil die Pharmabranche Medikamente die in angeblich langen und teuren Forschungs und Entwicklungsprozessen hergestellt wurden für viel zu viel Geld und dank Patent (auf die menschliche Gesundheit) für sehr, sehr, seeehr viel Geld verkaufen kann. Dagegen ist Cannabidiol eine relativ einfach und vor allem extrem günstig in grossen Mengen zu produzierenden Substanz. Soviel zum politischen / Lobbyaspekt. Dazu kommt was ck oben gesagt hat.

    einklappen einklappen
  • Anto Nym am 06.09.2017 16:32 Report Diesen Beitrag melden

    mich nervt's mehr und mehr

    Seit CBD überall angepriesen wird, suche ich wie verrückt nach einem echten THC Dealer! Die Polizei macht zwar etwas gegen den Schwarzmarkt, aber sie nehmen mir alle Lieferanten weg! Also lieber Vater Staat und Vormundschaft Justitia, legalisiert doch endlich Cannabis wie es sich gehört und ich muss mich nicht wie ein Verbrecher fühlen...CBD ist war gut und recht aber ich möchte auch das Produkt natürlich haben, so wie es ist mit CBD und THC oder muss ich wirklich nach Colorado ziehen ;)

  • Makatitom am 06.09.2017 16:21 Report Diesen Beitrag melden

    Da muss ich nicht einmal raten

    da ist für mich sofort klar, dass wieder die intelligenzabstinente Ziegenhoger dahintersteckt. Sie hat wohl Angst, ihre Kollegen müssten mal die richtigen Verbrecher in Muri b. Bern, Zürich Paradeplatz, Zug oder der Goldküste jagen. Wo es doch soo viel einfacher ist, Konsumenten und Kleindealer zu jagen und Verkehrsbussen zu verteilen. kann die nicht endlich mal einen Schiessunfall haben?